Mehr als 100 Corona-Infektionen in mehreren hessischen Städten nach dem Besuch eines Gottesdienstes in Frankfurt: Zunächst erklärte die betroffene Gemeinde, alle Schutzregeln seien eingehalten worden. Eine Mitteilung auf der Web-Seite zeichnet nun ein anderes Bild. FOTO: DPA
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Mehr als 100 Corona-Infektionen in mehreren hessischen Städten nach dem Besuch eines Gottesdienstes in Frankfurt: Zunächst erklärte die betroffene Gemeinde, alle Schutzregeln seien eingehalten worden. Eine Mitteilung auf der Web-Seite zeichnet nun ein anderes Bild. FOTO: DPA

Diesel-Skandal

Baptisten-Gemeinde räumt Fehler ein

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Frankfurt/Berlin- Nach Bekanntwerden von mehr als 100 Covid-19-Infektionen im Umfeld einer freien baptistischen Gemeinde in Frankfurt hatte die Gemeinde zunächst betont, alle gängigen Schutzregeln seien eingehalten worden. Der notwendige Abstand sei gewahrt, Desinfektionsmittel bereitgehalten worden. Ein am Montag auf der Webseite der Gemeinde veröffentlichtes Schreiben räumt allerdings Versäumnisse ein: "Im Nachhinein betrachtet wäre es für uns angebracht, beim Gottesdienst Mund-Nasen-Schutz-Bedeckungen zu tragen und auf den gemeinsamen Gesang zu verzichten", hieß es in der Stellungnahme.

Nach Angaben des Frankfurter Gesundheitsdezernats haben sich bisher 49 Menschen aus Frankfurt und 56 in Orten außerhalb Frankfurts infiziert. Die betroffenen Gesundheitsämter arbeiteten an der Ermittlung und Information von Kontaktpersonen, hieß es.

Nach einem Corona-Ausbruch im Zusammenhang mit einem Restaurantbesuch in Ostfriesland sind auch Mitarbeiter der Papenburger Meyer-Werft in Quarantäne.

Sachsen will Thüringen folgen

Derweil sollten die Länder bei weiteren Lockerungen der Corona-Regeln nach Ansicht von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) "mutig und wachsam" vorgehen. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Kanzlerin halte aber bloße Empfehlungen und Gebote für nicht ausreichend.

Sachsen möchte nun bei den Lockerungen einen ähnlichen Weg einschlagen wie Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), der ab dem 6. Juni statt landesweiter Regeln nur noch lokale Einschränkungen haben will. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) beriet am Montag mit den Chefs der Staatskanzleien der Länder über das weitere Vorgehen. Bis zum 5. Juni sind die bislang vereinbarten Kontaktbeschränkungen begrenzt.

Der Bund mahnt zur Vorsicht und warnt vor zu weitgehenden Lockerungen. Er schlug vor, dass sich wieder bis zu zehn Personen treffen dürfen und die Kontaktbeschränkungen bis zum 5. Juli verbindlich in Kraft bleiben. Das steht in einer Vorlage des Kanzleramts. Der Personenkreis, mit dem man Kontakt hat, sollte demnach möglichst klein und konstant gehalten werden. Zudem sollen Verschärfungen möglich sein: Wo es die Infektionszahlen erfordern, sollten weitergehende Kontaktbeschränkungen erlassen werden.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte am Wochenende erklärt, er wolle vom 6. Juni an auf allgemeine landesweite Corona-Beschränkungen verzichten und stattdessen auf "lokale Ermächtigungen" sowie die Eigenverantwortung der Menschen setzen. Die Verantwortung solle bei den Gesundheitsämtern liegen. Sollten sich neue Infektionsherde bilden, solle lokal reagiert werden. Am Montag sagte er dann, er werde dem Kabinett vorschlagen, "dass zum Beispiel in den öffentlichen Verkehrsmitteln weiterhin der Mund-Nase-Schutz bleiben soll".

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete die Ankündigung von weitreichenden Lockerungen in Thüringen als "fatales Signal". Er bitte die Verantwortlichen in Thüringen darum, die Absicht zu überdenken.

