Afghanistan

Aschraf Ghani ist ein Technokrat

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Wer afghanische Kinder bittet, ihren Präsidenten Aschraf Ghani zu imitieren, wird binnen Sekunden krächzend-schreiende Rufe hören und in die Höhe gestreckte Zeigefinger sehen. Ghanis Reden, in denen sich immer wieder seine Stimme überschlägt, sind legendär. Noch vor rund fünf Jahren, zu Beginn seiner ersten Amtszeit, war ihm ein sanftes Auftreten zugeschrieben worden. Von dem ist wenig geblieben. Ghani wird nun, selbstbewusst und scheinbar unerschütterlich, seinem Land erneut als Präsident dienen. Die Wahlkommission erklärte ihn zum Sieger der Wahl vom September.

Ghani wurde 1949 in der Provinz Logar geboren, er studierte im Libanon und in den USA. Nach seiner Promotion arbeitete der Anthropologe von 1991 an mehr als zehn Jahre bei der Weltbank. In seine Heimat kehrte Ghani nach jahrelanger Abwesenheit erst nach dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 zurück. In der Übergangsregierung von Präsident Hamid Karsai war er bis 2004 Finanzminister. Ghani verschaffte sich internationalen Respekt auch damit, dass er die Währung Afghani aus dem Boden stampfte.

Danach führte Ghani die Universität Kabul, was er oft als seine beste Zeit bezeichnet. Ex-Präsident Hamid Karsai betraute ihn ab 2011 damit, die Übernahme der Verantwortung durch die afghanischen Sicherheitskräfte von den internationalen Truppen zu organisieren. 2014 krönte der Technokrat seine politische Karriere, als er Präsident wurde. Allerdings geschah das nicht ohne Kratzer - denn der Ausgang der Wahl war von Vorwürfen der Wahlmanipulation überschattet. Nach US-Druck ging Ghani mit Abdullah Abdullah, seinem Konkurrenten, eine Regierung der nationalen Einheit ein. Aus Abdullahs Lager gab es immer öfter Vorwürfe, man werde ausgegrenzt. Kritiker werfen Ghani vor, er sei ein Mikromanager und könne nichts aus der Hand geben. Durch seine schroffe Art und die Tendenz, Spielregeln der afghanischen Politik zu ignorieren, hat sich Ghani über die Jahre mit vielen politischen Führern des Landes zerstritten. dpa

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