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Zwei, die wohl miteinander können: Kim Jong-un (links) und Donald Trump bei ihrem Treffen im Freedom House in in Panmunjon.

Raketentests von Nordkorea

Donald Trump stellt erneutes Treffen mit Kim in Aussicht

Nordkoreas Machthaber reagiert mit seinem jüngsten Raketentest auf die Militärmanöver zwischen den USA und Südkorea. US-Präsident Trump reagiert weiter auffallend zurückhaltend.

  • Trump betritt nordkoreanischen Boden
  • Gipfeltreffen in Hanoi und Singapur
  • Streit über Atomknopf

Im Herbst 2017 überzogen sich US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un noch mit wüsten Beschimpfungen. Die Wortgefechte der beiden Staatenlenker, die später auch mit ihren Atomknöpfen prahlten, lösten Ängste vor einem Atomkrieg aus. Inzwischen tragen Trump und Kim eine teils irritierende Kumpelhaftigkeit zur Schau.

Update, 10. August, 15.05 Uhr: Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un können gut miteinander. Deshalb hat Trump jetzt ein erneutes Treffen in Aussicht gestellt und gleichzeitig auch noch die Manöver seiner eigenen Streitkräfte mit Südkorea kritisiert. Trump schrieb am Samstag auf Twitter, ein langer Brief von Kim an ihn sei auch „eine kleine Entschuldigung dafür gewesen, Kurzstreckenraketen zu testen“.

Kim habe in dem Schreiben „sehr nett“ bekundet, dass er nach einem derzeit laufenden gemeinsamen Manöver von US- und südkoreanischen Truppen bereit für ein Treffen und die Aufnahme von Verhandlungen sei. Nach der von Kim kritisierten Militärübung würden auch die Raketentests enden. Trump schrieb: „Ich freue mich darauf, Kim Jong Un in nicht allzu ferner Zukunft zu sehen!“

Update, 10. August, 12.45 Uhr: Nordkorea hat hat südkoreanischen Angaben zufolge erneut Raketen getestet - und das nur Stunden, nachdem US-Präsident Donald Trump Verständnis für die Verärgerung von Machthaber Kim Jong Un über ein US-südkoreanisches Militärmanöver geäußert hatte. Nach Angaben südkoreanischer Verteidigungsvertreter wurden am Samstagmorgen nahe der Stadt Hamhung an der Ostküste Nordkoreas zwei mutmaßliche ballistische Kurzstreckenraketen abgefeuert. Die Fluggeschosse flogen demnach rund 400 Kilometer weit und stürzten ins Meer.

UN-Resolutionen verbieten Nordkorea jeglichen Test ballistischer Raketen. US-Präsident Trump hat aber mehrfach erklärt, dass er die nordkoreanischen Raketentests nicht als Hindernis für neue Atomverhandlungen mit Pjöngjang betrachte.

Am Freitag äußerte Trump zudem Verständnis für Kims Kritik an den Militärmanövern. Kim habe ihm einen „sehr schönen“ und „sehr positiven“ Brief geschrieben, sagte der US-Präsident. Kim habe geschrieben, dass er „nicht erfreut“ sei über die Militärübungen. „Ich habe sie auch noch nie gemocht“, sagte Trump. „Ich war nie ein Fan. Und wissen Sie warum? Mir gefällt es nicht, dafür zu zahlen. Wir sollten das Geld zurückerstattet bekommen. Und das habe ich Südkorea gesagt.“

Trump betonte erneut, er sehe die Tests nordkoreanischer Kurzstreckenraketen nicht als Problem an. Nordkorea habe keine Atomwaffen und keine Langstreckenraketen getestet. Der US-Präsident erklärte sich außerdem zu einem vierten Treffen mit Kim bereit, ohne jedoch einen möglichen Termin oder weitere Details zu nennen.

Südkorea und USA beginnen Militärmanöver

Update, 5. August 2019, 13.00 Uhr: Südkorea und die USA haben trotz einer Warnung aus Nordkorea ein gemeinsames Militärmanöver begonnen. Der südkoreanische Verteidigungsminister Jeong Kyeong Doo verkündete den Beginn der Übung am Montag im Parlament. Südkorea bleibe im Hinblick auf Militäreinsatze Nordkoreas in „Alarmbereitschaft“, sagte der Minister.

Nordkorea ist über das Manöver verärgert und hat in den vergangenen Tagen mehrfach Kurzstreckengeschosse abgefeuert. Nach einem der Waffentests sprach Pjöngjang von einer „Warnung“ an Südkorea angesichts der geplanten Übung mit dem US-Militär. Experten warnten davor, dass das gemeinsame Manöver die Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm deutlich verzögern könnte.

Die jährlichen Militärmanöver der beiden Verbündeten sorgen in Nordkorea regelmäßig für wütende Reaktionen. Nach dem ersten Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un im vergangenen Jahr in Singapur wurden sie zurückgefahren, um die Gespräche mit Nordkorea zu erleichtern. Das für den vergangenen August geplante Manöver „Ulchi Freedom Guardian“ wurde abgesagt, die jährlichen Großmanöver „Foal Eagle“ und „Key Resolve“ wurden im März durch kleinere Übungen ersetzt.

