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Coronavirus: Deutschland im Krisenmodus

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Das neuartige Coronavirus verbreitet sich in Deutschland rapide. Am Donnerstagabend wurden in Nordrhein-Westfalen 14 weitere Infektionen mit dem Erreger SARS-CoV-2 bekannt, kurz danach vier weitere in Baden-Württemberg und je einer in Rheinland-Pfalz und Bayern. Damit stieg die Zahl der aktuellen Infektionen in Deutschland auf 30. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hält den Erreger SARS-CoV-2 für tödlicher als die Grippe.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte, er habe "pandemisches Potenzial" und könnte ohne die richtigen Maßnahmen "außer Kontrolle geraten". Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat inzwischen in mindestens 15 europäischen Ländern Fälle registriert. Außer den 30 aktuellen Fällen waren in Deutschland vor mehr als zwei Wochen 16 weitere SARS-CoV-2-Infektionen gemeldet worden.

RKI-Präsident Lothar Wieler sagte, die Wahrscheinlichkeit, an einer Grippe zu sterben, liege bei 0,1 bis 0,2 Prozent. Nach den bisher bekannten Zahlen liegt die Rate bei SARS-CoV-2 fast zehnmal so hoch - bei ein bis zwei Prozent. 80 Prozent der Infizierten hätten milde Symptome, doch 15 Prozent erkrankten schwer an der Lungenerkrankung COVID-19.

Ein Krisenstab der Bundesregierung entschied, wegen der Verbreitung des Virus in weiten Teilen der Welt nicht mehr nur die Kontaktdaten von Fluggästen aus dem Ursprungsland China zu erfassen, sondern auch von Passagieren von Flügen aus Südkorea, Japan, dem Iran und Italien. So soll man sie schnell erreichen können, falls ein Fluggast infiziert war. Solche "Aussteigekarten" sollen auch auf Schiffen sowie im grenzüberschreitenden Zug- und Busverkehr ausgefüllt werden, sagten Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) in Berlin.

Mehr Proben

Seehofer kündigte an, Asylbewerber im Zuge der standardmäßigen Gesundheitsuntersuchungen auch auf das neue Coronavirus zu testen. Viele kämen über "vorbelastete" Länder wie Iran, Irak oder Afghanistan nach Deutschland. Am heutigen Freitag will sich der Krisenstab mit dem Umgang mit Großveranstaltungen befassen. Auf dem Prüfstand steht etwa die ITB in Berlin, die weltgrößte Tourismusmesse (4. bis 8. März). Im Sport tobt eine Debatte über eine mögliche Absage der Olympischen Spiele in Tokio im Sommer. Generelle Einschränkungen bei Sportveranstaltungen wie Spielen der Fußball-Bundesliga hält die Bundesregierung noch nicht für nötig.

Virologen in Hessen testen eine wachsende Zahl von Proben auf das neuartige Coronavirus. "Die Anzahl der Proben, die wir untersuchen, nimmt natürlich jetzt zu", sagte Stephan Becker, der Direktor des Instituts für Virologie der Uni Marburg, am Donnerstag. "Es ist eine neue Phase für Deutschland, eine neue Phase der Epidemie." Dass man es mit mehr Proben zu tun habe, spiegele auch die Besorgnis in der Bevölkerung wider, meinte Becker. dpa " Seite 5

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