Annegret Kramp-Karrenbauer (r.) war die Wunschnachfolgerin Angela Merkels als CDU-Vorsitzende. Es ist nun offen, was aus Merkels Erbe wird. AKK ist inzwischen der Überzeugung, dass die Trennung von Kanzlerschaft und Parteivorsitz die CDU schwächt - zieht sich Merkel nun also früher als Kanzlerin zurück? FOTO: DPA
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Annegret Kramp-Karrenbauer (r.) war die Wunschnachfolgerin Angela Merkels als CDU-Vorsitzende. Es ist nun offen, was aus Merkels Erbe wird. AKK ist inzwischen der Überzeugung, dass die Trennung von Kanzlerschaft und Parteivorsitz die CDU schwächt - zieht sich Merkel nun also früher als Kanzlerin zurück? FOTO: DPA

Eine Mammutaufgabe

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Nach dem angekündigten Rückzug von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer taumelt die CDU. Die CSU wird nervös. Der Erfolg bei der nächsten Bundestagswahl steht auf dem Spiel.

Merz, Laschet, Spahn, Söder - wer auch immer bei der Union Kanzlerkandidat und bei der CDU Chef wird: Er steht vor Mammutaufgaben. Er muss die Grünen beim Kampf ums Kanzleramt abwehren. Die Risse in der CDU kitten. Den Richtungsstreit beenden. Die Erosion als Volkspartei stoppen. Die von Kanzlerin Angela Merkel hinterlassenen inhaltlichen Leerstellen stopfen und Themen mit zugkräftigen Köpfen besetzen. Seit der Thüringen-Krise herrscht bei der CDU Chaos. Daraus wieder herauszukommen, wird wohl nur im Team gehen. Und mit der CSU.

Den Christdemokraten droht nach dem überraschenden Rückzug auf Raten von Annegret Kramp-Karrenbauer ein Machtvakuum, das auch den Erfolg bei der nächsten Bundestagswahl gefährden kann - und in das die Grünen hineinstoßen könnten. Vor allem die CSU ist alarmiert, sie fürchtet, in einen Abwärtssog hineingezogen zu werden.

Die angeschlagene Noch-CDU-Chefin AKK und der mächtige CSU-Vorsitzende Markus Söder haben jetzt vor allem die Aufgabe, eine gemeinsame Lösung für die Kanzlerkandidatur zu finden. Doch schon kurz nach Kramp-Karrenbauers Ankündigung tritt Söder bei der Nachfolgefrage kräftig aufs Gas - und Kramp-Karrenbauer bremst.

Es dürfe in der CDU jetzt nicht irgendeinen "Schönheitswettbewerb" bis zum regulären Parteitag Anfang Dezember geben, verlangt der Bayer. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt legt am Dienstag nach. Ein Zeitplan über Monate hinweg sei abwegig: "Krisenhafte Situationen bewältigt man nicht durch das Zelebrieren der Krise, sondern durch Handeln." Kramp-Karrenbauer hatte am Montagabend dagegen betont, sie sehe keinen Anlass, am bisherigen Zeitplan zu rütteln.

Doch hat die scheidende CDU-Chefin, Merkels einstige Wunschkandidatin für Parteivorsitz und Kanzleramt, tatsächlich noch die Kraft, den Kanzlerkandidatenprozess von vorne zu führen, wie sie das will? Oder ist sie nun eine "lame Duck", eine "lahme Ente" - und die alten-neuen starken Männer in der Union machen die Sache unter sich aus? Gut möglich, dass AKK und Söder an diesem Wochenende am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz die verzwickte Lage beraten - doch die Terminpläne sind eng.

Schon am Montagabend macht die Meldung die Runde, NRW-Regierungschef Armin Laschet, Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und Gesundheitsminister Jens Spahn seien in Kontakt und wollten sich absprechen. Alle kommen aus Nordrhein-Westfalen, sie könnten sich gegenseitig blockieren. Eine Absprache in der Runde wäre so etwas wie eine Vorentscheidung über die Kanzlerkandidatur. Die Meldung von dem Treffen wird nicht bestätigt - alle seien immer irgendwie im Gespräch, heißt es lediglich. Und auch der machtbewusste Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus - ebenfalls aus NRW - will bei der Entscheidung über Kanzlerkandidat und CDU-Vorsitz ein wichtiges Wort mitreden.

Die CSU besteht ohnehin vehement auf einer Mitsprache bei der Entscheidung über die Kanzlerkandidatur - und fordert eine bestimmte Schrittfolge ein: Zunächst müsse die Frage des CDU-Parteivorsitzes geklärt werden, dann die Kanzlerkandidatur, und zwar zusammen mit der CSU, argumentiert Söder am Dienstag - aber nur intern. Vor den Kameras schickt er seinen Generalsekretär Markus Blume vor.

Für etliche in der Union - auch in der CSU - steht der 39-jährige Spahn am ehesten für Aufbruch, Erneuerung. Doch andere in CDU und CSU halten ihn für zu jung.

Laschet ist in der Union als Versöhner bekannt, das könnte angesichts der Spaltung überall für ihn sprechen. Zudem ist er Chef des größten CDU-Landesverbandes, das gibt ihm intern große Macht. Doch andere fürchten, Laschet stehe zu sehr für eine Fortsetzung des Systems Merkel. Und Merz? Im Wirtschaftsflügel gilt er vielen nach wie vor als Hoffnungsträger. Doch auch er bietet Angriffsflächen, wie etwa sein Engagement beim weltweit größten Anlageverwalter Blackrock - das er demnächst beendet.

Schließlich muss die CDU auch klären, wie sie mit den ultrakonservativen Störenfrieden von der sogenannten Werteunion umgehen will. Während die einen sogar einen Ausschluss für möglich halten, fordern die anderen die Werteunionsmitglieder auf, ihr CDU-Parteibuch zurückgeben. Wieder andere warnen, die Gruppe aufzuwerten. Droht am Ende sogar die Spaltung in eine christlich-konservative und eine national-konservative CDU?

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