Für den richtigen Himmelsblick sollten Astronomie-Anfänger nicht weniger als 150 Euro in die Hand nehmen. FOTO: DPA
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Für den richtigen Himmelsblick sollten Astronomie-Anfänger nicht weniger als 150 Euro in die Hand nehmen. FOTO: DPA

Richtig in die Sterne schauen

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Mondkrater, Sternennebel, fremde Galaxien: Teleskope sind der Schlüssel zu solchen Beobachtungen. Beim Discounter kosten sie teils weniger als 100 Euro. Ein guter Start für Hobby-Astronomen?

Ein Blick auf die Suchmaschinen-Trefferliste zeigt: Teleskope werden für 30 Euro wie auch für über 3000 Euro angeboten. Sie können das Licht besser einfangen als das bloße Auge und die Objekte am Himmel erheblich vergrößert darstellen.

Doch: "Die Vergrößerung ist der unwichtigste Faktor beim Teleskopkauf", sagt Astrid Gallus vom Vorstand der Vereinigung der Sternfreunde (VdS). "Die Sterne und Planeten sind weit entfernt, und mit Vergrößerung kann da nicht viel erreicht werden. Licht, Licht und noch mal Licht ist das Geheimnis." Käufer sollten auf die sogenannte Öffnung achten. Als Faustregel gibt sie aus: "So groß es geht, wobei man bedenken muss, dass man das Gerät tragen und aufbauen muss."

Ihr Vereinskollege Andreas Berger präzisiert: "Acht bis zehn Zoll Durchmesser sollte ein Teleskop haben." Er leitet im VdS die Fachgruppe Amateur-Teleskope und Selbstbau.

Die Frage sei: Was will ich beobachten? Nahe Objekte wie den Mond, benachbarte Planeten oder "Deep Sky"? Dabei sucht man bis zu mehrere Millionen Lichtjahre entfernte Sternenhaufen oder Nebel. Bergers Tipp für Anfänger: "Suche den Saturn. Sein Anblick mit den charakteristischen Ringen ist oft der Einstieg."

Preislich liege der Start bei rund 150 Euro. Auch für Modelle vom Gebrauchtmarkt empfehlen sich acht Zoll Durchmesser oder mehr, eine Brennweite von 500 bis 1000 Millimetern, mindestens 25-fache Vergrößerung und ein stabiler Sockel.

Berger empfiehlt ein Gerät vom Typ Dobson: ein breites, eher kurzes Teleskop, und für den stabilen Stand eine klappbare sogenannte Rockerbox aus Holz mit einer Aussparung an der Oberseite zum Anbringen des Teleskops. Von schmalen Stativen, wie sie häufig verwendet werden, rät er ab: "Die sind viel zu wackelig für die Himmelsbeobachtung schon bei geringen Vergrößerungen."

Im Handel ist oft die Rede von zwei Typen: Das Refraktor- oder Linsen-Teleskop gilt als klassisch und gut geeignet für Anfänger, da es relativ erdnahe Objekte wie den Mond gut abbildet. Häufig sind sie teurer als vergleichbare Reflektor- oder Spiegelteleskope. Diese können auch schwächer leuchtende Objekte am Himmel oder in entfernteren Bereichen abbilden.

Spiegel- oder Linsenteleskop?

An der Frage, ob es ein Spiegel- oder ein Linsenteleskop sein soll, scheiden sich die Geister. Während Andreas Berger eher ein Spiegelteleskop für alle Zwecke der Anfänger-Astronomie empfiehlt, differenziert Astrid Gallus: "Wollen Sie Planeten oder Doppelsterne beobachten, würde ich immer zu einem Linsenteleskop raten."

Und: "Sind Sie an dem Deep-Sky-Bereich interessiert, also Galaxien, Supernova-Überreste et cetera, kann ich ein Spiegelteleskop empfehlen", so Berger. "Damit sammeln Sie viel Licht, das benötigt man für weit entferne Objekte."

Die Anforderung zeigt sich am Aussehen: Ein langes, schmales Teleskop wird einem Astronomen gehören, der die Planeten unseres Sonnensystems beobachten möchte. Ein kurzes, dickes Teleskop kann bessere Ergebnisse für die Deep-Sky-Astronomie liefern, aber leistet als Allrounder auch gute Dienste bei näher gelegenen Objekten.

Wer die Beobachtungen festhalten und fotografieren möchte, muss auch dies berücksichtigen: Viele Teleskope haben Halterungen für Smartphone oder Kamera sowie eine Mechanik, mit der sich die Erddrehung beim Beobachten oder Fotografieren ausgleichen lässt. Dieser Ausgleich wird auch als Nachführung bezeichnet.

Was angehende Astronomen oft unterschätzen, ist der Standort: "In Städten überstrahlt die Beleuchtung den Himmel zu stark, sodass nur wenige helle Objekte am Himmel zu sehen sind", erklärt Janine Fohlmeister von der Astronomischen Gesellschaft. "Darum lohnt es sich, die Stadtgrenzen zu verlassen und dunkle Orte aufzusuchen."

Zum Start reicht ein Fernglas

Entscheidend sei, wie gut sich das Teleskop transportieren, tragen und zusammenbauen lasse, meint Fohlmeister. "Je leichter und einfacher, desto öfter werden Anfänger spontan beobachten, falls sich die Gelegenheit ergibt und der Himmel sternenklar ist."

Der Start in die Astronomie muss nicht teuer sein: Für den Start empfehlen die Experten der VdS, die ersten Schritte mit einem normalen Fernglas zu gehen. Eine sieben- bis zehnfache Vergrößerung reiche, um Details des Mondes oder Planeten wie Saturn, Jupiter oder Venus zu erkennen.

Janine Fohlmeister von der Astronomischen Gesellschaft rät zudem, die Orientierung zu üben: "Wo befinde ich mich relativ zu den vier Himmelsrichtungen? Wo geht die Sonne auf und unter?"

Als nächster Schritt könne dann eine drehbare Sternkarte für zehn bis 15 Euro zum Einsatz kommen. Beliebt seien auch Apps für das Smartphone, so Fohlmeister. "Wenn man sie in bestimmte Richtungen des Himmels ausrichtet, identifizieren sie Sternbilder, Planeten oder andere Himmelskörper und liefern Informationen zu den Objekten."

Der erste Blick durch ein Teleskop muss dabei keineswegs durch das eigene gehen. Auch Sternwarten bieten sich für den Erstkontakt an: "Dort gibt es professionelle Tipps, und man kann viele Fragen direkt stellen", sagt Fohlmeister. Angehende Astronomen könnten dort auch den Umgang mit den Teleskopen lernen.

Dann folge das Star Hopping: Vom ersten Sternbild aus weitere Objekte suchen und entdecken - Orionnebel oder Sternhaufen. Und eben die Ringe des Saturn: "Wenn man den Sternenhimmel auf sich wirken lässt, kann das der Beginn eines wunderschönen Hobbys sein", ist sich Astrid Gallus sicher. dpa

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