Berliner Schwächen

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So viel wurde zuletzt über den angeblich naturgegebenen Untergang der Volksparteien gejammert, dass manche in der Merkel-Söder-Union sich schon bequem eingerichtet haben in ihrer 27-Prozent-Titanic. Der rauschende Wahlerfolg von Sebastian Kurz in Wien zeigt: Es geht auch anders - wenn Programm und Personal stimmen. Nicht mit Wendehalsigkeit lassen sich Rechtspopulisten überflüssig machen. Sondern mit Mut, Standfestigkeit und Inhalten nahe an den Menschen, etwa einer restriktiven Migrationspolitik. Der junge Kanzler in Wien hat aus der ÖVP wieder eine Volkspartei im besten Sinne geformt, eine Partei, die Mehrheiten über alle Schichten, Altersgruppen und Regionen hinweg einzufahren in der Lage ist.

Kurz hat mit seinem Sieg nicht nur die Konkurrenz in Wien beschämt. Sondern auch schonungslos die Schwächen der Merkel-Kramp-Karrenbauer-CDU in Berlin offengelegt. Die beiden sich argwöhnisch belauernden Damen rennen verzweifelt den Grünen hinterher - und schaffen es gleichzeitig nicht, im selben Flieger zur Weltklimakonferenz in die USA zu fliegen. Nicht mit politischen Initiativen macht die CDU-Doppelspitze von sich reden; sondern mit Dementis, die mühsam ein Zerwürfnis kaschieren sollen.

Nach dem Sieg der ÖVP gehörte Annegret Kramp-Karrenbauer am Sonntagabend zu den ersten Gratulantinnen. Doch Rückenwind aus Wien spüren nur ihre Rivalen Jens Spahn und Friedrich Merz. Mit "Mut zu Haltung" und dem "Willen zu politischer Führung" sei ein beeindruckender Wahlerfolg gelungen, jubelte Spahn. Das lässt sich auf zweierlei Art lesen: als ein Lob für Kurz. Und als Watschn für AKK. Mal schauen, ob CDU und CSU aus der Lektion aus Wien lernen.

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