Zehn Jahre nach Plagiatsaffäre

Guttenberg überrascht mit Doktorarbeit und legt sich bei Polit-Comeback endgültig fest

  • Andreas Schmid
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Karl-Theodor zu Guttenberg darf sich wieder Doktor nennen. Still und heimlich promovierte der Ex-Minister in England. Gibt es nun die große Rückkehr in die Politik?

  • Die Plagiatsaffäre ruinierte die Karriere von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).
  • Nun hat der frühere Minister erneut promoviert und darf sich wieder Doktor nennen.
  • Der 48-Jährige sprach just über eine Rückkehr in die Politik.

München - Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte eine große politische Karriere vor sich. Der gebürtige Münchner zog 2002 mit 30 Jahren in den Bundestag ein und wurde 2008 von Horst Seehofer zum Generalsekretär der CSU* ernannt. Er war ein Hoffnungsschimmer innerhalb der Union* und wurde von einzelnen Wegbegleitern gar als späterer Bundeskanzler ins Spiel gebracht. Auf Bundesebene war er erst Wirtschaftsminister - mit 37 Jahren der jüngste auf diesem Posten - und später Verteidigungsminister. Doch mit der Plagiatsaffäre im Jahr 2011 endete seine steile politische Karriere.

Karl Theodor zu Guttenberg (l.) hat seinen rasanten politischen Anstieg auch Horst Seehofer zu verdanken.

Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU): Plagiatsaffäre 2011 kostete ihn die poltiische Karriere

Guttenberg hatte an der juristischen Fakultät der Universität Bayreuth promoviert. In seiner Dissertation wurden dann diverse Plagiate und schließlich ein Täuschungsvorsatz Guttenbergs festgestellt. Die Staatsanwaltschaft in Hof erkannte bei 23 Textpassagen strafrechtlich relevante Urheberrechtsverletzungen. Die mutmaßlich abgekupferte Doktorarbeit kostete dem CSU-Politiker die Polit-Karriere. Im März 2011 trat er zurück. Seitdem ist es weitgehend still geworden um das aufstrebende Polittalent. Guttenberg arbeitete nach dem Eklat in der Unternehmensberatung, unter anderem für die Deutsche Lufthansa, die er bei Innovationsfragen unterstütze. Seinen Lebensmittelpunkt verlegte er in die USA. Jetzt, fast zehn Jahre nach der Plagiatsaffäre, äußert er sich zu der Frage nach dem Comeback.

Karl-Theodor zu Guttenberg ist wieder Doktor: Politik-Comeback ausgeschlossen

Karl-Theodor zu Guttenberg ist wieder Doktor. Der mittlerweile 48-Jährige promovierte erneut und führt inzwischen den Titel eines Doktors der Philosophie (PhD), wie er den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstagsausgaben) sagte. Den Doktortitel erwarb er an der englischen Universität von Southampton.

Promoviert habe ich nicht für die Öffentlichkeit und erst recht nicht für ein politisches Comeback.

Karl-Theodor zu Guttenberg über seinen erneuten Doktortitel

Sein erneutes Promotionsstudium liege schon eine ganze Zeit zurück, sagte Guttenberg den Funke-Blättern. Gesprochen habe er darüber aber mit fast niemandem, auch um sich vor Gerüchten um einen politischen Neuanfang zu schützen. Dazu werde es nämlich definitiv nicht kommen, „denn promoviert habe ich nicht für die Öffentlichkeit und erst recht nicht für ein politisches Comeback, das ich gewiss nicht mehr anstrebe, sondern alleine aus sehr persönlichen Gründen.“ Deshalb wolle er auch nicht mehr über seine erneute Promotion sagen - „außer dass ich sehr dankbar bin, diese zweite Chance bekommen zu haben“.

Eine Rückkehr in die Politik scheint also nun definitiv ausgeschlossen. Bereits Anfang des Jahres hatte er gesagt: „Ich bin gottfroh, nicht mehr irgendwelchen parteipolitischen Spielereien ausgesetzt zu sein“ und von einem „Zugewinn an Lebensqualität" gesprochen. Doch würden Sie Guttenberg eigentlich gerne zurück im Amt sehen? Sei es auf Landes- oder Bundesebene. Stimmen Sie ab:

Karl-Theodor zu Guttenberg ist wieder Doktor: „Bemerkenswerte, exzellent recherchierte Forschungsergebnisse“

Inhaltlich soll Guttenberg an der Fakultät für Wirtschaft, Recht und Kunst über „Agenten, Rechnungen und Korrespondenten im Wandel der Zeit“ geforscht haben. - und dies offenbar ziemlich gut, wie sein Doktorvater Richard Werner gegenüber der Bild (Artikel hinter Bezahlschranke) erläuterte. Er bescheinigte dem Ex-Minister, „bemerkenswerte, exzellent recherchierte Forschungsergebnisse zu einem wichtigen Thema“, und stellte klar: „Doktorarbeiten werden nach ihrem Inhalt, nicht nach der Person geprüft.“ (as) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © dpa / Angelika Warmuth

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