Ein entnervter Händler an der New Yorker Börse. FOTO: DPA
+
Ein entnervter Händler an der New Yorker Börse. FOTO: DPA

Corona-Panik an der Wallstreet

  • vonDPA
    schließen

Der Schlag der Eröffnungsglocke an der Wall Street hat einen beispiellosen Absturz der Märkte eingeläutet. Binnen Minuten stürzte der Dow- Jones-Index um 2000 Punkte oder sieben Prozent seines Werts ab. Die Sorge um die Konsequenzen einer globalen "COVID-19"-Epidemie, eine Welle an neuen Corona-Fällen in den USA und ein ruinöser Ölpreiskrieg ließen das Vertrauen der Investoren auf den Nullpunkt sinken.

Panikverkäufe von Aktien gingen einher mit der Flucht in sichere Anlagen wie Staatsanleihen und Gold. Die Zinsen für US-Schatzbriefe mit einer Laufzeit von zehn Jahren sanken auf den historischen Tiefstwert von 0,4 Prozent. Anleger bezahlen damit einen hohen Preis, ihr Vermögen in einen relativ sicheren Hafen zu bringen.

Der Ölpreis fiel um 21 Prozent auf 35 Dollar pro Barrel. Das war der größte Preisverlust seit dem Golfkrieg. Ein Streit zwischen Saudi-Arabien und Russland um Fördermengen in der Krise löste den Absturz aus. "Billiges Öl ist eine Sache, superbilliges Öl eine andere", sagt John Kilduff von "Again Capital" der "Washington Post". "Der Aktienmarkt erkennt darin eine Vorwarnung, für das was kommt."

Die Panik an den Märkten wird in den USA verstärkt durch das wachsende Bewusstsein, am Beginn einer Krise zu stehen, auf die die US-Regierung nicht vorbereitet ist. Die Gesundheitsbehörden haben gerade erst angefangen, Test-Kits für den Virus in Umlauf zu bringen. Anfang vergangener Woche waren erst 500 Personen getestet worden. Mit der Verfügbarkeit der Tests steigt nun auch die Zahl der diagnostizierten Infektionen deutlich an.

Im Epizentrum der Krise, dem Großraum von Seattle, könnte freiwillige Selbstdistanzierung bald durch staatliche Zwangsmaßnahmen ersetzt werden. Der Gouverneur des Bundesstaates Washington, Jay Inslee, sagte, entsprechende Schritte würden geprüft.

Das Drama auf dem Kreuzfahrtschiff "Grand Princess", das mit infizierten Reisenden in der Bucht von San Francisco liegt, bleibt weiterhin ohne Lösung. Die Bürgermeisterin von Oakland, Lobby Schiff, erklärte, keiner der tausend Passagiere werde das Schiff in ihrer Stadt verlassen dürfen.

Der Direktor des National Institut of Health, Anthony Fauci, drängte ältere und kranke Personen, unmittelbar Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. "Warten Sie nicht, bis die Dinge schlimmer werden".

Das Virus konnte bereits bei Patienten in zwei Drittel der US-Bundesstaaten nachgewiesen werden. Besondere Beachtung finden die ersten Fälle in der Hauptstadt Washington. Dort fanden sich unter den Teilnehmern des Jahrestreffens der Israel-Lobby AIPAC und der Konferenz der "American Conservative Union" (ACU) mehrere Infizierte, die den Erreger verbreitet haben könnten.

Ein Foto zeigt, wie US-Präsident Donald Trump dem Vorsitzenden der ACU, Matt Schlapp, die Hand schüttelt. Dieser hatte direkten Kontakt zu einem der Erkrankten. Mit 73 Jahren gehört Trump zur Gruppe der stärker gefährdeten Personen. Der konservative Senator Ted Cruz aus Texas und der republikanische Abgeordnete Paul A. Gosar aus Arizona meldeten sich für 14 Tage in freiwillige Selbstquarantäne ab, nachdem sie erfuhren, ebenfalls mit Infizierten in Kontakt gewesen zu sein. Im US-Kongress wird der Ruf laut, angesichts der hohen Zahl an Abgeordneten im fortgeschrittenen Alter eine mehrwöchige Sitzungspause zu beschließen.

Einfluss hat die COVID-19-Ausbreitung auch auf den Vorwahlkampf der Demokraten, bei dem ein 77-jähriger und ein 78-jähriger Kandidat in engem Publikumkontakt stehen. "Wir werden nichts machen, was die Gesundheit gefährdet", sagte Bernie Sanders, der im Oktober einen Herzinfarkt erlitten hatte, zu möglichen Konsequenzen für den Wahlkampf. dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare