Die Ausrüstung eines Kamera-Teams liegt nach einem Übergriff zwischen Alexanderplatz und Hackeschem Markt auf dem Boden. FOTO: DPA
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Die Ausrüstung eines Kamera-Teams liegt nach einem Übergriff zwischen Alexanderplatz und Hackeschem Markt auf dem Boden. FOTO: DPA

Die Frage nach dem Warum

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Was steckt hinter der Attacke auf ein Fernseh-Team in Berlin? Es gibt Verdächtige, aber keine klaren Beweise. Nun äußerte sich auch der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Angreifer waren vermummt, schlugen gezielt zu und flohen schnell. Die Zeugenaussagen zu dem Überfall auf das ZDF-Kamera-Team am Freitag in Berlin sind zudem nicht eindeutig, wie Polizei und Staatsanwaltschaft gestern mitteilten. Durch die "Dynamik und Unübersichtlichkeit des Geschehens" sei die Aufklärung des Falls aufwendig und schwierig. Um die Täter zu fassen, will die Kriminalpolizei nun "Bildmaterial" auswerten, das die Tat, die Umgebung und die Bewegungen der Täter vorher und nachher zeigt.

Im Blick haben Polizei und Staatsanwaltschaft weiterhin sechs verdächtige junge Männer und Frauen, die am Freitag festgenommen und am Samstag wieder freigelassen wurden. Sie seien "nach polizeilichen Erkenntnissen teilweise der "linken Szene" zuzurechnen, hieß es am Montag. Ob diese politische Einstellung Grund für den Angriff gewesen sein könnte, werde nun untersucht. Aus Sicherheitskreisen hieß es, eine der polizeilich bekannten Personen sei seit 2015 als "Gewalttäter" aus dem linken Spektrum bekannt. Ermittelt wird durch den für politisch motivierte Taten zuständigen Staatsschutz des Landeskriminalamtes (LKA) wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung.

Das siebenköpfige ZDF-Team der Satiresendung "heute-show" hatte am Freitag bei einer Demonstration gegen die Corona-Regeln gefilmt. Danach war es in einer Seitenstraße nahe dem Alexanderplatz von mindestens 15 Menschen angegriffen worden. Die Polizei nannte den Überfall "gezielt". Die Täter hätten unter anderem einen "metallenen Gegenstand" eingesetzt und fünf ZDF-Mitarbeiter, darunter private Wachleute, teils "erheblich verletzt". Der Satiriker Abdelkarim, der zum Team gehörte, blieb unverletzt.

Die Bundesregierung verurteilte die Tat gestern scharf. "Wer Journalisten angreift, bedroht, verletzt, der steht weit außerhalb unserer demokratischen Ordnung und der muss uns alle gegen sich haben", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Wir sehen seit Längerem, dass Extremisten aller Richtungen die Pressefreiheit, eines unserer wichtigsten Grundrechte, buchstäblich mit Füßen treten." Es sei traurig, dass die Begleitung durch Sicherheitsleute für Journalisten bei vielen Demonstrationen inzwischen obligatorisch sei. Laut Staatsanwaltschaft wurden die sechs Verdächtigen wieder freigelassen, "weil die Beweislage für einen dringenden Tatverdacht nicht ausreichte" oder es keine Haftgründe - dazuzählen Fluchtgefahr oder Wiederholungsgefahr - gebe. Bei ihnen handelt es sich um vier Männer im Alter von 24, 25 und 31 Jahren sowie um zwei Frauen im Alter von 25 und 27 Jahren. Vier von ihnen leben nach dpa-Informationen in Berlin, zwei haben ihren offiziellen Wohnsitz offenbar in Baden-Württemberg.

Laut Polizei flohen die Täter nach Aussagen von Zeugen mit Fahrrädern und einem Auto. Bundespolizisten, die in der Nähe waren, leiteten sofort eine Fahndung ein.

Die Polizei kündigte an, dass viele Zeugen vernommen werden müssten. Bislang vorliegende Aussagen würden "nicht in allen Details ein einheitliches Bild" ergeben.

Untersucht wird dabei weiterhin, ob es einen Zusammenhang zwischen der Tat und einer Demonstration in der Nähe gab. Dort hatte das Fernseh-Team gedreht. An der Demonstration nahmen auch Rechtspopulisten und Anhänger von Verschwörungstheorien teil.

Abdelkarim wollte sich zunächst nicht weiter zu dem Überfall äußern, wie eine Sprecherin sagte. Am Samstag sprach er über Twitter von den Angreifern als "einer sehr aggressiven Gruppe". Er schrieb: "Nach Einschätzung eines Sicherheitsmannes hatten wir Glück im Unglück. Das Ganze hätte auch viel tragischer enden können. Ich hatte von allen das größte Glück und mir geht es gut."

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