Die Angst vor dem Virus ergreift die USA

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Die Straßen sind leer gefegt, Passanten und der normalerweise dichte Verkehr haben der Angst vor dem Virus Platz gemacht. Innerhalb von zehn Tagen ist das neuartige Coronavirus von einem Problem im fernen Asien und Europa zu einer amerikanischen Krise geworden. Die Zahl der Erkrankungen ist etwa um den Faktor 20 in die Höhe geschnellt, Schutzmasken und Beatmungsgeräte werden knapp. Von New York bis nach Los Angeles an der Westküste unterliegt fast ein Drittel der 330 Millionen Amerikaner Ausgangsbeschränkungen. Viele Menschen fürchten wegen des wirtschaftlichen Einbruchs jetzt auch um ihre Jobs. Die USA sind ein Land im Ausnahmezustand.

"Wenn wir den Leuten nicht sagen, sie sollen zu Hause bleiben und ihr Verhalten ändern ... dann haben wir Zehntausende Todesfälle mehr", warnte der Gouverneur des Bundesstaates Illinois, JB Pritzker, am Sonntag im Gespräch mit dem Nachrichtensender CNN. Der Staat hat für seine rund 13 Millionen Einwohner, inklusive der Großstadt Chicago, eine weitgehende Ausgangssperre verhängt. Vielerorts fehlt es an den nötigen Coronavirus-Tests, weswegen das Ausmaß der Epidemie in den USA wohl noch nicht absehbar ist.

Der Bundesstaat New York ist bislang mit mehr als 15 000 SARS-CoV-2-Infektionen landesweit am schlimmsten betroffen. Die Stadt bemüht sich verzweifelt, mehr Intensivbetten zu schaffen. Ein Lazarettschiff des US-Militärs mit 1000 Betten soll bald eintreffen. Zudem soll das Militär unter anderem in einem Messezentrum in Manhattan ein Notlazarett mit nochmals bis zu 1000 Betten einrichten.

Bis Sonntagabend waren in den USA gut 30 000 Menschen mit dem Virus SARS-CoV-2 infiziert, es wurden etwa 400 Todesfälle gemeldet. Die Fallzahlen stiegen weiter rasant an. Viele Gouverneure klagen, dass die Regierung von US-Präsident Donald Trump nicht genug tue und dass es zum Beispiel an Masken und Schutzkleidung fehle. Trump schlug daraufhin am Samstag - entgegen geltender Vorschriften - vor, Krankenhäuser könnten Masken desinfizieren und wiederverwenden. Der Präsident hatte die Epidemie noch bis Ende Februar kleingeredet.

Die Ausgangsbeschränkungen haben große Teile der Wirtschaft zum Erliegen gebracht. Analysten rechnen daher mit einer Rezession und einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit - und das in einem Land mit sehr begrenzter Arbeitslosenversicherung. Der US-Kongress strickt daher bereits ein massives Konjunkturpaket, das unter anderem direkte Zahlungen an alle Amerikaner, Kredite für Not leidende Unternehmen und eine Verbesserung der Arbeitslosenversicherung vorsieht. Das Volumen soll mehr als eine Billion Dollar (900 Milliarden Euro) umfassen.

Trump kommt der absehbare wirtschaftliche Abschwung im Wahljahr höchst ungelegen. Die während seiner Amtszeit gute Wirtschaftslage war bislang im Vorfeld der Präsidentenwahl am 3. November eine seiner wichtigsten Wahlkampfbotschaften. Trump verbreitet derweil Optimismus und erklärt, die Wirtschaft werde nach dem "Sieg" über das Virus wieder "wie eine Rakete" durchstarten. Experten bezweifeln dies aber. dpa

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