Völlig zerstörte Gebäude am Hafen von Beirut. FOTO: DPA
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Völlig zerstörte Gebäude am Hafen von Beirut. FOTO: DPA

Corona-Einbruch

Explosion erschüttert Beirut

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Beirut- In der libanesischen Hauptstadt Beirut hat sich am Dienstag eine gewaltige Explosion mit über 70 Toten und mindestens 2700 Verletzten ereignet. Über der Stadt stieg am frühen Abend eine riesige Rauchwolke auf. Eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur berichtete von einer starken Erschütterung im Zentrum und von großen Schäden. Durch die Wucht der Explosion am Hafen der Küstenstadt gingen Fenster zu Bruch, Straßen waren mit Trümmern und Glasscherben übersät. Große Teile des Hafens wurden vollständig zerstört.

Die Hintergründe der Explosion blieben zunächst unklar. Hinweise auf einen Anschlag oder einen politischen Hintergrund gab es am Abend nicht. Das Auswärtige Amt zeigte sich "erschüttert". Auch Mitarbeiter der Deutschen Botschaft in Beirut seien unter den Verletzten.

Gesundheitsminister Hassan Hamad sagte am Abend, mindestens 73 Menschen seien getötet und weitere 2750 verletzt worden. Der Generalsekretär des libanesischen Roten Kreuzes, Georges Kettaneh, berichtete der dpa ebenfalls von mehr als 2000 Verletzten. Die Armee half, Verletzte in Krankenhäuser zu bringen. Bürger wurden aufgerufen, Blut zu spenden.

Die Nachrichtenagentur NNA berichtete, am Hafen sei in einem Lagerhaus Feuer ausgebrochen. Innenminister Mohammed Fahmi sagte, nach vorläufigen Informationen sei ein hochexplosives Material detoniert, das seit Jahren am Hafen gelagert wurde. Anderen Berichten zufolge ereignete sich die Explosion in einem Lager für Feuerwerkskörper.

Spekulationen über Ammoniumnitrat

Am Abend gab es Spekulationen, eine große Menge Ammoniumnitrat sei im Hafen explodiert. Die Zersetzung des Stoffs, der auch zur Herstellung von Sprengsätzen dienen kann, führt bei höheren Temperaturen zu Detonationen. Die Substanz diente zum Raketenantrieb und vor allem zur Düngemittelherstellung. Berichten zufolge hatten libanesische Behörden vor einigen Jahren 2700 Tonnen des Stoffs an Bord eines Schiffs sichergestellt und ihn seit mehreren Jahren im Hafen gelagert. Eine Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Auch ein Schiff der UN-Friedenstruppen im Libanon (UNIFIL) wurde beschädigt. Mehrere Blauhelm-Marinesoldaten seien verletzt worden, einige von ihnen schwer teilte die Mission mit.

Regierungschef Hassan Diab erklärte den Mittwoch zum Tag landesweiter Trauer in Gedenken an die Opfer.

Regierungen anderer Länder zeigten sich betroffen und stellten dem Libanon Unterstützung in Aussicht. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sicherte die "uneingeschränkte Solidarität und ihre volle Unterstützung" der Europäischen Union zu. dpa

Frankfurt- Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport will wegen des langfristigen Corona-Einbruchs Tausende Jobs streichen. In seinem Bericht zur ersten Jahreshälfte sieht Fraport-Chef Stefan Schulte zwar den Tiefpunkt der Luftverkehrsbeschränkungen durchschritten, stimmt aber zugleich alle Beteiligten auf eine lange Durststrecke ein. Noch in den Jahren 2022/2023 dürften die Passagierzahlen am Heimatdrehkreuz nach seiner Einschätzung 15 bis 20 Prozent unter den bisherigen Höchstwerten liegen.

Zwischen 3000 und 4000 der rund 22 000 Stellen sollen abgebaut werden, kündigte Fraport an. Neben der natürlichen Fluktuation wolle man verschiedene sozialverträgliche Maßnahmen nutzen, über die mit den Arbeitnehmern verhandelt werde. dpa " Seite 3

London/Frankfurt- Der Goldpreis ist am Dienstag erstmals über 2000 US-Dollar gestiegen. Der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) erreichte mit 2000,58 Dollar einen Rekordwert. Der Preis konnte sich aber zunächst nicht ganz auf diesem Niveau halten und lag am frühen Abend bei 1997 Dollar. Im Mittagshandel hatte die Feinunze noch rund 25 Dollar weniger gekostet. Vor der Zuspitzung der Corona-Krise im März hatte der Preis noch unter 1500 Dollar notiert.

