Wer kann US-Präsident Donald Trump schlagen - Joe Biden (M.), Bernie Sanders oder Elizabeth Warren? Die Präsidentschaftsvorwahlen der oppositionellen Demokraten beginnen am Montag im Bundesstaat Iowa. FOTO: AFP
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Wer kann US-Präsident Donald Trump schlagen - Joe Biden (M.), Bernie Sanders oder Elizabeth Warren? Die Präsidentschaftsvorwahlen der oppositionellen Demokraten beginnen am Montag im Bundesstaat Iowa. FOTO: AFP

Basisdemokratie in Iowa

Der Weg ins Weiße Haus führt durch so manche Wohnstube Iowas. Am kommenden Montag markieren die Caucuses genannten Parteiversammlungen in dem Farmerstaat im Mittleren Westen der USA traditionell den Beginn der Vorwahlsaison der Parteien.

Insgesamt gibt es in dem Bundesstaat rund 2000 Orte - gewöhnlich Schulen, Turnhallen, Feuerwachen, Bibliotheken oder Kirchen - an denen die Parteianhänger von Demokraten und Republikanern zusammenkommen. In kleineren Gemeinden treffen sich die Wähler in Privathäusern.

Im Unterschied zur klassischen "Primary", bei der die Wähler in Wahllokalen ihre Stimme abgeben, verlangt ein "Caucus" nicht nur physische Präsenz, sondern die aktive Teilnahme. Jeder Einwohner über 18 Jahre darf seine Stimme abgeben, wenn er vorher angibt, welcher Partei er angehören will. Diese Erklärung kann noch am Versammlungsort selbst abgegeben werden.

Bei den Republikanern tritt Donald Trump 2020 ohne ernsthaften Gegenkandidaten an. Er gilt als gesetzt. Die Demokraten bieten dagegen ein ungewohnt breites Bewerberfeld auf. Sie hoffen auf eine hohe Beteiligung an den Parteiversammlungen. Von den drei Millionen Einwohnern des Bundesstaates beteiligten sich 2016 etwa einer von zehn an den "Caucuses".

Auf den "Caucuses" selbst stellen Fürsprecher ihre Kandidaten vor. Die Teilnehmer diskutieren danach die Bewerber und stimmen in einer ersten Runde für ihre Favoriten. Dafür versammeln sie sich in einem vorher bestimmten Bereich für den jeweiligen Kandidaten. Kommt ein Bewerber bei der Auszählung nicht auf mindestens 15 Prozent der lokalen Versammlungsteilnehmer, scheidet er aus. Seine Anhänger müssen sich einem anderen Kandidaten anschließen. Hier kommen die Überzeugungskünste der jeweiligen Unterstützer ins Spiel. Je besser die Organisation, desto größer die Chancen.

Danach wird nach einem komplizierten Schlüssel die Delegiertenzahl für das jeweilige Wahllokal ermittelt. Für Experten ist die in Iowa praktizierte Form der Basisdemokratie durchaus fragwürdig. Vieles hängt von äußeren Faktoren ab: von der Zeit, die die Wähler aufbringen können oder wollen, über den Organisationsgrad eines Kandidaten bis hin zum Wetter.

Die Herausforderer

Aber wer kann Trump schlagen? Die wichtigsten der insgesamt zwölf Bewerber der Demokraten im Überblick:

Joe Biden:Der frühere Vizepräsident führt die Umfragen seit Monaten an - und das trotz eines schleppenden Wahlkampfes. Der 77-jährige Mitte-Politiker verspricht ein Wiederanknüpfen an die Politik von Ex-Präsident Barack Obama, dem er acht Jahre als Stellvertreter diente. Biden will die von Trump gespaltene Nation wieder versöhnen und zu einer gewissen politischen Normalität zurückkehren.

Bernie Sanders:Schon bei den Vorwahlen der Demokraten 2016 sorgte der Senator mit dem zersausten Haar für Furore, als er sich ein packendes Rennen mit Ex-Außenministerin Hillary Clinton lieferte. Nun spielt der 78-Jährige wieder ganz vorne mit, Umfragen sehen ihn in Iowa in Führung. Allerdings hat Sanders mit Gesundheitsproblemen zu kämpfen: Im Oktober wurden ihm nach einem Herzinfarkt zwei Stents eingesetzt.

Elizabeth Warren:Die 70-jährige Senatorin liegt politisch nahe bei Sanders und vertritt damit den progressiven Flügel der Demokraten. Sie ist wie Sanders für eine universelle Krankenversicherung und für eine Reichensteuer. Die frühere Jura-Professorin hat sich den Kampf gegen die Korruption auf die Fahnen geschrieben und will die Macht von Großkonzernen eindämmen.

Pete Buttigieg:38 Jahre, offen schwul, lange Zeit kaum bekannt: Der frühere Bürgermeister der 100 000-Einwohner-Stadt South Bend im Bundesstaat Indiana ist die große Überraschung im Präsidentschaftsrennen. Der Afghanistan-Veteran galt anfangs als krasser Außenseiter, hat dann in Umfragen aber kräftig zulegen können.

Michael Bloomberg:Der Medienmogul und frühere New Yorker Bürgermeister startete erst spät ins Präsidentschaftsrennen: Der 77-Jährige verkündete seine Kandidatur Ende November. Seitdem gab er mehr als 200 Millionen Dollar für Wahlwerbung aus. Leisten kann Bloomberg sich das: Der Gründer der nach ihm benannten Finanznachrichtenagentur ist mit einem geschätzten Vermögen von rund 60 Milliarden Dollar einer der reichsten Menschen der Welt. Seine Rivalen werfen dem Mitte-Politiker vor, sich die Präsidentschaft erkaufen zu wollen.

Amy Klobuchar:Die 59-Jährige war zuletzt im Aufwind, unter anderem sprach die renommierte "New York Times" eine Wahlempfehlung für die Senatorin aus dem Bundesstaat Minnesota aus. Klobuchar gilt als bodenständige Vertreterin der politischen Mitte, die besonders im umkämpften Mittleren Westen punkten könnte.

Thomas Spang, Fabian Erik Schlüter

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