1. Gießener Allgemeine
  2. Panorama

Vulkanausbruch vor Tonga: Trinkwasser hat Priorität – UN mit düsterer Prognose

Erstellt:

Von: Tim Vincent Dicke

Kommentare

Nach dem Vulkanausbruch vor Tonga wird das Ausmaß der Zerstörung klar. Die meisten Menschen sind von der Katastrophe betroffen – ebenso wie die Landwirtschaft.

Nuku‘alofa (Tonga) – Das Ausmaß der Zerstörung wird eine Woche nach dem massiven Ausbruch des Unterwasservulkans vor Tonga im Südpazifik sichtbar. Schätzungsweise 84 Prozent der rund 105.000 Bewohner auf allen Inseln seien von dem Ascheregen und dem Tsunami betroffen, hieß es in einer am Samstag (22.01.2022) veröffentlichten Mitteilung der Regierung.

Die Versorgung mit Trinkwasser und Lebensmitteln habe nun Priorität. Hilfsgüter seien auf dem Weg zu weiter entfernten Inseln, aber die Kommunikation bleibe „eine akute Herausforderung“. Im Rahmen der Hilfsmaßnahmen seien bisher fast 60.000 Liter Wasser verteilt worden, hieß es weiter. Das von Neuseelands Regierung entsandte Schiff „HMNZS Aotearoa“, das am Freitag (21.01.2022) eintraf, brachte neben Hilfsgütern weitere 250.000 Liter Wasser.

Regierungen und NGOs helfen Tonga nach dem Vulkanausbruch

Obwohl es nach Regierungsangaben keine weiteren vulkanischen Aktivitäten gegeben hat, blieb der Seetransport zunächst weiterhin schwierig, da Asche auf der Meeresoberfläche die Schiffe beschädigte. Erste Flugzeuge aus Australien und Neuseeland brachten dringend benötigte Hilfsgüter. Inlandsflüge blieben jedoch aufgrund andauernder Räumungsarbeiten auf Landebahnen vorerst ausgesetzt.

Dieses Bild zeigt ein zerstörtes Haus in der Hauptstadt Nuku‘alofa.
Ein zerstörtes Haus in der Hauptstadt Nuku‘alofa: Die Schäden auf Tonga nach dem Vulkanausbruch sind immens. © Guo Lei/imago

Auch internationale NGOs beteiligen sich an den Hilfsaktionen in Tonga. Die Organisation Save the Children plant nach eigenen Angaben den Aufbau von temporären Lernräumen und Fernunterricht, um Kinder zu unterstützen. Darüber hinaus helfe man betroffenen Familien derzeit mit Bargeld, sagte eine Sprecherin. Diese Unterstützung stelle nicht nur sicher, dass Familien sich selbst versorgen könnten, sondern trage langfristig auch zur Erholung der lokalen Wirtschaft bei.

Vulkanausbruch vor Tonga: Lebensmittelhilfe weiter nötig

Die Vereinten Nationen (UN) gehen davon aus, dass Tonga auch langfristig Lebensmittelhilfe benötigen könnte. „Schon vor dem Vulkanausbruch war die Lebensmittelversorgung von 20 Prozent der Bevölkerung nicht gesichert“, sagte ein Sprecher des Welternährungsprogramms (WFP) in Genf. Nun seien durch den Tsunami und den vulkanischen Ascheregen viele Ackerflächen, der Viehbestand und die Fischerei stark in Mitleidenschaft gezogen. Schätzungsweise seien bis zu 12.000 Menschen betroffen, die von der Landwirtschaft lebten, sagte WFP-Sprecher Tomson Phiri weiter. Auch der Vulkanausbruch auf der Kanareninsel La Palma* hatte die dortige Landwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen.

Nach Beobachtungen eines Vertreters der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor Ort ist die Solidarität unter den Menschen auf Tonga groß. Die Menschen zeigten eine hohe Widerstandskraft und würden einander helfen. Der Koordinator für das Projekt zum Wiederaufbau des zerstörten Parlaments, Faka’iloatonga Taumoefolau, sagte laut der Nachrichtenagentur Reuters: „Die Tongaer haben in dieser Katastrophe ihre Widerstandsfähigkeit bewiesen und werden wieder auf die Beine kommen.“

Vulkanausbruch vor Tonga verursachte Aschewolke wie ein Atompilz

26 Menschen seien von der Insel Mango vorerst nach Nomuka gebracht worden, nachdem sie ihre Häuser verloren hätten, hieß es von Tongas Regierung. Auf Nomuka wurde demnach ein Feldlazarett eingerichtet, da das dortige Gesundheitszentrum weggespült wurde. Das Hauptkrankenhaus des Landes blieb jedoch geöffnet. Aus aller Welt gab es bislang Zusagen für Hilfsgüter und mehr als 20 Millionen US-Dollar zur Unterstützung.

Der Vulkanausbruch vor Tonga hatte die Sprengkraft von etwa 10 Megatonnen TNT – mehr als das 500-Fache der Atombombe von Hiroshima, schätzt die Nasa.
Der Vulkanausbruch vor Tonga hatte die Sprengkraft von etwa 10 Megatonnen TNT – mehr als das 500-Fache der Atombombe von Hiroshima, schätzt die Nasa. © dpa/AAP Image/Tonga Meteorological Services

Der unterseeische Hunga-Tonga-Hunga-Ha‘apai, der nur 65 Kilometer nördlich von Tongas Hauptstadt Nuku‘alofa liegt, hatte vergangene Woche eine Wolke aus Asche und Gas wie einen Atompilz kilometerweit in die Höhe geschleudert. Fachleuten zufolge war es einer der weltweit schwersten Ausbrüche seit Jahrzehnten*. Tsunami-Wellen erreichten sogar weit entfernte Regionen wie Alaska (USA*), Japan und Südamerika. In Peru führten die hohen Wellen sogar zu einer Ölkatastrophe. Tongas Regierung bestätigte bislang drei Tote und mehrere Verletzte. (tvd/dpa/KNA) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare