Am frühen Montagmorgen ist im Grünen Gewölbe im Dresdner Schloss der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) eingebrochen worden. Der Einbruch betrifft den historischen Teil der wertvollen Sammlung. Foto: dpa
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Am frühen Montagmorgen ist im Grünen Gewölbe im Dresdner Schloss der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) eingebrochen worden. Der Einbruch betrifft den historischen Teil der wertvollen Sammlung. Foto: dpa

"Wie im schlechten Film"

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Diebe haben wertvolle Juwelen aus dem Grünen Gewölbe in Dresden gestohlen - einer weltberühmten Schatzkammer. Der Einbruch wirft viele Fragen auf. Auch die, ob die Täter vielleicht Insiderwissen hatten.

Bestürzung, Kopfschütteln, ungläubige Gesichter: Vor den Türen des Dresdner Residenzschlosses stehen am Montagmorgen zahlreiche Besucher vor verschlossenen Türen. Ein Schild am Eingang weist darauf hin, dass das Museum aus "organisatorischen Gründen" geschlossen bleibt. Die Nachricht dahinter ist ein Schock: Es gab einen spektakulären Kunstraub in Dresdens weltberühmter Schatzkammer - dem Grünen Gewölbe. Teile von drei Juwelengarnituren ließen die unbekannten Diebe mitgehen. Ihr Wert lässt sich finanziell gar nicht beziffern, hieß es. Nach Angaben der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) wurden die Vitrinen nicht vollständig leergeräumt. "Alle Objekte sind einzeln befestigt. Außerdem wurden mehrere Alarme ausgelöst", erklärte SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann. Als das ganze Ausmaß gegen Mittag bekannt wird, stehen manchem Beschäftigten der SKD Tränen in den Augen. "Das ist wie in einem schlechten Film. Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas mal erleben muss", sagt eine Mitarbeiterin.

Täter fliehen durchs Fenster

Generaldirektorin Ackermann sagte, es handle sich um einen "unschätzbaren kunsthistorischen und kulturhistorischen Wert". Die besondere Bedeutung liege darin, dass die Garnituren als Ensembles erhalten blieben. Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes, spricht von einer Art "kulturellem Welterbe". Es gebe nirgendwo in einer Sammlung in Europa eine Juwelengarnitur, die in dieser Form, dieser Qualität und dieser Quantität erhalten blieb. In vier Vitrinen waren insgesamt zehn Garnituren ausgestellt, eine Vitrine mit drei Garnituren wurde ausgeraubt. Nach den bisherigen Ermittlungen drangen die Täter über ein vergittertes Fenster mit Sicherheitsglas ein. Die mit Panzerglas geschützte Vitrine hielt den Werkzeugen der Räuber nicht stand. Zwei Wachleute, die in der Zentrale Dienst hatten, beobachten die Täter während der Tat über Monitore. Nach den Vorgaben dürfen sie nicht selbst eingreifen, sondern müssen die Polizei informieren. Die nimmt eine Minute vor 5 Uhr am Morgen den Notruf entgegen. Fünf Minuten später ist der erste Funkstreifenwagen vor Ort, die Täter aber schon auf und davon - offenkundig wieder durch das Fenster.

Die Polizei geht davon aus, dass ein Fluchtfahrzeug bereitstand. Fest steht, dass es zu diesem Zeitpunkt stockdunkel am Dresdner Schloss war. Da kurz zuvor ein Elektroverteiler nahe des Schlosses brannte, ist das Straßenlicht aus. Die Polizei untersucht, ob es einen Zusammenhang gibt, die Täter womöglich gezielt vorgingen, um unbemerkt in das Schloss zu kommen. Und dann ist da noch die Frage, wie viel Insiderwissen die Täter hatten.

Das Historische Grüne Gewölbe ist eines der weltberühmten Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und ein barockes Gesamtkunstwerk. In den im Zweiten Weltkrieg zerstörten und prachtvoll rekonstruierten Räumen des Residenzschlosses sind rund 3000 Schmuckstücke und andere Meisterwerke aus Gold, Silber, Edelsteinen und Elfenbein zu sehen. Das Grüne Gewölbe gilt zudem als eine der reichsten Schatzkammern Europas. Durch ihre hohe Bekanntheit seien die gestohlenen Garnituren auf dem Kunstmarkt nicht verkäuflich, sagt die Generaldirektorin. Es wäre eine schreckliche Vorstellung, wenn sie deshalb auseinandergerissen würden.

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