Riesenschildkröten sind lernfähig, haben ein gutes Gedächtnis und können sich vermutlich auch Verhaltensweisen abschauen. FOTO: DPA
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Riesenschildkröten sind lernfähig, haben ein gutes Gedächtnis und können sich vermutlich auch Verhaltensweisen abschauen. FOTO: DPA

Von wegen dumpfe Giganten

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Im angloamerikanischen Raum nennt man sie "living Rocks": Riesenschildkröten werden zwar steinalt, doch sie gelten auch als schläfrig und schwer von Kapee. Doch eine Studie zeigt nun: Sie können zügig lernen - und das Erlernte auch noch viele Jahre später abrufen.

Ausgangspunkt des Forscher-Teams um den Wiener Zoologen Anton Weissenbacher war die Beobachtung, dass Riesenschildkröten oft lange Wanderungen unternehmen, ohne dabei in irgendwelche Orientierungsnöte zu kommen. Sie scheinen sich vielmehr Fixpunkte ihrer Umgebung exakt einprägen zu können, und das entspricht so gar nicht dem Image des trägen Riesen, das ihnen weithin nachhängt.

Also beschlossen die Forscher, die Beobachtung aus der freien Wildbahn durch eine Studie unter kontrollierten Bedingungen zu überprüfen. Und zwar an acht Schildkröten von den Galapagos und drei von der Seychelleninsel Aldabra, die im Wiener Tiergarten Schönbrunn - dem Arbeitsplatz von Weissenbacher - gehalten werden. Man nutzte dabei die Technik des sogenannten Verstärkungslernens, was konkret heißt: Die Tiere wurden so lange mit einem am Stock befestigten Gummiball geärgert, bis sie dort hineinbissen. Taten sie das bei einem Ball mit einer bestimmten Farbe, wurden sie mit einer Möhre belohnt, einer ihrer Leibspeisen. Bei andersfarbigen Spielgeräten gingen sie hingegen leer aus.

Schneller in der Gruppe

Manchmal brauchte es zwar ein paar Dutzend Versuchsdurchläufe, doch schließlich lernten die Riesenschildkröten, nur noch in den Ball zu beißen, der ihnen auch eine Möhre einbrachte. Und sie verstanden dies umso schneller, wenn sie in einer Gruppe trainierten. "Sie schauen sich also offenbar Verhaltensweisen von ihren Artgenossen ab", vermutet Weissenbacher. Was wiederum erstaunlich ist, gelten doch Riesenschildkröten als Einzelgänger, die sich nicht sonderlich um ihre Artgenossen scheren.

Drei Monate und noch einmal neun Jahre später - was ja für die über hundert Jahre alt werdenden Reptilien kein Problem sein sollte - konfrontierte man sie noch einmal mit den mehrfarbigen Bällen. Es zeigte sich: Sie hatten nichts vergessen. Jede Einzelne von ihnen schnappte immer noch nur dann zu, wenn man ihr den Ball vorsetzte, der ihr in den ersten Versuchsläufen die Belohnung eingebracht hatte. "Riesenschildkröten sind also keine Maschinen, die bloß ein programmiertes Verhaltensmuster abspulen", betont Weissenbacher.

Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass nicht nur jüngere, sondern auch steinalte Tiere jenseits der 100 Jahre in den richtigen Ball bissen. Ihr Lernfenster war also noch nicht geschlossen. "Keine Spur von ›Was Hänschen nicht kennt, lernt Hänschen nimmermehr‹", betont Weissenbacher.

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