Laut Seibert war eine ursprünglich für Montag vorgesehene Sitzung des sogenannten Corona-Kabinetts der Bundesregierung abgesagt worden, weil Themen, die dort zur Beratung anstanden, noch nicht entscheidungsreif gewesen seien. Dabei gehe es unter anderem um die Koordinierung im innereuropäischen Reiseverkehr sowie Vorschriften im Personenverkehr. Entschieden werde nun wohl in der nächsten Kabinettssitzung morgen. dpa " Mehr im Innenteil

Frankfurt- Die Bundesregierung hat sich auf ein milliardenschweres Stützungsprogramm für den von der Corona-Krise schwer getroffenen Luftfahrtkonzern Lufthansa geeinigt. Aus dem operativen Geschäft will sich die Politik aber weitgehend heraushalten. dpa " Seite 3

Karlsruhe- Volkswagen muss Käufern manipulierter Dieselautos grundsätzlich Schadensersatz zahlen. Der Bundesgerichtshof entschied gestern in einem Grundsatzurteil, dass den Kunden bei Rückgabe des Autos ein solcher Anspruch zusteht. Allerdings müssen die gefahrenen Kilometer auf die Entschädigung angerechnet werden. dpa " Seite 3

Berlin- Bundesweit sind bis zum Montagabend mehr als 178 800 Infektionen mit dem Coronavirus registriert worden. 24 Stunden zuvor lag die gemeldete Zahl bei mehr als 178 500 Fällen. Mindestens 8281 mit dem Erreger SARS-CoV-2 Infizierte sind den Angaben vom Montag zufolge bislang bundesweit gestorben (Stand Sonntagabend: 8252). Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor.

Die Reproduktionszahl lag laut Robert-Koch-Institut vom Montag bei 0,83 (Sonntag: 0,94). dpa

Berlin- Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) schlägt in der Corona-Krise weitere Milliardenhilfen für den Mittelstand vor, um eine Pleitewelle zu verhindern. Bereits ab Juni sollten Firmen eine Überbrückungshilfe bekommen, wie aus einem Eckpunktepapier hervorgeht. Das Programm soll einen Umfang von mindestens 25 Milliarden Euro haben.

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sprach sich dafür aus, im Zuge des geplanten Konjunkturprogramms den Klimaschutz voranzubringen. Sie sagte am Montag, der Neustart müsse dafür genutzt werden, um die Gesellschaft klimafreundlicher, gerechter und krisenfester zu machen.

Infolge der Corona-Krise wird in Deutschland die bislang schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte erwartet. Die Bundesregierung will nach Pfingsten ein umfassendes Konjunkturprogramm beschließen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Altmaier will mit zusätzlichen Hilfen aber nicht so lange warten. In dem Eckpunktepapier Altmaiers heißt es, Firmen mit bis zu 249 Mitarbeitern sollten von Juni bis Dezember monatlich bis zu 50 000 Euro bekommen. Ziel sei es, kleine und mittlere Unternehmen aus Branchen, die durch coronabedingte Auflagen oder Schließungen betroffen sind, eine weitergehende Liquiditätshilfe zu gewähren und sie so in der Existenz zu sichern. Anträge sollen Firmen aus allen Wirtschaftsbereichen sowie Solo-Selbstständige und Freiberufler stellen können. Ihre Umsätze müssen im April und Mai um mindestens 60 Prozent gegenüber den Vorjahresmonaten eingebrochen sein.

In der Debatte um das Konjunkturprogramm stellten Wissenschaftler am Montag eine Studie im Auftrag des Umweltministeriums vor. Darin plädieren Institute für eine "sozialökologisch" ausgerichtete Konjunkturpolitik. "Konjunktur- und Klimapolitik müssen verzahnt werden."

Schulze sagte, sie persönlich halte drei Bereiche für besonders wichtig. Zum einen müssten Kommunen angesichts massiver Steuerausfälle gestärkt werden mit einem Schutzschirm, damit die Kommunen weiter investieren könnten - etwa in den Umbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Das Konjunkturprogramm müsse verbunden werden mit einer "Mobilitätswende". Weiter forderte sie, erneuerbare Energien müssten schneller ausgebaut werden - vor allem der Ausbau der Windkraft an Land ist ins Stocken geraten. dpa

London- Der britische Regierungsberater Dominic Cummings lehnt trotz der massiven Kritik an seiner Reise zu Verwandten in der Corona-Krise seinen Rücktritt ab. "Ich habe nicht angeboten, zurückzutreten. Ich habe das nicht in Erwägung gezogen", sagte Cummings gestern in London. "Ich bedaure nicht, was ich getan habe." Ihm war vorgeworfen worden, gegen Ausgangsbeschränkungen verstoßen und somit andere Menschen gefährdet zu haben.

Cummings ist der zweitmächtigste Mann nach Premier Boris Johnson in Großbritannien. Der 48-Jährige gilt als hochintelligenter Wahlkampfstratege, aber auch als unberechenbar. dpa " Seite 5

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