Noch sind sie da: Ein Schild weist auf den Haupteingang der Kaserne "Patch Barracks" hin. In diesem Gebäude befindet sich das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa. FOTO: DPA
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Noch sind sie da: Ein Schild weist auf den Haupteingang der Kaserne "Patch Barracks" hin. In diesem Gebäude befindet sich das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa. FOTO: DPA

Genugtuung in Russland

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Moskau/Washington- Russland hat mit Genugtuung auf die Pläne von US-Präsident Donald Trump reagiert, etwa 12 000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen. "Je weniger US-Soldaten auf dem europäischen Kontinent sind, desto ruhiger wird es in Europa", sagte der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow, gestern. Im eigenen Land trifft Trump dagegen auf massiven Widerstand - auch in der eigenen Partei.

Trump hatte den Truppenabzug bereits im Juni angekündigt, seit Mittwoch sind die Einzelheiten bekannt. Mehr als die Hälfte der 12 000 Soldaten sollen in die USA zurückkehren, 5600 innerhalb der NATO in Europa verlegt werden. In der Truppenreduzierung in Europa sehen die Kritiker der Trump-Pläne ein Geschenk an Putin, weil so auch die militärische Abschreckungskraft gegenüber Moskau schrumpft.

"Russland verdient es nicht, dass die USA ihre Einsatzfähigkeit in Europa reduzieren", sagte der ehemalige Kommandeur der US-Truppen in Europa, Ben Hodges, der Deutschen Welle. Ähnliche Töne kommen aus Trumps Republikanischer Partei. "US-Soldaten bremsen die expansionistischen Ziele der schlimmsten Regime der Welt, vor allem Chinas und Russlands", sagte der republikanische Senator Ben Sasse. Zuvor hatte sein Parteikollege Mitt Romney - einer der schärfsten innerparteilichen Kritiker Trumps - die Pläne als "Schlag ins Gesicht eines Freundes und Verbündeten" gewertet.

Auch unter US-Demokraten gab es scharfe Kritik. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Repräsentantenhaus, Eliot Engel, sprach von einem "schweren Schlag", den Trump Deutschland und der NATO versetzt habe.

Von den US-Plänen sind bisher drei Standorte in drei Bundesländern betroffen: Das bayerische Vilseck am Truppenübungsplatz Grafenwöhr, der Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Spangdahlem und die beiden Kommandozentralen für Europa und Afrika in Stuttgart.

Es ist aber unklar, ob Trumps Maßnahme wie geplant über die Bühne gehen kann. Der US-Präsident kann den Teilabzug als Oberbefehlshaber der Streitkräfte anordnen. Für die Umsetzung braucht er aber Geld. Der Kongress müsste die Mittel bewilligen. Schon jetzt gibt es Bemühungen im Kongress, die Pläne zu blockieren oder zu erschweren. Und in drei Monaten findet die Präsidentenwahl statt. Sollte Trump gegen seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden verlieren, würden die Karten ohnehin neu gemischt. dpa

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