Hotspot Schlachthöfe

USA geht das Rinfleisch aus

  • vonThomas J. Spang
    schließen

"Wendy" machte über Jahre Werbung mit dem einprägsamen Slogan "Where is the Beef?" (Wo ist das Fleisch?). Genau diese Frage stellen sich nun Kunden der Fast-Food-Kette, der das Rindfleisch ausgeht. Der Konzern habe "unter den gegenwärtigen Produktionsherausforderungen" Probleme, Nachschub zu sichern, verrät ein Wendy-Sprecher, wo das Fleisch ist.

Gemeint sind die Covid-19-Infektionswellen, die über Amerikas gigantischen Schlachthöfe hereingebrochen sind und rund ein Drittel der Fleischproduktion zum Erliegen gebracht haben. Dutzende Schlachtereien mussten vorübergehend schließen, nachdem sie zu Hotspots der Corona-Pandemie in den USA geworden sind. Nach Angaben der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC sind bereits mehr als 5000 Arbeiter in 115 Schlachthöfen in 19 Bundesstaaten an dem Erreger erkrankt und mehr als 20 daran verstorben.

Die Arbeitsbedingungen in den 800 Schlachtfabriken Amerikas galten schon vor Ausbruch der Pandemie als brutal. Rund 70 Prozent der Beschäftigten der Industrie sind Latinos oder Schwarze, die auch Hauptleidtragende der Pandemie sind. Als sich der Virus ausbreitete, stellten ihnen Smithfield, JBS und Tysons weder Masken zur Verfügung, noch sorgten sie für den vorgeschriebenen Abstand.

Ungeachtet der Gefahren für die Beschäftigten machte der US-Präsident vergangene Woche erstmals während der Pandemie von dem "War Powers Act" Gebrauch und erklärte die Schlachtfabriken nach Intervention der Industrie für "essenziell". Dazu hatte sich Donald Trump bei der Produktion von Schutzmasken oder Beatmungsgeräten nicht durchringen können.

Die Entscheidung löste einen Aufschrei der Empörung aus. "Wenn sie in einer Schlachtfabrik arbeiten", ätzt der Kolumnist Eugene Robinson in der "Washington Post", "werden sie auf Anweisung des Präsidenten für weniger essenziell eingestuft als das Steak, das sie schneiden."

Unbestritten hat die Krise in Amerikas Fleischindustrie aber auch mit dem hohen Grad an Konzentration zu tun. "Schlachtereien sind der Flaschenhals im System", sagt Julie Niederhoff von der Syracuse University. "Wenn sie schließen, haben wir ein Problem." tsp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare