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Menschen gehen in Puri an Verkaufsständen vorbei, die von Zyklon "Fani" zerstört worden sind.

Schwerer Wirbelsturm fegt über indische Küste hinweg

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Mehr als 10.000 Menschen kamen vor 20 Jahren bei einem Zyklon an Indiens Ostküste ums Leben. Der seit damals stärkste Wirbelsturm wütet jetzt in diesem Gebiet. Viele Millionen Menschen sind betroffen.

Der stärkste Zyklon seit vielen Jahren ist auf Indiens Ostküste getroffen und hat große Zerstörung angerichtet. Der tropische Wirbelsturm "Fani" erreichte am Freitagmorgen (Ortszeit) mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 205 Stundenkilometern das Festland in der Nähe der Stadt Puri.

In der Gegend gab es nach Behördenangaben drei Todesfälle, mehr als 160 Menschen mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Im Nachbarland Bangladesch, wo das Sturmzentrum am Samstag erwartet wird, kamen vier Menschen auf einem Reisfeld bei einem Blitzschlag ums Leben, wie die Polizei mitteilte.

Die Stromversorgung, Befahrbarkeit der Straßen sowie Telefon- und Mobilfunknetze seien alle stark beeinträchtigt, teilte die Katastrophenschutzbehörde des indischen Bundesstaates Odisha am Abend (Ortszeit) mit. Eine große Zahl von Bäumen und Strommasten sei umgestürzt. Im Bezirk Puri seien alle aus Lehmziegeln gebauten Häuser schwer beschädigt. Außerdem wurden demnach Anbauflächen in großem Maßstab verwüstet. Fernsehbilder aus der Luft zeigten ländliche Gebiete, die unter Wasser standen. Odisha ist einer der ärmsten Bundesstaaten Indiens.

Das Deutsche Rote Kreuz warnte, dass auch die fast eine Million Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch bedroht seien. Die Angehörigen der muslimischen Minderheit, die gewaltsam aus ihrer Heimat Myanmar vertrieben wurden, leben in Küstennähe rund um das größte Flüchtlingslager der Welt auf engstem Raum in einfachen Behausungen.

In beiden Ländern wurden Küstengebiete geräumt und Bewohner in Sicherheit gebracht. Allein in Odisha wurden nach Angaben der Regierung mehr als eine Million Menschen binnen 24 Stunden in mehr als 4000 Notunterkünfte gebracht. In Bangladesch könnten nach Aussage der Katastrophenschutzbehörde rund 2,5 Millionen Menschen von der Evakuierung betroffen sein.

"Fani" - "Foni" ausgesprochen - gilt als stärkster Zyklon in dem Gebiet am Golf von Bengalen seit 1999, als mehr als 10.000 Menschen in Odisha (damals Orissa) ums Leben kamen. Damals hatte der Wind eine Geschwindigkeit von 260 km/h erreicht. Seitdem gelten die Sicherheitsvorkehrungen in dem Bundesstaat allerdings als deutlich verbessert. "Fani" bezeichnet in bengalischer Sprache den Nackenschild, den Kobras in ihrer Drohhaltung ausbreiten.

Der Sturm bewegte sich in nordöstlicher Richtung über die Küstenregion und schwächte dabei etwas ab. Bis Samstagmorgen werde er höchstwahrscheinlich mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 115 Stundenkilometern über den Bundesstaat Westbengalen hinwegziehen, sagte Indiens Meteorologiebehörde voraus. Er werde sich voraussichtlich weiter abschwächen, bevor er anschließend Bangladesch erreiche.

In Kolkata (früher Kalkutta), der Hauptstadt von Westbengalen mit rund 15 Millionen Einwohnern, fielen alle Flüge von 15 Uhr am Freitag bis 8 Uhr am Samstag (Ortszeit) aus. In Odishas Hauptstadt Bhubaneswar wurden alle Flüge am Freitag abgesagt. Im ganzen Bundesstaat blieben die Schulen geschlossen, und alle Züge fielen aus. Auch Teile des südlich von Odisha gelegenen Bundesstaates Andhra Pradesh waren vom Sturm betroffen.

Wirbelstürme sind am Golf von Bengalen keine Seltenheit, vor allem zwischen April und November. Bei dem bislang wohl tödlichsten Zyklon - wie tropische Wirbelstürme im Indischen Ozean wie auch im südlichen Pazifik genannt werden - kamen 1970 in Bangladesch mindestens 300 000 Menschen ums Leben.

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