Ausbruch wohl nicht im Labor

Corona-Pleite für Trump? Erhebliche Zweifel an Geheimdienst-Dossier zu Chinas Virus-Vertuschung 

  • Marcus Giebel
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Das Coronavirus beschäftigt die gesamte Menschheit. Doch wo ist es ausgebrochen? Darüber wird gestritten. Ein Geheimdienst-Dossier schien Licht ins Dunkel zu bringen. Nun aber herrscht noch mehr Verwirrung.

  • Seit Wochen hält eine Frage die Welt in Atem: Wo genau ist das Virus ausgebrochen?
  • Geheimdienste sollen einer chinesischen Vertuschungsaktion auf die Schliche gekommen sein.
  • Doch Donald Trump* sollte sich nicht zu früh freuen.

München - Es ist ein Credo von Donald Trumps Politik: Schuld sind immer die anderen. Natürlich auch, was die Corona-Krise* angeht. Schon mehrmals hat der US-Präsident* Vorwürfe verlauten lassen, der Ausbruch* sei auf ein Labor in China zurückzuführen. Der Republikaner versteht sich als Aufklärer in der Not - gerade so kurz vor der im November anstehenden Wahl um das höchste Amt im Weißen Haus, bei der er sich mit Ex-Vize Joe Biden duellieren muss.

Nun gibt es zwar keinerlei Beweise für die Behauptungen Trumps bezüglich des Ausgangspunkts der Corona-Verbreitung. Aber je häufiger ein Vorwurf wiederholt wird, desto mehr Wahrheit scheint ja irgendwie dahinterzustecken. Da kam es dem 73-Jährigen natürlich nur gelegen, dass sich rund um den Erdball beinahe virusartig die Meldung verbreitete, diverse westliche Geheimdienste hätten Beweise für eine Vertuschung des Corona-Ausbruchs seitens Chinas.

Corona-Vertuschung durch China? Vermeintliches Geheimdienst-Papier von Trump wirft Fragen auf

Gemeinsam hätten die so genannten „Five Eyes“, die Geheimdienste von Australien, Neuseeland, Kanada, Großbritannien und den USA, dem Reich der Mitte in einem 15-seitigen Papier entsprechende Vorhaltungen gemacht. Obendrein würde darin auch auf die riskanten Forschungsarbeiten in einem Labor in Wuhan verwiesen werden. Für Trump dürften diese Berichte wie Musik in den Ohren geklungen haben. Nur stellt sich mittlerweile die Frage: Existiert dieses ominöse Papier wirklich?

Daran bestehen Recherchen des „NDR“ zufolge erhebliche Zweifel. Der Sender verweist auf einen Bericht des Bundesnachrichtendienstes (BND) vor dem Auswärtigen Ausschuss im Bundestag vom Mittwoch. Darin sei es über Erkenntnisse zu Chinas Rolle in der Corona-Pandemie gegangen. BND-Vizepräsident Werner Sczesny habe in dieser vertraulichen Sitzung eröffnet, dass auf Nachfrage niemand aus dem Reigen der „Five Eyes“ Kenntnis von diesem gemeinsamen Papier gehabt haben wollte.

Verwechslung bei Trump-Dossier oder gezielte Corona-Falschnachricht über China?

Zugleich soll der „BND“ erklärt haben, das Dossier könne von einem der Partnerdienste erstellt worden und es schlichtweg zu einer Verwechslung gekommen sein. Oder es habe sich gar um eine gezielte Falschnachricht gehandelt. Äußern wollten sich kein deutscher Geheimdienstmitarbeiter beim „NDR“. 

Antworten bekam der Sender aber von dem Medium, das zuerst über das Thema berichtete. Die Autorin des australischen Daily Telegraph verwies auf ein Missverständnis. Sie habe nicht geschrieben, dass es sich um ein Papier der „Five Eyes“ handele. Vielmehr stamme dieses Dossier von einem westlichen Geheimdienst, das Fünferbündnis würde die Angelegenheit jedoch untersuchen.

Corona-Vertuschung durch China? Schwere Vorwürfe gegen australische Medien

China sieht sich zu Unrecht gebrandmarkt und kontert seinerseits. Die Global Times, eine englischsprachige Zeitung im Reich der Mitte, zitiert Li Haidong. Der Professor am Institut für Internationale Beziehungen an der Chinas Universität für auswärtige Angelegenheiten wettert darin: „Die australischen Medien haben es an Objektivität und Professionalität vermissen lassen, indem sie China beschmutzt haben durch die Verbreitung dieses nicht belegten Berichts. Einige der australischen Meldungen sind voller ideologischer Vorurteile gegen China und lassen es an Vertrauen vermissen.“ Heikle Sätze in Zeiten von schnell aufkommenden Fake-News-Vorwürfen.

Besonders heiß gekocht wird das Thema aber eben auch in den USA. Dort zitierte „CNN“ zuletzt mehrere Quellen, wonach der Ausbruch viel wahrscheinlicher auf einen Wildtiermarkt als auf ein Labor zurückzuführen sei. Auch Experten wie Trump-Berater und Immunologe Anthony Fauci betonen, dass eine künstliche Erzeugung des Coronavirus unwahrscheinlich sei.

US-Außenminister Mike Pompeo gab zuletzt zumindest zu: „Wir haben keine Gewissheit, ob es in dem Labor oder anderswo begann.“ Es gehe nun darum, „die richtigen Antworten zu finden“. Darauf wird besonders Trump pochen. Denn der US-Präsident will seinem Volk nur zu gerne den Schuldigen präsentieren. Und - wie er bereits erklärte - „zur Rechenschaft ziehen“.

Die USA sind die Nation mit den meisten nachgewiesenen Corona-Infizierten und der größten Zahl an Todesfällen*. Wie sich die Lage in Land entwickelt, erfahren Sie in unseren News-Ticker. Die Arbeitslosigkeit in den USA steigt in lange nicht gekannte Höhen.

Ein Rechtsmediziner versteht die Panikmache rund um Corona nicht: „Das ist kein Killervirus.“ 

Unterschiedliche Medien und auch der BND kommen zu dem Schluss, dass China zu Beginn der Corona-Pandemie wichtige Informationen zurückgehalten hat.

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mg

Rubriklistenbild: © AFP / MANDEL NGAN

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