Guaidó sucht neuen Schwung

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Juan Guaidó zieht es in die Welt hinaus. Ein Jahr nachdem er sich zum Interimspräsidenten Venezuelas ernannt und dem sozialistischen Staatschef Nicolás Maduro den Fehdehandschuh hingeworfen hat, lässt der junge Abgeordnete die tropische Tristesse von Caracas hinter sich und tourt durch Europa: London, Brüssel, Davos. Nichts erinnert ihn hier daran, dass es ihm trotz Massenprotesten, Solidaritätskonzerten und internationaler Unterstützung noch immer nicht gelungen ist, Maduro aus dem Präsidentenpalast Miraflores zu vertreiben.

Jetzt will Guaidó weitere Allianzen schmieden und einen neuen Anlauf wagen. "2019 haben wir Fähigkeiten entwickelt und gelernt. Dieses Jahr muss ein Jahr der Aktionen werden", ließ er vor seiner Abreise wissen. "Wir sind entschlossen, Freiheit für unser Land zu erringen. Es wird nicht leicht. Es wird viele Mühen kosten, aber wir werden es schaffen, koste es, was es wolle."

Unter dem tosenden Jubel Tausender Anhänger hatte sich Guaidó am 23. Januar 2019 zum Interimspräsidenten erklärt und Maduro nach dessen umstrittener Wiederwahl offen herausgefordert. Fast 60 Länder erkannten ihn als legitimen Übergangsstaatschef an, die USA und die EU verhängten Sanktionen gegen die sozialistische Regierung, mit der Hilfe übergelaufener Soldaten wurde der Oppositionsführer Leopoldo López aus dem Hausarrest befreit. Doch die Lage ist festgefahren. Maduro sitzt nach wie vor fest im Amt.

Den ersten Jahrestag seiner Ausrufung als Interimspräsident will Guaidó nicht in Venezuela verbringen - zu augenfällig wäre, wie wenig er bislang erreicht hat. Stattdessen nimmt er das Heft des Handelns in die Hand, setzt sich über das Ausreiseverbot hinweg und besucht seine Verbündeten im fernen Europa. Doch der Machtkampf wird in Caracas auf der Straße entschieden - nicht in den Hinterzimmern von London, Brüssel und Davos. dpa

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