Händler verwiesen auf wachsende Spekulationen, dass sich die US-Regierung und der Kongress auf ein neues Konjunkturpaket einigen könnten. Dies würde für noch mehr Liquidität an den Märkten sorgen und so auch die Nachfrage nach Gold antreiben. dpa

Berlin- Die von Nordrhein-Westfalen beschlossene Maskenpflicht an Schulen auch während des Unterrichts sorgt für Diskussionen. Andere Länder wie Niedersachsen und Berlin wollen dem Beispiel mit Beginn des neuen Schuljahres nicht folgen. Auch Kinder- und Jugendärzte sprachen sich gegen einen Mund-Nase-Schutz im Unterricht aus. "Ein längeres Maskentragen beeinträchtigt bei Schülern die Leistungsfähigkeit", sagte der Präsident ihres Berufsverbands BVKJ, Thomas Fischbach.

Niedersachsens Kultusstaatssekretärin Gaby Willamowius sagte am Dienstag in Hannover, angesichts niedriger Corona-Infektionszahlen wäre das Tragen während der gesamten Unterrichtszeit nicht verhältnismäßig.

Die NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) verteidigte die Regelung. "Wenn sich Schülerinnen und Schüler konstant nicht - weder im Unterricht noch auf den anderen Flächen - daran halten, kann das auch mit einem Verweis von der Schule beziehungsweise einem vorübergehenden einhergehen", sagte sie.

Hessen bleibt vorerst bei seiner Linie, die Entscheidung in die Hände der Schulleitungen vor Ort zu legen. "Diese Regelung besteht nach wie vor", sagte ein Sprecher des Kultusministeriums am Dienstag in Wiesbaden. Man beobachte allerdings sehr genau das Corona-Infektionsgeschehen.

Ärzte: Zweite Welle schon da

Die von vielen befürchtete zweite Corona-Welle hat Deutschland nach Einschätzung des Ärzteverbandes Marburger Bund bereits erfasst. "Wir befinden uns ja schon in einer zweiten, flachen Anstiegswelle", sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Johna. Sie sei aber nicht vergleichbar mit den Zahlen von März und April. Die Krankenhäuser seien vorbereitet.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 879 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Seit Beginn der Krise haben sich somit mindestens 211 281 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus SARS-CoV-2 infiziert

Im niederbayerischen Mamming ist die Zahl der Corona-Infizierten in einer Konservenfabrik auf 166 gestiegen. Der gesamte Betrieb mit 600 Mitarbeitern wurde stillgelegt. Die Belegschaft befinde sich in Quarantäne. Diese gelte bis zur Klärung der Zusammenhänge auch für zwei weitere Standorte des Betriebs mit insgesamt 130 Mitarbeitern.

Der Umgang mit möglichen Verboten von Demonstrationen der Corona-Leugner sorgt derweil für Differenzen in der großen Koalition. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sprach sich ge-gen solche Maßnahmen aus, Innenstaatssekretär Stephan Mayer (CSU) bezeichnete sie hingegen als prinzipiell vertretbar. Ein Nein zu Verboten kam auch aus der FDP.

Der AfD-Co-Parteichef Tino Chrupalla hat die Demonstrationen begrüßt. "Wenn man diese Bilder gesehen hat, ist es lobenswert, dass so viele Menschen auf den Straßen Berlins unterwegs waren und für ihre Grundrechte demonstriert haben", sagte er. Dass der Veranstalter die Demonstration von sich aus beendet habe, sei ebenso lobenswert. dpa/AFP

Berlin/Istanbul- Die Bundesregierung hat die Reisewarnung für die wichtigsten türkischen Urlaubsgebiete aufgehoben. Sie gilt seit gestern nicht mehr für die Provinzen Antalya, Izmir, Aydin und Mugla. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer begründete den Schritt mit der relativ niedrigen Zahl von Neuinfektionen in diesen Gebieten und dem "speziellen Tourismus- und Hygienekonzept", das die türkische Regierung entwickelt hat.

Die Türkei werde von sämtlichen Personen, die aus der Türkei nach Deutschland zurückreisen, bei der Ausreise die Vorlage eines negativen Corona-Testnachweises verlangen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Die Tests sind von den Rückreisenden auf eigene Kosten zu veranlassen (15 bis 30 Euro).

Das Auswärtige Amt wies zudem darauf hin, dass sich an der Einstufung der gesamten Türkei als Corona-Risikogebiet nichts ändere. dpa

Berlin- Die überwiegende Mehrheit der Deutschen (82 Prozent) hat großes oder sehr großes Vertrauen in die Polizei. Dies ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap. Am höchsten sind die Werte bei Anhängern der CDU/CSU (94 Prozent), gefolgt von Anhängern der Grünen und der FDP (je 86) und SPD (78). Bei Anhängern der AfD waren es 73 Prozent und bei der Linken 71 Prozent. dpa

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