Aus besseren Tagen: Königin Elizabeth II., Meghan, Herzogin von Sussex, und Prinz Harry bei der Abnahme einer Parade auf dem Balkon des Buckingham-Palastes. FOTO: DPA
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Aus besseren Tagen: Königin Elizabeth II., Meghan, Herzogin von Sussex, und Prinz Harry bei der Abnahme einer Parade auf dem Balkon des Buckingham-Palastes. FOTO: DPA

Vernichtende Reaktionen

  • vonJochen Wittmann
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Es war ein Hammer am Mittwoch- abend: Prinz Harry und seine Frau Meghan gaben ihren Rückzug von royalen Pflichten bekannt. Ganz unkonventionell auf ihrer Instagram-Seite verkündeten sie, dass sie "finanziell unabhängig" werden wollen und nicht mehr ausschließlich im Königreich, sondern auch in Nordamerika leben werden.

Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein. Niemand hatte damit gerechnet. Zwar hatte es im Vorfeld Gespräche zwischen dem Buckingham-Palast und dem Herzogspaar von Sussex über die Gestaltung ihrer Zukunft gegeben, aber die Ankündigung war nicht abgesprochen. Die Queen traf es völlig unvorbereitet. Die Königliche Familie, meldete die BBC, sei "verletzt" durch den plötzlichen Rückzug. Elizabeth II. und ihr Sohn, der Thronfolger Prinz Charles, sind tief enttäuscht über den gravierenden Schritt Prinz Harrys, in den sie weder eingeweiht waren, geschweige denn, dass sie ihn mitgestalten konnten.

Bilder als Auslöser?

Zwei Bilder waren wohl der Auslöser für Harrys und Meghans Bruch mit den Royals. Bei ihrer traditionellen Weihnachtsansprache saß die Queen an einem Schreibtisch, neben ihr Fotos von Mitgliedern der engeren Familie. Aber Harry und Meghan waren nicht dabei. Ein paar Tage später ließ Thronfolger Prinz Charles ein Foto veröffentlichen, auf dem er, die Queen sowie die nächsten beiden Thronfolger Prinz William und sein Sohn Prinz George zu sehen waren. Das Bild sollte nicht ganz unsubtil die Botschaft vermitteln, wie sich Charles die Zukunft der Royals vorstellt: Eine verschlankte Monarchie, reduziert auf die Monarchin und ihre Erben. Harry und Meghan müssen sich ausgeschlossen gefühlt haben.

Die Reaktion der britischen Presse am Donnerstag war ziemlich vernichtend für das Herzogspaar: Trotz ihrer vielen Privilegien keine Aufgaben mehr wahrnehmen zu wollen, sei schon schlimm genug. Aber mit der Art und Weise ihrer Ankündigung die Monarchin zu brüskieren, das ginge gar nicht. "Queen ist wütend", titelte das Massenblatt "Daily Mail", das der Geschichte die ersten siebzehn Seiten widmete. Die "Times" sprach von einer "Spaltung im Palast" und bemerkte in einem Leitartikel, dass die Ankündigung "all die Launenhaftigkeit und Hitzköpfigkeit zeige, für die Prinz Harry leider bekannt ist". Indem er dem Palast seinen Rücken kehre, warnte das Blatt, "sollte Harry nicht überrascht sein, wenn sein Ausschluss permanent wird".

Dabei war es ein angekündigter Zusammenbruch der Beziehungen. Harry war schon länger unglücklich in seiner Rolle als Royal. Immer wenn er ein Kamera aufblitzen sehe, hatte der Prinz geklagt, würde er an seine Mutter Lady Diana erinnert, die vor 22 Jahren auf der Flucht vor Paparazzi bei einem Autounfall starb. Das Schicksal, als Royal erbarmungslos von den Medien verfolgt zu werden, wolle er sich und seiner Frau ersparen.

In einem Interview im vergangenen Herbst sprach er über die Belastungen als Mitglied der Königlichen Familie und über die Entfremdung mit seinem Bruder Prinz William. Schon damals klang an, dass er über einen Situations- und Ortswechsel nachdachte. Einige Kommentatoren vermuten, dass die treibende Kraft hinter dem Bruch mit dem Palast seine Ehefrau Meghan ist. Von einem "Megxit" ist die Rede. Die amerikanische Schauspielerin hatte ebenfalls über die Schwierigkeiten ihrer neuen Rolle geklagt. "Es ist nicht genug, etwas einfach zu überleben, darum geht es nicht im Leben. Es kommt darauf an, dass man aufblüht."

Zu schaffen machte der 38-Jährigen mit afroamerikanischen Hintergrund vor allem Anfeindungen in den sozialen Medien, aber auch in der britischen Presse, die bisweilen rassistische Untertöne zeigten. Die Kritik an ihr dürfte jetzt nicht weniger werden. Der Publizist Piers Morgan zum Beispiel griff sie am Donnerstag auf Twitter an. "Die Leute sagen, dass ich zu kritisch über Meghan Markle bin - aber sie hat ihre Familie abserviert, ihren Vater abserviert, die meisten ihrer alten Freunde abserviert, Harry von William getrennt und jetzt Harry von der Königlichen Familie getrennt - mehr ist nicht zu sagen."

Viele Fragen bleiben offen

Der Bruch mit dem Palast wirft Fragen auf. Können Harry und Meghan im Frogmore Cottage wohnen bleiben, das soeben mit 2,4 Millionen Pfund an öffentlichen Geldern renoviert wurde? Wie sieht es mit dem Begleitschutz aus, den Royals beanspruchen? Und wie soll das gehen, "finanziell unabhängig" werden zu wollen? Auch als Royal im Hintergrund kann man nicht einfach jeden Job übernehmen.

Harry und Meghan sind sowieso nicht arm dran. Der Prinz hat von seiner Mutter und Urgroßmutter geerbt, sein privates Vermögen wird auf rund 30 Millionen Pfund geschätzt. Seine Frau hat in ihrer Schauspielkarriere ebenfalls gut verdient und gilt als Millionärin.

Noch ist unklar, wie weit Harrys Bruch mit der Königlichen Familie gehen soll. Es werden allerdings jetzt schon Vergleiche mit Edward VIII. bemüht, der 1936 als König zurücktrat, um seine amerikanische Geliebte Wallis Simpson zu heiraten. Das hatte damals zu einer handfesten Krise des Königshauses geführt und Edward zu einem Paria bei den Windsors gemacht.

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