Update, 1. August 2019, 15.15 Uhr: Die nordkoreanischen Raketentests gehen weiter. Schon zum dritten Mal in gut einer Woche hat Nordkorea Waffen getestet. Nach Angaben des südkoreanischen Generalstabs in Seoul feuerte Nordkorea am Freitagmorgen (Ortszeit) an seiner Ostküste zwei Geschosse ab, bei denen es sich nach Einschätzung der südkoreanischen Regierung um eine neue Kurzstreckenrakete handeln könnte. 

Nordkorea testet wieder Kurzstreckenraketen. (Bild vom 25.7.2019)

Nach Angaben des südkoreanischen Militärs wurden die beiden Geschosse in Yonghung in der Provinz Süd-Hamgyong abgefeuert. Sie flogen demnach 220 Kilometer weit und stürzten dann ins Japanische Meer. Die Flugprofile ähnelten demnach einem Raketentest am Mittwoch. Pjöngjang hatte zuvor bestätigt, am Mittwoch ein „neu entwickeltes großkalibriges“ Raketensystem getestet zu haben. Südkoreas Streitkräften zufolge flogen zwei ballistische Raketen 250 Kilometer weit und stürzten ebenfalls ins Meer. Mehrere UN-Resolutionen verbieten Pjöngjang den Test ballistischer Raketen.

Und was sagt Donald Trump zu den Tests seines Kumpels Kim Jong Un? Er habe „kein Problem“ damit, sagte er am Donnerstag vor Journalisten in Washington: „Wir werden sehen, was passiert, aber Kurzstrecken(raketen) sind ziemlich normal.“

Nordkorea testet Waffen

Update, 26. Juli 2019, 07.40 Uhr: Nordkorea testet mal wieder seine Waffen - und bezeichnet das als Warnung an Südkorea. Unter den Augen von Machthaber Kim Jong Un sei eine „taktische Lenkwaffe eines neuen Typs“ abgefeuert worden, berichteten die Staatsmedien am Freitag. Der Test war demnach eine Reaktion auf die Einführung moderner Waffen durch Südkorea und dessen Militärübungen. 

Die US-Regierung reagierte derweil zurückhaltend auf die Aktion Pjöngjangs. Aus dem Weißen Haus hieß es nur knapp, man kenne die Berichte über die Raketenstarts, kommentiere dies aber nicht weiter. Eine Sprecherin des US-Außenministeriums wich Nachfragen aus, ob die Regierung die Aktion Pjöngjangs als Provokation auffasse. 

Und Donald Trump? Der US-Präsident, der bekanntermaßen zu Kim ein inniges Verhältnis pflegt, spielte die Tests herunter: „Sie haben nicht wirklich anderes als kleine Raketen getestet ... etwas, was viele testen“, sagte Trump dem Nachrichtensender Fox.

Neue Spannungen zwischen Nordkorea und den USA?

Update, 4. Juli 2019: Ja, was ist denn nun los? In letzter Zeit waren Donald Trump und Kim Jong-un doch die besten Kumpel - und jetzt? Hört man auf einmal wieder ganz andere Töne aus Pjöngjang. Denn die nordkoreanische UN-Delegation warf den USA nun vor, „versessen auf feindselige Aktionen“ und „besessen von Sanktionen“ zu sein.

Konkret beklagte Nordkorea ein Schreiben der USA an alle UN-Mitgliedstaaten, in dem diese aufgefordert wurden, nordkoreanische Arbeiter zurückzuschicken. Das Schreiben sei am 29. Juni und damit zeitgleich mit Trumps Vorschlag zu dem Treffen mit Kim verschickt worden. Dies zeige, heißt es von nordkoreanischer Seite, dass die USA „zunehmend versessen auf feindselige Akte“ seien, obwohl sie zugleich den Dialog suchten. 

Tatsächlich wurde das US-Schreiben bereits am 27. Juni verschickt. Alle Länder wurden darin aufgerufen, die Sanktionen einzuhalten, die die Rückkehr aller nordkoreanischen Arbeiter bis Ende 2019 vorsehen.

Wird wohl höchste Zeit, dass sich Trump und Kim wieder treffen. Im persönlichen Kontakt werden sie den neuen Konflikt sicher schnell lösen können.

Spontanes Treffen zwischen Trump und Kim

Update, 30. Juni 2019: Bei Donald Trump muss man immer mit allem rechnen. Ende Juni war es mal wieder soweit. Vier Monate nach dem gescheiterten Gipfeltreffen in Vietnam schlug der US-Präsident dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un ein spontanes Treffen an der innerkoreanischen Grenze vor – und zwar via Twitter. Er wolle Kim „die Hand schütteln und hallo sagen“. 

Kim wünschte sich offenbar dasselbe, jedenfalls sagte er spontan zu. Und so betrat Donald Trump am 30. Juni schließlich als erster Präsident der USA im Amt nordkoreanischen Boden - ein perfekter Moment für den früheren Reality-TV-Star Trump, wie fr.de* schreibt.

