Entsetzen über Jagd auf Motorradfahrer

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Berlin- Ein Anschlag auf der Berliner Stadtautobahn, bei dem ein Mann am Dienstagabend quasi "Jagd" auf Motorradfahrer gemacht und mehrere Menschen verletzt hat, hat für Entsetzen gesorgt. Der mutmaßliche Täter hatte nach Einschätzung der Behörden ein extremistisches Motiv. "Nach jetzigem Stand der Erkenntnisse gehen wir von einem islamistischen Anschlag aus", sagte Berlins Innense-nator Andreas Geisel (SPD) gestern. Es gibt aber auch "Hinweise auf eine psychische Labilität", wie die Berliner Generalstaatsanwaltschaft und die Polizei gemeinsam mitteilten.

Der Täter hatte mit seinem Auto mehrfach Fahrzeuge gerammt und sechs Menschen verletzt, drei davon schwer. Der mutmaßliche Angreifer habe "quasi Jagd" auf Motorradfahrer gemacht, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Der Verdächtige, ein 30-jähriger Iraker, wurde festgenommen und am Abend vorläufig in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht. Gegen ihn wird wegen versuchten Mordes ermittelt.

Getroffen hat der Mann zwei Motorradfahrer und einen Rollerfahrer. Die Motorradfahrer und ein Auto seien gerammt, ein weiterer Wagen gestreift worden, so Steltner. Die Kollisionen seien als gezielte Anschläge zu werten. Ein Motorradfahrer habe schwerste Verletzungen an Kopf und Wirbelsäule erlitten. Zwei weitere Zweiradfahrer seien ganz erheblich verletzt worden, sagte Generalstaatsanwältin Margarete Koppers im Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses. Bei dem letzten Zusammenstoß habe der Angreifer mit seinem Wagen den dritten Motorradfahrer auf ein vor ihm fahrendes Auto geschoben. Die dreiköpfige Familie in dem Wagen sei leicht verletzt worden.

Der Iraker ist laut Staatsanwaltschaft in Deutschland geduldet, darf also nicht abgeschoben werden. Er kam als Asylbewerber ins Land, sein Asylantrag wurde aber abgelehnt. Demnach war zunächst unklar, wann er nach Deutschland kam. Nach Fotos von seinem Facebook-Profil war er 2016 schon in Berlin. Generalstaatsanwältin Koppers sagte: "Er ist seit 2018 als Verdächtiger mehrerer Körperverletzungen und eines Angriffs auf Vollstreckungsbeamte erfasst worden." Zeitweise sei er auch in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht worden. Koppers berichtete, der Mann habe "Allahu Akbar" gerufen und auf Arabisch gesagt, dass alle sterben würden. Er habe ein Küchenmesser dabeigehabt und einen Gebetsteppich ausgerollt und sich darauf niedergelassen. Ein Polizist nahm ihn fest. Anhaltspunkte für die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sahen Generalstaatsanwaltschaft Berlin und Polizei nicht. Aus Sicherheitskreisen erfuhr die dpa, dass der Iraker in Kontakt zu einem als Gefährder bekannten Islamisten gestanden habe. Beide sollen im letzten Jahr in der glei-chen Flüchtlingsunterkunft gewohnt haben. dpa " Seite 4

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