China, Südkorea, Iran, Italien, Deutschland - das neuartige Coronavirus breitet sich immer weiter auf dem Globus aus. FOTO: DPA
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China, Südkorea, Iran, Italien, Deutschland - das neuartige Coronavirus breitet sich immer weiter auf dem Globus aus. FOTO: DPA

Coronavirus: Was wir wissen und was nicht

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In Deutschland sind neue Infektionen mit dem Coronavirus bekannt geworden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu SARS-CoV-2.

Nach dem Bekanntwerden von neuen Infektions-Nachweisen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 ist die Hoffnung geschwunden, die Lungenerkrankung aus Deutschland fernzuhalten. Was wird getan, um die Ausbreitung einzugrenzen und was ist über das Virus und die Erkrankung bekannt?

?Wie hoch ist die Gefahr einer weiteren Ausbreitung in Deutschland?

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) müsse mit einem weiteren Import von Fällen nach Deutschland gerechnet werden. Auch weitere Übertragungen von SARS-CoV-2, Infektionsketten und Ausbrüche im Land seien möglich. Lokale Infektionen könnten dabei zunächst unerkannt bleiben, sagte der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lars Schaade. Es sei "durchaus möglich, dass wir nicht alle diese Ausbrüche sofort erkennen". Man müsse damit rechnen, dass es dadurch zu einer weiteren Ausbreitung komme. Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland schätzen die Experten aktuell als gering bis mäßig ein.

?Was würde ein größerer Ausbruch in Deutschland für das Gesundheitssystem bedeuten?

Eine Infektionswelle hierzulande könnte unter anderem volle Wartebereiche und Arztpraxen, belegte Intensivbetten und vollkommen überlastete Gesundheitsämter bedeuten, hatte der Berliner Virologe Christian Drosten kürzlich erklärt. Als problematisch sehen Experten, dass derzeit auch die jährliche Grippewelle durch Deutschland rollt - und das Gesundheitssystem bereits stark beansprucht. Aus diesem Grund sei es das Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus möglichst hinauszuzögern, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) kürzlich erklärte. "Wir müssen mit angemessenem Aufwand versuchen, die Ausbreitung zu verlangsamen, um einen intensiven Belastungspuls auf das Gesundheitssystem abzumildern", sagte Drosten. "Die Zahl der Infektionen sollte über eine möglichst lange Zeit ausgedehnt werden."

?Wie ansteckend ist das neue Coronavirus?

Ein Wert, wie viele andere Menschen ein Infizierter im Mittel ansteckt, lässt sich noch immer nicht gesichert angeben. Das Virus verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion etwa beim Husten und Sprechen. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass das Virus auch über das Verdauungssystem und zumindest einige Tage über Oberflächen verbreitet werden kann.

?Wie gefährlich ist das Virus eigentlich?

Für eine abschließende Beurteilung der Schwere der neuen Atemwegserkrankung liegen gegenwärtig nicht genügend Daten vor, sagt etwas das RKI. Nach einer kürzlich von Chinas Gesundheitsbehörde vorgestellten Analyse sterben im Land 2,3 Prozent der mit SARS-CoV-2 Infizierten. Betroffen sind demnach vor allem alte Menschen und solche mit schweren Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Bei Menschen über 80 Jahren liegt die aus den dort vorliegenden Daten errechnete Todesrate bei knapp 15 Prozent, es sterben also in dieser Altersgruppe in China im Mittel etwa 15 von 100 Infizierten. In der Gruppe der zehn bis 39 Jahre alten Menschen sterben 0,2 Prozent der Infizierten, also zwei von 1000 Betroffenen. Experten gehen davon aus, dass die Sterblichkeit eigentlich geringer ist, als in China errechnet, unter anderem weil in der chinesischen Statistik viele mild verlaufende Infektionen gar nicht erfasst werden.

?Welche Symptome verursacht das neue Coronavirus?

Die meisten Menschen haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. Hinzukommen können Fieber, Husten und Atemprobleme, wie sie auch bei einer Grippe auftreten. Auch Kopfschmerzen oder Durchfall sind möglich. Nach Angaben der chinesischen Gesundheitsbehörde komme es bei mehr als 80 Prozent der Infizierten zu milden Infektionsverläufen, knapp 14 Prozent erkranken schwer. Bei knapp fünf Prozent komme es zu lebensbedrohlichen Auswirkungen wie Atemstillstand, septischem Schock oder Multiorganversagen. Die Inkubationszeit - der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen - beträgt meist zwei bis 14 Tage. Das ist der Grund dafür, dass Verdachtsfälle zwei Wochen isoliert werden.

?Gibt es eine schützende Impfung?

Nein. Etliche Labors weltweit forschen derzeit an Impfstoffen, wie es sie auch für die Grippe gibt. Die Entwicklung einer Schutzimpfung nimmt aber viel Zeit in Anspruch. Die Chefwissenschaftlerin der WHO, Soumya Swaminathan, glaubt, dass erste Impfstoff-Tests an Menschen in drei bis vier Monaten beginnen könnten. Ein zertifizierter Impfstoff für weitreichenden Einsatz stehe aber wohl erst in 18 Monaten zur Verfügung.

?Was tue ich, wenn ich fürchte, mich angesteckt zu haben?

Wer Kontakt zu einem Infizierten hatte, sollte sich laut RKI zunächst bei seinem Gesundheitsamt melden, unabhängig davon, ob Symptome aufgetreten sind oder nicht. Reisende aus Risikogebieten, die Symptome haben, sollen nach telefonischer Voranmeldung mit Hinweis auf die Reise einen Arzt aufsuchen.

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