Urteil nach tödlichem Rennen

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Ein verbotenes Rennen zwischen einem Motorrad und einem Sportwagen im Bayerischen Wald endet tödlich - der Fahrer eines entgegenkommenden Oldtimers stirbt. Die beiden Raser sind zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Zwei Männer verabreden sich im Bayerischen Wald zu einer Verfolgungsfahrt zwischen Motorrad und Sportwagen. Die kurvenreiche Strecke ist bei Rasern bekannt und beliebt. An jenem Abend im Juli 2018 gerät die Situation außer Kontrolle: Der 28-jährige Autofahrer prallt mit seinem roten Audi TT RS gegen einen entgegenkommenden Oldtimer-Opel. Dessen Fahrer ist sofort tot, sein kleiner Sohn lebensgefährlich verletzt und seither schwerbehindert. Vor dem Landgericht Deggendorf sind die Männer am Freitag jeweils zu fünfjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Regungslos hören sich die Angeklagten die Urteilsverkündung an. Der Jüngere - ein Bundespolizist - verliert zudem seine bisherige berufliche Existenz. In keinem Vergleich dazu stünden die Folgen der Raserei für die Familie der Opfer, das betonen auch die Verteidiger der beiden Angeklagten in ihren Plädoyers. Der Richter legt den Männern Teilnahme an einem unerlaubten Fahrzeugrennen mit Todesfolge und schwerer Gesundheitsschädigung sowie fahrlässige Körperverletzung zur Last, dem Motorradfahrer zudem Unfallflucht.

Als der 28-Jährige die Kontrolle über seinen Audi verlor, war er einem Sachverständigen zufolge wohl mit 120 Stundenkilometern unterwegs. Die Kurve ist den Berechnungen des Experten zufolge mit maximal Tempo 105 beherrschbar zu durchfahren. Der Vorsitzende Richter sagte: "Zwei rennbegeisterte Personen haben ihren Geschwindigkeitswahn ausgelebt." Der 38-jährige Oldtimerfahrer habe keine Chance gehabt, den Zusammenstoß mit dem Audi zu verhindern.

Die Witwe des Mannes verfolgt den Prozess als Nebenklägerin. Ihr Sohn, der bei dem Unfall auf dem Beifahrersitz saß, mehrere Knochenbrüche und eine Verletzung am Stammhirn davontrug, leidet bis heute unter den Folgen. Gehen, Sprechen, Essen und Trinken musste er neu lernen, auf einem Auge ist er nahezu blind, ein Arm gelähmt, ein Bein geschient. Der Zehnjährige hat als Zeuge ausgesagt und mit seinem tapferen Auftreten die Zuschauer beeindruckt.

Wenig Schuldeinsicht

Nach Ansicht von Staatsanwalt und Nebenklageanwalt haben die beiden Angeklagten emotionslos auf die Aussage des Kindes reagiert und zu wenig Schuldeinsicht gezeigt. Positiv werten sie, dass die Männer im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleiches 31 000 und 25 000 Euro an die Opferfamilie gezahlt haben. Zudem schrieb der Autofahrer Kondolenzbriefe. Vor der Urteilsverkündung beteuerten sie, dass ihnen das Geschehen leidtue.

Erschwerend wertet das Gericht beim Motorradfahrer, dass dieser die Unglücksstelle verlassen habe, ohne sich um die Opfer zu kümmern - und das, obwohl er von anderen Ersthelfern explizit darum gebeten worden sei. Den für Mord erforderlichen Tatvorsatz sah der Richter im aktuellen Fall ausdrücklich nicht. Die Männer hätten niemanden töten wollen.

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