Wo die Erde immer wieder bebt

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Es könnte jederzeit wieder passieren. Tausende Menschen könnten sterben, Hunderttausende Häuser einstürzen, UNESCO-Welterbe-Tempel zusammenbrechen und Lawinen über das Basislager des Mount Everest hinwegfegen. So wie damals vor knapp fünf Jahren im April 2015 als die Erde in Nepal so stark bebte, dass es auch in den Nachbarländern zu spüren war. Knapp 9000 Menschen starben damals.

Gerade schaut sich Elke Büdenbender, Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, den Wiederaufbau im stark erdbebengefährdeten Land an. Sie besucht auch von deutschen Spenden unterstützte Projekte des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF). Sie ist wie frühere deutsche First Ladys UNICEF-Schirmherrin und hofft nun, die Hilfsbereitschaft für Menschen in Entwicklungsländern zu erhöhen.

Noch immer zwei Drittel zerstört

Noch sind knapp ein Drittel der vom Beben zerstörten Wohnhäuser und öffentlichen Bauten kaputt oder im Bau, heißt es von der nepalesischen Wiederaufbaubehörde NRA. Besonders betroffen sind die Kinder, die UNICEF zufolge 40 Prozent der Bevölkerung des Landes ausmachen. Knapp 8000 Schulen wurden nach Angaben von UNICEF zerstört. Und einige Schulen, die noch standen, wurden nach dem Beben zunächst als Notunterkünfte genutzt. So hatten rund zwei Millionen Kinder und Jugendliche zeitweise schulfrei. "Ihre Lage ist besonders schwierig", sagte Büdenbender. "Noch immer bekommen sie die Folgen des schweren Erdbebens vor fünf Jahren zu spüren, und die Bedrohung durch Naturkatastrophen gehört zu ihrem Alltag."

Deshalb lernen die Kinder ganz praktisch, wie sie sich bei einem Erdbeben zu verhalten haben. Davon machte sich Büdenbender am Dienstag ein Bild: Sie besuchte eine wiederaufgebaute Schule, die nun möglichst erdbebensicher sein soll. Dort, in einer 2015 besonders betroffenen Region, gibt es alle zwei bis drei Monate eine Erdbebenübung: Die Kinder sitzen auf dem Boden und die Lehrerin zeigt eine Zeichnung der Schule und Umgebung. Sie stellt Fragen, um das Wissen der Kinder zu testen: Sollen sie im Wald Schutz suchen? Wo gibt es Strommasten, vor denen man sich im Fall der Fälle hüten sollte? Die Antwort geben die Kinder sofort: Am besten ist es, sich auf dem Pausenhof zu versammeln. Dies ist ein offener Ort, wo sie eher vor einstürzenden Gegenständen sicher sind.

Büdenbender beschäftigt sich auf ihrer Reise auch mit einem anderen großen Problem in dem kleinen Land: die Gesundheitsversorgung. Sie besuchte am Dienstag ein provisorisches Gesundheitszentrum mit Kreissaal und Medikamentenausgabe. Es soll so lange stehen, bis das ursprüngliche Gebäude wirklich erdbebensicher aufgebaut ist.

Am Vortag sprach sie mit Schülern, die ihre Nachbarn über die Gefahren von dreckigem Wasser aufklären und sich für bessere Hygiene einsetzen. So wollen sie eine Krankheit bekämpfen, die eine Folge des Bebens war: Cholera. Und auch der Tourismus als wichtige Einnahmequelle des Landes ging durch das Erdbeben zurück. dpa

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