Erneut Ausbruch in Fleischfabrik

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Rheda-Wiedenbrück- Mit mindestens 657 Infizierten gibt es erneut einen folgenreichen Corona-Ausbruch in einer deutschen Fleischfabrik. Die Produktion in dem Schlachtbetrieb in Westfalen wurde vorübergehend eingestellt, der Kreis Gütersloh schließt Schulen und Kitas und stellt gut 7000 Menschen unter Quarantäne. Durch die Schließung fehlen laut Gütersloher Landrat 20 Prozent der Fleischprodukte auf dem deutschen Markt. In Berlin-Neukölln stieg währenddessen die Zahl der Infizierten in den Wohnblöcken, die unter Quarantäne gestellt sind: Inzwischen seien 70 Fälle bekannt, sagte der Bezirksbürgermeister.

Der neue Ausbruch im Schlachtbetrieb trifft mit Tönnies einen Branchenriesen. Deutschlands Marktführer bei der Schlachtung von Schweinen muss seinen Hauptproduktionsbetrieb in Rheda-Wiedenbrück herunterfahren. Der zuständige Landrat Sven-Georg Adenauer geht davon aus, dass der Produktionsstopp zwischen zehn bis 14 Tage dauern wird.

Auch für die Region wird das sich rasant entwickelnde Infektionsgeschehen in der Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück Auswirkungen haben: Der Kreis Gütersloh kündigte an, alle Schulen und Kitas bis zu den Sommerferien, die in Nordrhein-Westfalen am 26. Juni beginnen, wieder zu schließen.

Clemens Tönnies, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, hatte sich vor Wochen nach einem Virus-Ausbruch beim Konkurrenten Westfleisch gegen den Generalverdacht gegen die Branche gewehrt. Gereon Schulze Althoff, Leiter des Pandemiestabs bei Tönnies, nannte die Kälte in der Produktion und die Heimreisen der Beschäftigten an den langen Wochenenden an Pfingsten und Fronleichnam nach Osteuropa als mögliche Faktoren für die Ausbreitung des Coronavirus.

Abgesehen von den lokalen Ausbrüchen entwickelt sich das Corona-Infektionsgeschehen in Deutschland weiterhin auf einem niedrigen Niveau. 156 von 412 Landkreisen meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) in den vergangenen sieben Tagen keine Neuinfektionen. Kein Landkreis überschreitet derzeit den von Bund und Ländern vereinbarten Grenzwert von 50 Corona-Neuinfektionen. Wird diese Obergrenze gerechnet auf 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten, sollten Beschränkungskonzepte erlassen werden. Deutschlandweit haben die Gesundheitsämter zuletzt 345 neue Infektionen gemeldet. Damit haben sich seit Beginn der Corona-Krise 187 184 Menschen angesteckt. dpa

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