Großbritannien

Brexit-Gespräche per Videoschalte

  • vonJochen Wittmann
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"Die Übergangsphase", sagte David Frost, "wird am 31. Januar enden. Wir werden nicht bitten, sie zu verlängern. Wenn die EU darum bittet, werden wir Nein sagen." Der EU-Berater von Premierminister Boris Johnson und sein Verhandlungsführer bei den Brexit-Gesprächen gibt sich nach wie vor hart.

Dabei hat Großbritannien durch das Coronavirus schon wertvolle Zeit verloren. Nachdem sowohl Frost wie der EU-Chefunterhändler Michel Barnier an Covid-19 erkrankten, mussten die Verhandlungen erst einmal pausieren. Am Montag begannen sie wieder - per Videoschalte. Bis zum Freitag gehen die Verhandlungen weiter, im Mai und Juni folgen die nächsten Runden.

Schottland protestiert. Der Europaminister der schottischen Regionalregierung, Mike Russell, verlangte gestern, dass "die britische Regierung heute die Europäische Union um die maximale zweijährige Verlängerung der Übergangsphase bitten soll". Großbritannien stecke jetzt mitten in der Corona-Krise, argumentierte Russell, und der Nutzen "einer koordinierten europäischen Aktion war niemals klarer. Die schottische Wirtschaft kann sich den doppelten Schlag von Covid-19 und der wachsenden Wahrscheinlichkeit eines No-Deal-Brexit oder eines bestenfalls harten Brexit in weniger als neun Monaten nicht leisten."

Da geben ihm rund zwei Drittel der Briten recht. In einer Befragung stimmten 66 Prozent zu, "dass die Regierung 100 Prozent ihrer Energie auf die Bewältigung des Coronavirus für den Rest des Jahres konzentrieren soll". Nur 34 Prozent waren der Ansicht, dass man daneben auch noch die Ausarbeitung eines Freihandelsabkommens mit der EU betreiben sollte. Die Zahlen werden Boris Johnson wenig beeindrucken. Der Premierminister ist ins Amt gekommen mit einer kompromisslosen Brexit-Botschaft. Johnson setzt darauf, dass bis zum Jahresende ein Freihandelsabkommen steht. Doch das ist wenig wahrscheinlich. Damit erhöhen sich deutlich die Chancen für einen ungeregelten Austritt Anfang nächsten Jahres. jwi

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