Debatte um NRW-Vorstoß zur Maskenpflicht

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Berlin- Die von Nordrhein-Westfalen beschlossene Maskenpflicht an Schulen auch während des Unterrichts sorgt für Diskussionen. Andere Länder wie Niedersachsen und Berlin wollen dem Beispiel mit Beginn des neuen Schuljahres nicht folgen. Auch Kinder- und Jugendärzte sprachen sich gegen einen Mund-Nase-Schutz im Unterricht aus. "Ein längeres Maskentragen beeinträchtigt bei Schülern die Leistungsfähigkeit", sagte der Präsident ihres Berufsverbands BVKJ, Thomas Fischbach.

Niedersachsens Kultusstaatssekretärin Gaby Willamowius sagte am Dienstag in Hannover, angesichts niedriger Corona-Infektionszahlen wäre das Tragen während der gesamten Unterrichtszeit nicht verhältnismäßig.

Die NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) verteidigte die Regelung. "Wenn sich Schülerinnen und Schüler konstant nicht - weder im Unterricht noch auf den anderen Flächen - daran halten, kann das auch mit einem Verweis von der Schule beziehungsweise einem vorübergehenden einhergehen", sagte sie.

Hessen bleibt vorerst bei seiner Linie, die Entscheidung in die Hände der Schulleitungen vor Ort zu legen. "Diese Regelung besteht nach wie vor", sagte ein Sprecher des Kultusministeriums am Dienstag in Wiesbaden. Man beobachte allerdings sehr genau das Corona-Infektionsgeschehen.

Ärzte: Zweite Welle schon da

Die von vielen befürchtete zweite Corona-Welle hat Deutschland nach Einschätzung des Ärzteverbandes Marburger Bund bereits erfasst. "Wir befinden uns ja schon in einer zweiten, flachen Anstiegswelle", sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Johna. Sie sei aber nicht vergleichbar mit den Zahlen von März und April. Die Krankenhäuser seien vorbereitet.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 879 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Seit Beginn der Krise haben sich somit mindestens 211 281 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus SARS-CoV-2 infiziert

Im niederbayerischen Mamming ist die Zahl der Corona-Infizierten in einer Konservenfabrik auf 166 gestiegen. Der gesamte Betrieb mit 600 Mitarbeitern wurde stillgelegt. Die Belegschaft befinde sich in Quarantäne. Diese gelte bis zur Klärung der Zusammenhänge auch für zwei weitere Standorte des Betriebs mit insgesamt 130 Mitarbeitern.

Der Umgang mit möglichen Verboten von Demonstrationen der Corona-Leugner sorgt derweil für Differenzen in der großen Koalition. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sprach sich ge-gen solche Maßnahmen aus, Innenstaatssekretär Stephan Mayer (CSU) bezeichnete sie hingegen als prinzipiell vertretbar. Ein Nein zu Verboten kam auch aus der FDP.

Der AfD-Co-Parteichef Tino Chrupalla hat die Demonstrationen begrüßt. "Wenn man diese Bilder gesehen hat, ist es lobenswert, dass so viele Menschen auf den Straßen Berlins unterwegs waren und für ihre Grundrechte demonstriert haben", sagte er. Dass der Veranstalter die Demonstration von sich aus beendet habe, sei ebenso lobenswert. dpa/AFP

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