Zwei, die wohl miteinander können: Kim Jong-un (links) und Donald Trump bei ihrem Treffen im Freedom House in in Panmunjon.

Der sprach hinterher von einem „großen Tag für die Welt“, lud Kim ins Weiße Haus ein und kündigte eine Wiederaufnahme der Verhandlungen über Nordkoreas Atomprogramm an. Doch Trumps Trashdiplomatie hat ihre Grenzen (fr.de*): Einen Fortschritt bei der Denuklearisierung des Landes gab es jedenfalls nicht.

Gipfeltreffen in Hanoi 

Wenige Monate nach dem Gipfel von Singapur trafen sich Trump und Kim ein zweites Mal, diesmal in Hanoi, der Hauptstadt Vietnams. Thema am 27. und 28. Februar 2019 war Nordkoreas nukleare Abrüstung. Zudem war im Vorfeld spekuliert worden, dass eine Friedensvereinbarung zur Beendigung des Koreakrieges getroffen werden könnte. Denn völkerrechtlich befinden sich beide Koreas seit dem Koreakrieg im Kriegszustand, 1953 wurde lediglich ein Waffenstillstand vereinbart. Dieser gilt immer noch; ein Friedensvertrag kam nie zustande. 

Das Treffen endete allerdings schneller als erwartet. Die Gespräche wurden ohne die geplante gemeinsame Erklärung vorzeitig abgebrochen*. Trump gab als Grund für eine fehlende gemeinsam unterschriebene Erklärung von Hanoi die Forderung von Kim an, die Sanktionen gegen Nordkorea aufzuheben. Die USA seien dazu jedoch nicht bereit. Dennoch seien die Gespräche positiv verlaufen.

Gipfeltreffen in Singapur 

1948 wurde Nordkorea gegründet. Seitdem hatte es 70 Jahre lang kein Treffen zwischen einem US-Präsidenten und einem nordkoreanischen Staatsführer gegeben. Doch seit Donald Trump im Amt ist, ist bekanntermaßen alles anders geworden. Am 12. Juni 2018 war es schließlich soweit: Donald Trump und Kim Jong-un kamen im Hotel Capella auf der Insel Sentosa in Singapur zum Gipfeltreffen zusammen (fr.de*).

Der US-Präsident war von Kim offenbar überaus angetan, sonst hätte er ihm wohl kaum eine „sehr direkte [Telefon-]Nummer“ gegeben, wie er in einem Interview mit Fox News sagt: Kim könne ihn jetzt jederzeit anrufen, „wenn er irgendwelche Schwierigkeiten“ habe. Und dann sagte Trump noch einen Satz, den man ja fast ein wenig missverstehen könnte: „Wir werden ein bombiges Verhältnis haben.“ War aber wohl positiv gemeint.

Zudem einigten sich Trump und Kim auf eine Erklärung, in der Nordkorea und die USA sich unter anderem verpflichteten, neue Beziehungen zueinander aufzubauen, „die dem Wunsch der Völker beider Länder nach Frieden und Wohlstand entsprechen“. Darüber hinaus verpflichtete sich Trump zu Sicherheitsgarantien für Nordkorea, im Gegenzug bekräftigte Kim sein Engagement für eine komplette Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel.

Insgesamt dauerten die Gespräche in Singapur rund vier Stunden. Trump und Kim waren sich hinterher jedenfalls einig, dass der Gipfel ein voller Erfolg war. Der Rest der Welt zeigte sich lautr fr.de* skeptischer.

Donald Trump hat den Größten

Anfang Januar 2018 eskaliert die verbale Auseinandersetzung zwischen Trump und Kim. Auf Kims Neujahrswarnung bezüglich eines „Atomknopfes“ auf seinem Schreibtisch reagiert Trump mit einer Twitter-Botschaft, wonach sein Atomknopf „viel größer und mächtiger“ sei als der von Kim. Pjöngjang spricht von den „Zuckungen eines Irren“.

Doch im März 2018 kommt dann die überraschende Wende. Kim lädt Trump zu einem Treffen ein, der US-Präsident nimmt an. Der nordkoreanische Machthaber kündigt an, vorerst auf Atomwaffen- oder Raketentests zu verzichten.

Trump und Kim - Chronik 2017

September 2017: Nordkorea provoziert die USA mit seinem sechsten Atomwaffentest. Gut zwei Wochen später droht Trump in einer Rede vor der UN-Vollversammlung, die USA würden Nordkorea „völlig zerstören“, wenn das Land nicht einlenke. Er bezeichnet Kim als „kleinen Raketenmann“. Kim nennt Trump wenige Tage später „geistesgestört“.

August 2017: Trump droht Pjöngjang mit „Feuer und Wut“.

Juli 2017: Im Juli verkündet Kim nach mehreren Raketentests, das „gesamte US-Territorium“ sei nun in Reichweite nordkoreanischer Raketen.

Mai 2017: Trump erklärt sich zu einem Treffen mit Kim bereit.

Januar 2017: Noch vor seinem Amtsantritt als US-Präsident verkündet Trump, dass Nordkorea niemals in der Lage sein werde, Atomwaffen zu entwickeln, welche die USA erreichen könnten.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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