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Umweltminister Norbert Röttgen steht Journalisten Frage und Antwort. Die Erschöpfung nach den zähen Verhandlungen sieht man ihm an

Einigung auf Weltklimavertrag bis 2015

Durban - Meilenstein oder Mogelpackung? Was EU und Umweltminister Röttgen als Durchbruch für einen Weltklimavertrag feiern, sehen Umweltschützer deutlich kritischer. Denn es gibt einen großen Haken an der Einigung.

Bei dem längsten Klimagipfel aller Zeiten hat die EU einen Fahrplan zu einem Weltklimavertrag durchgesetzt, der auch Klimasünder wie die USA, China und Indien in die Pflicht nimmt. Das Abkommen soll bis 2015 erarbeitet werden und 2020 in Kraft treten. “Zusammen haben wir hier positiven Druck ausgeübt auf die, die etwas Druck brauchen“, sagte EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard am Sonntagmorgen im südafrikanischen Durban. Die EU hatte durch einen Schulterschluss mit den ärmsten Ländern und Inselstaaten den Druck auf große Verursacher von Treibhausgasausstößen stark erhöht.

Südafrikas Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane, die mit ihrer Beharrlichkeit einen harten Konflikt zwischen Indien und der EU über die Verbindlichkeit des künftigen Weltklimavertrags gelöst hatte, sprach von einem “historischen Meilenstein“. “Wir haben einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht“, sagte sie. Das Plenum applaudierte der Verhandlungsführung, doch alle Delegierten waren auch froh, dass der Gipfel nach zwei Wochen am Morgen zu Ende ging.

Angesichts harter Positionen vor dem Abschlussplenum hatte Nkoana-Mashabane an den Einigungswillen der 193 Staaten appelliert: “Hier in Durban können wir gemeinsam Geschichte schreiben. Es ist Ihre Entscheidung, welche Art von Geschichte Sie schreiben wollen.“ Lange stand der Gipfel, der extra um einen Tag verlängert worden war, vor dem Scheitern, weil die EU keine faulen Kompromisse mehr wollte.

