Triumph für den früheren US-Vizepräsidenten Joe Biden beim "Super Tuesday": Bei den Vorwahlen der US-Demokraten für die Präsidentschaftskandidatur gewann der 77-jährige Mitte-Politiker laut Prognosen in mindestens neun der 14 Bundesstaaten, in denen abgestimmt wurde. FOTO: AFP
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Triumph für den früheren US-Vizepräsidenten Joe Biden beim "Super Tuesday": Bei den Vorwahlen der US-Demokraten für die Präsidentschaftskandidatur gewann der 77-jährige Mitte-Politiker laut Prognosen in mindestens neun der 14 Bundesstaaten, in denen abgestimmt wurde. FOTO: AFP

Bidens Comeback

  • vonDPA
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Der "Super Tuesday" hat es in sich: Beim Vorwahl-Marathon der Demokraten in den USA gelingt Joe Biden die Aufholjagd zu Bernie Sanders. Michael Bloomberg vermasselt seine Bewährungsprobe. Und Trump? Ihm dürfte die Neuaufstellung der Konkurrenz gefallen.

Die Dinge drehen sich schnell im US-Wahlkampf. "Wir sind sehr lebendig", ruft Joe Biden am Abend des "Super Tuesdays" seinen Unterstützern in Los Angeles zu. Es ist eine Botschaft an alle, die die Kampagne des Ex-Vizepräsidenten schon für tot erklärt haben. Und von ihnen gibt es nicht wenige.

Tatsächlich hat er nach einer langen Durststrecke Grund zum Überschwang: Beim wichtigsten Tag der Demokraten-Vorwahlen für das Präsidentschaftsrennen gewinnt Biden laut Prognosen überraschend mindestens neun der 14 "Super Tuesday"-Bundesstaaten, darunter das Schwergewicht Texas. Dabei hatten ihn viele längst abgeschrieben. Bei der wichtigsten Vorwahl in Kalifornien, wo es um die meisten Delegiertenstimmen geht, sehen Berechnungen zwar den linken Senator Bernie Sanders vorne. Klar ist aber bereits eines: Sanders ist am "Super Tuesday" entgegen vieler Erwartungen nicht der klare Sieger - und die Demokraten-Vorwahl ist zum Altherren-Zweikampf geworden.

Die beiden End-Siebziger Biden (77) und Sanders (78) schicken sich an, im November den auch nicht mehr blutjungen Amtsinhaber, US-Präsident Donald Trump (73), herauszufordern. Ein US-Wahlkampf als Arena alter weißer Männer also.

Für Biden läuft es plötzlich unverhofft geschmeidig. In einem Staat nach dem anderen wird er am "Super Tuesday" zum Sieger erklärt: Neben dem zweitwichtigsten Bundesstaat Texas auch Alabama, Arkansas, Massachusetts, Minnesota, North Carolina, Oklahoma, Tennessee und Virginia.

Sanders sichert sich seinen Heimat-Staat Vermont, dazu Colorado und Utah. Und er hat Aussicht auf einen bedeutsamen Sieg in Kalifornien. In jenem Bundesstaat mit der größten Bevölkerungszahl, der im Sommer die meisten Delegierten zum Nominierungsparteitag der Demokraten nach Milwaukee schickt.

Sanders gibt sich vor Anhängern in seiner Heimat Vermont betont zuversichtlich: "Heute Abend sage ich euch mit absoluter Zuversicht, dass wir die demokratische Nominierung gewinnen werden." Und er bedenkt Biden mit einigen Breitseiten. Trump sei nicht mit der "immer gleichen alten Politik" zu schlagen. Es müsse einen Aufbruch geben. "Dies wird der Kontrast der Ideen." In der Tat: Der hart linke Sanders gegen den gemäßigten Mann des Mainstreams, Biden.

Bloombergs Schlappe

Über Monate hatte Biden geschwächelt. Bei öffentlichen Auftritten und Fernsehdebatten leistete er sich peinliche Verhaspler, Patzer und Aussetzer. Mal verwechselte er Orte, mal seine Frau, mal das Amt, um das er sich bewirbt ("Ich bin demokratischer Bewerber für den US-Senat"). Kritiker spotteten, Biden sei schon überfordert, simple Gedanken in Worte zu fassen und Sätze zu Ende zu bringen.

Doch dann kam South Carolina am vergangenen Samstag: In dem südlichen Bundesstaat mit vielen afroamerikanischen Wählern triumphierte Biden. Für viele von ihnen bedient er die Sehnsucht nach den Jahren unter dem ersten schwarzen Präsidenten Barack Obama, für den Biden als Vize im Amt war. Kurz nach South Carolina stiegen wichtige Konkurrenten aus dem moderaten Lager - aus Angst vor einer Blamage am "Super Tuesday" - aus dem Rennen aus: der Ex-Bürgermeister Pete Buttigieg und die Senatorin Amy Klobuchar. Sie - wie auch der schon zuvor abgesprungene Beto O’Rourke - erklärten offiziell ihre Unterstützung für Biden und riefen ihre Anhänger auf, zu ihm überzulaufen.

Und Bloomberg - der Mann, auf den sich an diesem Tag besonders viele Augen richteten? Hunderte Millionen US-Dollar pumpte er in seine Werbeoffensive. Nach seinem kläglichen Vorwahl-Debüt sieht der Milliardär und frühere New Yorker Bürgermeister aber ein, dass seine Rechnung nicht aufgegangen ist: Am Tag nach dem bösen Erwachen zieht er sich aus dem Rennen zurück und erklärt seine Unterstützung für Biden - was diesem einen weiteren bedeutenden Schub versetzen könnte.

Trump dürfte der Stand des Rennens gefallen. Für ihn wären sowohl Biden als auch Sanders liebsame Gegner. Biden hat sich zuletzt nicht gerade als begnadeter Redner hervorgetan. Sanders dagegen könnte bei öffentlichen Auftritten gegen Trump wohl durchaus bestehen und ihm etwas entgegensetzen. Aber der selbst ernannte "demokratische Sozialist" bietet Trump gleichzeitig besonders viel Angriffsfläche. Der Präsident würde gegen Sanders wohl mit Inbrunst einen Anti-Sozialismus-Wahlkampf führen.

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