Erst mit der zweiten Dosis entfaltet der Impfstoff von Biontech seine volle Wirkung. Dann melden die Patienten aber auch öfter Impfreaktionen. (Symbolbild)
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Erst mit der zweiten Dosis entfaltet der Impfstoff von Biontech seine volle Wirkung. Dann melden die Patienten aber auch öfter Impfreaktionen. (Symbolbild)

Forschung

Corona-Impfung: Nach Zweitimpfung häufiger Schmerzen - Auch Müdigkeit, Schüttelfrost, Übelkeit gemeldet

  • vonSebastian Schmidt
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Es treten mehr Impfreaktionen nach der zweiten Dosis Biontech auf. Es scheint aber auch eine Ausnahme zu geben.

Langen – Die Impfkampagne gegen das Coronavirus schreitet in Deutschland voran. Für immer mehr Menschen nähert sich der zweite Impftermin mit dem Corona-Impfstoff des Herstellers Biontech. Und diese zweite Dosis ist besonders wichtig, nur durch sie erhält man den vollen Impfschutz. Worauf sich die Patienten aber einstellen müssen: Fast alle Impfreaktionen treten nach der zweiten Impfung öfter als nach der ersten auf. Meist handelt es sich um harmlose Reaktionen wie Müdigkeit oder Kopfschmerzen. Es wird zurzeit aber auch eine Häufung seltener Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) untersucht.

Corona-Impfung: Bereits Biontech-Zulassungsstudie zeigt Anstieg der Impfreaktionen

Dass es nach der zweiten Gabe des Biontech-Impfstoffes vermehrt zu Impfreaktionen kommt, war seit dem Start der Corona-Impfkampagne klar: Bereits in der Zulassungsstudie des Impfstoffes wurde davon berichtet. Sowohl bei den unter 50-Jährigen, wie auch bei den über 50-Jährigen beobachteten Forscher die Zunahme der Impfreaktionen. Dabei gibt es nur eine Ausnahme: Schmerzen an der Einstichstelle. Diese treten nämlich seltener nach der Zweitimpfung auf.

Bei beiden Altersklassen gehören Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit und Kopfschmerzen sowohl nach der ersten, als auch nach der zweiten Impfdosis zu den Häufigsten Impfreaktionen, die gemeldet wurden. Auch wenn sich die Verteilung unterscheidet: Schmerzen an der Einstichstelle mal ausgenommen, nehmen die anderen Impfreaktionen nach der zweiten Dosis mit Biontech zu. Vor allem beim Fieber ist – prozentual betrachtet – ein großer Anstieg zu verzeichnen, auch wenn die Gesamtzahl der Fieberfälle weiterhin gering ist.

Auch CDC zeigt Anstieg der Impfreaktionen nach zweiter Biontech Impfung

Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC („Centers for Disease Control and Prevention“) veröffentlichte Ende Januar 2021 eine erste Auswertung der Daten der V-safe-App. Mit dieser App können Patienten in den USA Impfreaktionen nach den Corona-Impfungen melden. Bis Ende Januar taten dies mehr als zwölf Millionen Menschen. Eine ähnliche App gibt es übrigens auch in Deutschland. Wer hierzulande bei der Forschung an den Corona-Impfstoffen helfen möchte, kann über die Smartphone-App SafeVac 2.0 seine Symptome dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) melden.

Wie die Auswertung der CDC zeigt, gaben auch in den USA Betroffene vermehrt nach der zweiten Impfung Impfreaktionen zu Protokoll: Schmerzen, Müdigkeit und Kopfweh wurden am häufigsten genannt, dicht gefolgt von Muskelschmerzen. Sie wurden nach der zweiten Impfung mehr als doppelt sooft gemeldet wie zuvor.

Corona-Impfung: Zusammenhang zwischen Herzmuskelentzündung und zweiter Biontech-Dosis unklar

Stellenweise wird von gefährlichen Herzmuskelentzündungen nach Corona-Impfungen berichtet, so zum Beispiel von Professorin Sandra Ciesek, der Chefvirologin des Universitätsklinikums Frankfurt, im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“. In Israel sei die Erkrankung nach 5,3 Millionen Impfungen bei 62 Menschen aufgetreten, und zwar oft nach der zweiten Biontech-Impfdosis. Viele der Betroffenen seien jung gewesen, meist unter 30 Jahren. Zwei Erkrankte seien in Folge der Myokarditis gestorben.

Es gibt aber eine Entwarnung: Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), dass die Sicherheit von Arzneimitteln in Deutschland bewertet, sagt in seinem aktuellen Sicherheitsbericht über Herzmuskelentzündung (Myokarditis) nach der Corona-Impfung, dass „kein Risikosignal zu sehen ist“. Bis zum 30. April 2021 seien laut PEI mehr als 21 Millionen Impfungen mit Biontech in Deutschland durchgeführt worden. Dem Institut sind in dem Zeitraum 16 Fälle einer Herzmuskelentzündung gemeldet worden, acht Betroffene waren jünger als 30 Jahre.

Auch Biontech selbst äußerte sich zu den Herzmuskelentzündungen. Wie der Bayrische Rundfunk berichtete, soll das Biotechnologie Unternehmen nach eigener Aussage keine erhöhte Anzahl an Herzmuskelentzündungen im Zusammenhang mit seinem Impfstoff feststellen können. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte ein Unternehmenssprecher: „Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass Myokarditis ein Risiko im Zusammenhang mit der Anwendung des Covid-19-Impfstoffs von Pfizer/Biontech darstellt.“

Wie soll man sich nach der zweiten Corona-Impfung mit Biontech verhalten?

Die Virologin Ciesek rät den Patienten im NDR-Podcast: „Wenn man die Impfung bekommt und sich noch nicht gut fühlt – das gilt auch für Leute, die Covid hatten – und noch schlapp sind: Dann sollte man keinen Leistungssport oder Sport mit voller Belastung treiben, sondern einen Gang zurückschalten, bis man wieder fit ist.“

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