Klimakiller ade - die besten Tipps zum Senken der Treibhausgase

Klimakiller ade - die besten Tipps zum Senken der Treibhausgase

Klimakiller
Einer der größten Klimakiller ist: die Kuh. Sie produziert zwar kein Kohlenstoffdioxid, dafür aber Unmengen von Methan. Und dieses Gas ist 23mal stärker als Kohlendioxid. © dpa
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Ein Kilogramm Milch hat deshalb laut Greenpeace einen Treibhauseffekt von 7 Autokilometern. Das bedeutet, dass die Herstellung von einem Kilogramm Milch genauso viele Treibhausgase erzeugt wie eine 7 Kilometer lange Fahrt mit einem BMW Modell 118d. Auch das Fleisch der Milchkuh ist nicht ohne: ein Kilogramm hat den Effekt von 51 Autokilometern. © dpa
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Ein Kilo Käse ist noch umweltschädlicher: dessen Effekt lässt sich mit 71 Autokilometern vergleichen. © dpa
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Am umweltschädlichsten ist jedoch das Fleisch aus Ochsenmast: In einem Kilogramm Rindfleisch aus konventioneller Erzeugung stecken genauso viele Klimakiller wie in einer 70 Kilometer langen Fahrt mit dem BMW. Und, Überraschung: Rindfleisch aus Bioerzeugung ist sogar noch schädlicher. Darin stecken laut Greenpeace so viele Gase wie in 113 Autokilometern: 11,3 Kilogramm Kohlendioxid in einem Kilo Bio-Rindfleisch. © dpa
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Ein Hähnchenfilet ist da die umweltfreundliche Alternative: Es sind nur 3,5 Kilogramm in einem Kilo Geflügel versteckt. © dpa
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Sogar Schweinefleisch ist klimabekömmlicher als das Rindersteak: Ein Kilo entspricht lediglich 26 Autokilometern, beziehungsweise 3,3 Kilo Kohlenstoffdioxid. © dpa
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Da lohnt es sich, ein wenig Brot zu essen: In Winterweizen steckt laut Greenpeace wenig Umweltbelastung. Lediglich 3,4 Autokilometer stecken in einem Kilogramm konventionell angebauten Weizen, 1,5 Kilometer im Bioweizen. © dpa
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Obst und Gemüse sind wieder eine andere Sache: Hier kommt es darauf an, woher das Grünzeug stammt. © dpa
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Der Apfel aus Neuseeland belastet die Umwelt bei uns stark - egal, ob aus Bio- oder aus konventionellem Anbau. Der Apfel aus der Region ist durch den kurzen Transportweg ungleich klimafreundlicher. © dpa
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Besser als frisch geliefert aus fernen Ländern ist demnach tiefgekültes Gemüse. Bei Konservenware kommt es darauf an, worin sie aufbewahrt wird - denn bei Einweggläsern stecken stolze 38 Prozent der gesamten Kohlenstoffdioxid-Emmissionen in dem Glas. Bei Dosen-Mais sind mit 105 Gramm je Kilo ledigliche ein Fünftel der Klimagase in der Verpackung. © dpa
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Reis setzt dagegen beim Anbau eine Menge des umweltschädlichen Methans frei - und ist damit sogar laut Greenpeace klimafeindlicher als Fleisch - im ungünstigsten Fall. Bessere Alternativen: Nudeln und Kartoffeln. © dpa
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Um ein Kilo Kaffee herzustellen, werden 0,3 Kilowattstunden Energie verbraucht - noch ohne das Trocknen, Rösten und Sortieren der Bohnen. Hier kann aber bei der Zubereitung gespart werden: Statt der elektrischen Kaffeemaschine einfach das Wasser manuell durch den Filter gießen. Noch klimafreundlicher, sagt die Internetplatform utopia.de, sei Wein... Allerdings taugt der nichts als Wachmacher. © dpa
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Bei der Kleidung ist die Sache realtiv einfach: Je weiter das Stück um den Erdball reist, desto größer ist die Klimabelastung. Wenn ein T-Shirt beispielsweise von den USA über China bis nach Deutschland transportiert wird, dann stecken in dem Stoff zwischen sechs und sieben Kilogramm Kohlenstoffdioxid. In Bio-T-Shirts sind dagegen nur noch ein Siebtel der Belastung versteckt. Der umweltfreundlichste Kleiderkauf: gebrauchte Ware aus Second-Hand-Shops. © dpa
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Bei der Wäsche muss die Temperatur heruntergedreht werden - bei 40 Grad werden die Kohlendioxid-Emmissionen im Vergleich zur 60-Grad-Wäsche um zwei Drittel gesenkt. © dpa
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Auch beim Kochen kann man sparen: Wer etwa Wasser heiß machen will, benutzt besser den Wasserkocher als den Elektroherd. Der Herd verbraucht für das Aufheizen von 1,5 Litern 170 Gramm Kohlenstoffdioxid, der Wasserkocher nur 100 Gramm. © dpa
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CDs werden auch schlecht beurteilt: Eine Scheibe verbraucht für die Produktion und den Transport ein Kilogramm Kohlendioxid. Alternative: Musik aus dem Internet herunterladen - und natürlich nicht auf CD brennen... © dpa
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Auch Computer verbrauchen viel zu viel Strom - bei einer Suchanfrage bei Google wird soviel Strom verbraucht, dass eine Energiesparlampe rund eine Stunde brennen könnte. Die Alternativen sind Such-Websites wie forestle.org oder znout.org, denn deren Betreiber behaupten zumindest, die Gewinne in Klimaschutzprojekte zu stecken. © dpa
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Das Standby der vielen Elektrogeräte im Haushalt - ein altbekanntes Problem. Im Jahr macht das pro Gerät je nach Strommix bis zu 50 Kilo Kohlenstoffdioxid. Die einzig wahre Alternative heißt also: Steckdosenleiste mit Schalter kaufen  - oder Ausstecken. © dpa
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Der größte Schreck: Das geliebte Haustier ist der absolute Klimakiller. Die Autoren des Buches "Time to eat the dog?" haben festgestellt, dass ein mittelgroßer Hund im Jahr 164 Kilo Fleisch und 95 Kilo Getreide frisst. Eine Katze ist mit 2200 Kilo Kohlenstoffdioxid-Ausstoß so klimafeindlich wie ein VW Golf. Die Lösung? Tja, das muss jeder selber wissen. Die Autoren empfehlen: Hasen kaufen, mit Bioabfällen füttern und dann schnell auf den Teller bringen. Geschmackssache. © dpa

