Eine Frage der Priorität

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Berlin- Die scheidende CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hat ihre Nachfolge-Bewerber Norbert Röttgen und Friedrich Merz kritisiert und indirekt deren Kanzlerfähigkeit infrage gestellt. Röttgen hatte am Donnerstag seinen Vorschlag für einen Mitgliederentscheid über den CDU-Vorsitz erneuert, und Merz benannte tags darauf die Leiterin seiner Bewerbungskampagne.

"Die Kandidaten, die sich für den Parteivorsitz bewerben, werden auch unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, ob sie kanzlerfähig sind. Jeder muss selbst entscheiden, welchen Fragen er Priorität einräumt", sagte Kramp-Karrenbauer der "Welt am Sonntag". Dann fügte sie hinzu: "In einer Lage, in der das gesamte Land gezwungen ist, seine Schulen zu schließen, als allererstes daran zu denken, wie die CDU jetzt schnellstmöglich die Kandidatenfrage löst oder Kampagnen-Managerinnen vorzustellen, mag eine Priorität sein. Meine wäre es nicht." Nun müsse gelten: "Erst das Land, dann die Partei und dann die Person."

Um den CDU-Vorsitz bewirbt sich neben Ex-Umweltminister Röttgen und und Ex-Unionsfraktionschef Merz noch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet. Merz gilt als Favorit des Wirtschaftsflügels und vieler konservativer Christdemokraten.

Kramp-Karrenbauer sagte, wann der CDU-Parteitag mit der Wahl ihres Nachfolgers stattfinde, sei gegenwärtig von geringer Bedeutung.

"Angesichts der Corona-Lage ist das eine Frage, die die Menschen nicht interessiert. Ich führe meine Partei als Vorsitzende mit ganzer Kraft, bis der Nachfolger oder die Nachfolgerin gewählt ist." Auf die Frage, ob sie ihren Rückzug auch dann angekündigt hätte, wenn sie gewusst hätte, wie heftig die Corona-Krise wird, sagte sie: "Nein. Ich hätte damit gewartet."

CSU-Chef Markus Söder warnte die Schwesterpartei davor, die politische Mitte zu verlieren. "Wenn man Kanzler werden will, muss man in NRW und in Bayern gut abschneiden. Es geht um eine klare Abgrenzung zur AfD, dabei darf man vor allem die Mitte nicht verlieren." dpa

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