Für US-Präsident Donald Trump ist Corona ein "ausländisches Virus". Seine Problemlösung: Einreiseverbot für Europäer. Doch mit seiner Rede an die Nation hat er die Amerikaner eher verunsichert. FOTO: DPA
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Für US-Präsident Donald Trump ist Corona ein "ausländisches Virus". Seine Problemlösung: Einreiseverbot für Europäer. Doch mit seiner Rede an die Nation hat er die Amerikaner eher verunsichert. FOTO: DPA

"Ausländisches Virus"

  • vonThomas J. Spang
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Donald Trump verhängt einen Reisebann für Europäer und macht einen "ausländischen Virus" für die globale Corona- Pandemie verantwortlich. Seine Rede an die Nation trägt zur Verunsicherung der Bevölkerung bei.

Reisen oder nicht reisen, das ist die Frage, die Dirk (23) seit Tagen beschäftigt. Der in den USA aufgewachsene Student aus Deutschland hatte seinen Flug so gebucht, dass er pünktlich zum Semesterbeginn wieder an seiner Universität sein kann. Er hörte die Einschätzung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die nüchtern ausführte, wie weit sich das Virus im schlimmsten Fall ausbreiten könnte. Am Mittwochabend verfolgte er dann Donald Trumps Rede an die Nation, in der dieser alle Reisen aus Europa für 30 Tage aussetzte.

In seiner Rede aus dem "Oval Office" schlug der Präsident einen betont nationalistischen Ton an. Ein "ausländischer Virus" verbreite sich in den USA, "der aus China kommt und sich nun in der ganzen Welt verbreitet". Keine andere Nation sei "so sehr vorbereitet und widerstandsfähiger als die Vereinigten Staaten".

Um die Amerikaner zu schützen, werde ab Freitag ein 30-tägiges Reiseverbot für Personen in Kraft treten, die sich in den vergangenen zwei Wochen in der Europäischen Union aufgehalten haben. Davon ausgenommen seien Briten und Iren sowie Staatsbürger und Personen mit unbefristetem Aufenthalt.

Die US-Regierung erwägt, alle EU-Staaten der Risiko-Kategorie III zuzuordnen, die bisher für Staaten wie Italien, China und Südkorea gilt. Das Außenministerium riet allen Amerikanern, Reisen wegen des Coronavirus "in alle Länder" zu bedenken. Das ist das zweitstärkste Warnniveau nach der Empfehlung "nicht zu reisen". Binnen Minuten nach seiner Ansprache korrigierte Trump via Twitter eine missverständliche Passage der Rede, die den Eindruck erweckte, die USA würden den massiven Handel mit Europa bis auf Weiteres einstellen. "Die Restriktionen stoppen Menschen nicht Güter."

Statt die Amerikaner zu beruhigen und einen glaubwürdigen Kurs auszugeben, trug der Präsident mit seiner Ansprache zur weiteren Verunsicherung bei. Die "Futures" an den Börsen kündigten an, was am nächsten Tag passieren würde. Ein weiterer Absturz des Dow-Jones-Index um mehr als sieben Prozent zum Handelsbeginn.

Bundesstaaten reagieren anders

Dirk war nach der Rede selber völlig verunsichert. "Wem soll ich glauben?", fragt der Student, der noch im Ohr hat, wie der Präsident in den vergangenen Tagen die Gefahr durch das Coronavirus heruntergespielt hat. Er neigt dazu, zu fliegen, weil er Sorge hat, Trump könnte irgendwann auch Reisen nach Europa verbieten.

"Das macht überhaupt keinen Sinn", findet der Student, dem verlässliche Informationen lieber sind, "als Schönfärberei, die Menschen gefährdet".

Als Dirk Anfang der Woche erfuhr, dass er wegen des Coronavirus seine Großmutter in ihrem Pflegeheim nicht mehr besuchen durfte, ahnte er, dass die tatsächliche Lage ganz anderes war.

Zumal viele Bundesstaaten und die Zivilgesellschaft längst anders reagierten, als die Trump-Regierung, die nach den ersten Diagnosen in China wertvolle Zeit verlor, ausreichend Virustest-Kits in Umlauf zu bringen.

Der Gouverneur des besonders stark betroffenen Bundesstaats Washington, Jay Inslee, verglich die erwarteten Konsequenzen der am Mittwoch von der Weltgesundheitsorganisation WHO zur "Pandemie" erklärten globalen Virus-Krise mit einem Erdbeben. "Wir erwarten einen großflächigen Ausbruch, und das wird sehr schwierig werden."

Eine große Anzahl von Universitäten, darunter so renommierte Institutionen wie Harvard, stellen bereits jetzt auf Online-Unterricht um.

Dasselbe gilt für immer mehr Schulen. Kirchen sagen Gottesdienste ab. In vielen Bundesstaaten sind nun Versammlungen von mehr als 1000 Personen untersagt. Vor diesem Hintergrund klangen Trumps Worte aus dem "Oval Office" ein wenig hohl, der angesichts der Pandemie von "einer kurzen Zeit sprach, die wir als Nation und als Welt überwinden werden." Der Präsident kündigte eine Reihe an Maßnahmen an, die vor allem den 27 Millionen Amerikanern ohne Krankenversicherung helfen sollen, für medizinische Behandlungen zu bezahlen.

Experten befürchten massive Probleme

Experten befürchten, dass eine weite Verbreitung des Coronavirus massive ökonomische Probleme bringen wird, da rund acht von zehn Arbeitnehmern von Lohntüte zu Lohntüte leben und 40 Prozent nicht genügend Ersparnisse haben, eine unerwartete Rechnung über 400 Dollar zu bezahlen. Zumal nun auch die ersten Amerikaner ihre Arbeitsplätze verlieren.

Als erste traf es Hafenarbeiter in Los Angeles, die wegen ausbleibender Container aus China nichts mehr zu tun hatten. Betroffen sind zunehmend auch Mitarbeiter des Reise-, Unterhaltungs- und Gaststättengewerbes.

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