Heedegard sagte, die EU habe alles erreicht, nur bei der Frage der Verbindlichkeit des nun auszuhandelnden Klimavertrags habe man Zugeständnisse machen müssen. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) sprach von einem Erfolg. Es sei richtig gewesen, dass die Europäer hart geblieben seien. Auch die Allianz mit den am wenigsten entwickelten Staaten habe sein positive Wirkung nicht verfehlt.

Knackpunkt dürfte aber die Kompromissformel sein, dass das bis 2015 geplante Abkommen durch ein “Verfahren mit Rechtskraft“ umgesetzt werden kann - Indiens Umweltministerin Jayanthi Natarajan betonte, man habe viel Flexibilität bewiesen. Man lasse sich nicht einschüchtern und an den Pranger stellen. “Was ist das Problem, eine Option mehr aufzunehmen?“, fragte sie mit Blick auf die Aufweichung. Ihr Land, sowie China und die USA lehnten bisher verbindliche Abkommen komplett ab, daher ist Durban hier ein großer Fortschritt.

Zudem beschloss der Klimagipfel, das Kyoto-Protokoll erst bei der nächsten Klimakonferenz 2012 zu verlängern - es ist das bisher einzige bindende Abkommen. Bei einer Verlängerung wollen sich aber nur noch Staaten zu verpflichtenden Minderungszielen bekennen, die 15 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen ausmachen. Davon entfallen elf Prozent auf die EU. Mit der Verlängerung soll die Zeit bis zum Inkrafttreten des neuen Weltklimavertrags überbrückt werden. Die Vereinbarung könnte ab 2013 beginnen.

Greenpeace zeigte sich enttäuscht

Die Konferenz ließ offen, ob die nächste Kyotoperiode bis 2017 oder bis 2020 andauern sollte. Bis 2012 müssen die Reduktionsziele des Treibhausgas-Emissionen der einzelnen Länder in das Abkommen geschrieben werden - daher wurde jetzt nur die grundsätzliche Bereitschaft zu einer zweiten Verpflichtungsperiode beschlossen.

Konkretisiert wurde außerdem die Struktur des Grünen Klimafonds, mit dem vom Klimawandel besonders betroffene Länder ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar bekommen sollen. Zum Waldschutz gab es keine wesentlichen Fortschritte. China hatte zuvor erbost auf Vorwürfe reagiert, das Land blockiere einen wirksame Reduzierung von Treibhausgasen. “Es ist nicht so wichtig, was Länder sagen, sondern was sie tun“, sagte Unterhändler Xie Zhenhua im Abschlussplenum.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigte sich enttäuscht. “Der unter Druck von Indien und den USA abgeschwächte Kompromiss wird nicht zu einem international verbindlichen Klimaschutzvertrag führen, sondern zu einem nur lose bindenden Abkommen“, sagte Klimaexperte Martin Kaiser. “Damit wurde in letzter Minute ein Schlupfloch für die USA und fossile Industriekonzerne unter Mithilfe von Indien geschaffen.“ Nun drohe erneut ein langwieriger Verhandlungsprozess. Mit einem schwachen Klimavertrag, der zudem erst 2020 in Kraft treten soll, werde es nicht zu schaffen sein, die Erderwärmung wie angepeilt auf zwei Grad zu begrenzen. Brot für die Welt betonte, Durban sei nur ein “bedingter Fortschritt“ im Kampf gegen die Erderwärmung.

dpa

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