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Waldbrände in Portugal: Lage immer schlimmer - 3.000 Einsatzkräfte der Feuerwehr im Einsatz

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Von: Martina Lippl

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Portugal Waldbrände Notstand
Waldbrände wüten in Portugal: Einsatzkräfte der Feuerwehr versuchen die Flammen, wie hier in Casais do Vento in Alvaiazere, unter Kontrolle zu bringen. © PATRICIA DE MELO MOREIRA/afp

Portugal hat das EU-Katastrophenschutzverfahren aktiviert. Waldbrände wüten im Norden und in der Mitte des Landes. Tausende Einsatzkräfte kämpfen gegen die Flammen.

Lissabon – Hitze und Trockenheit sind in Portugal extrem. Ein kleinster Funke genügt, um einen verheerenden Waldbrand auszulösen. In den letzten 42 Jahren sei das Land noch nie einem so hohen Waldbrandrisiko ausgesetzt gewesen, warnen Experten.

Klimatologe Carlos da Camara forderte die Bevölkerung in der portugiesischen Zeitung JN auf, in den kommenden Tagen nichts zu benutzen, was einen Funken verursachen könnte.

Portugal hat am Samstag die Notfall-Lage vom 11. bis zum 14. Juli 2022 ausgerufen. Der Zivilschutz kann nun alle dem Land zur Verfügung stehenden Mittel zur Bekämpfung der Waldbrände mobilisieren. Es gilt eine erhöhte Alarmbereitschaft. Zudem hat das Land das EU-Katastrophenschutzverfahren aktiviert. Zwei Canadair-Feuerlöschflugzeuge aus Spanien unterstützen jetzt die Feuerwehrkräfte in Portugal.

Portugal: Mehr als 250 Waldbrände gemeldet

Flammen lodern bereits im ganzen Land. Rund 2.800 Feuerwehrleute sind im Zentrum und im Norden Portugals im Einsatz. Manche Brände sind bereits seit Donnerstag aktiv. Rund 40 Feuerwehrleute und Zivilisten erlitten Verletzungen, die meisten Betroffenen konnten aber vor Ort behandelt werden. Sie litten unter Vergiftungserscheinungen oder Erschöpfung, wie der nationale Kommandeur des Zivilschutzes, André Fernandes, am Sonntagabend mitteilte.

Am Freitag und Samstag wurde der Ausbruch von fast 250 Waldbränden gemeldet. Der größte Brand loderte seit Donnerstag in der Region Ourém nördlich von Lissabon im Landesinneren. Allein dort waren fast 700 Feuerwehrleute im Einsatz. Mindestens 1500 Hektar Vegetation und zwei Häuser wurden ersten Schätzungen zufolge durch die Flammen zerstört. Mehr als 700 Soldaten wurden in das Gebiet geschickt.

Etwas weiter nördlich loderte seit Freitag ein weiteres Feuer, das in der Gemeinde Pombal ausbrach, die an der Grenze der Bezirke Leiria und Santarém liegt. Dort kämpften 450 Feuerwehrkräfte gegen die Flammen an.

Waldbrände in Portugal: „Wir stehen vor einer fast beispiellosen meteorologischen Situation“

Portugals Regierungschef António Costa sagte eine Reise nach Mosambik ab. Seine Regierung beantragte die Aktivierung des EU-Zivilschutzmechanismus. Die portugiesischen Einsatzkräfte können dann auf zwei in Spanien stationierte Löschflugzeuge zurückgreifen.

„Wir stehen vor einer fast beispiellosen meteorologischen Situation“, sagte Fernandes am Samstag. Im Mai litten 97 Prozent des Landes unter einer schweren Dürre. Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und extremeren und häufigeren Wetterereignissen wie Hitzewellen und Waldbränden.

Portugal leidet unter trockenstem Klima seit 1.200 Jahren

Portugal und Spanien leidet unter einer beispiellosen Dürre. Das Klima auf der iberischen Halbinsel sei seit mehr als 1.200 Jahren das trockenste, wie aktuelle Untersuchungen, veröffentlicht im Fachmagazin Natur Geoscience, zeigen. Der meiste Regen falle auf der iberischen Halbinsel im Winter, wenn feuchte Tiefdruckgebiete vom Atlantik hereinströmen, schreibt das US-Forscherteam. Doch ein sogenanntes Azorenhoch kann diese Wetterlage blockieren. Und große Azorenhochs treten nach Auswertungen von Wetterdaten und Computermodellen den Wissenschaftlern zufolge in den letzten 100 Jahren häufiger auf. Die Ausdehnung des Azorenhochs im Industriezeitalter sei verursacht durch die Kohlenstoffemissionen der Menschheit.

„Was wir hier mit der Ausdehnung des Azorenhochs sehen, sind schlechte Nachrichten für die Winterniederschläge auf der Iberischen Halbinsel. Das hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Landwirtschaft und andere Sektoren, die von Wasserressourcen abhängig sind“, sagt Co-Autorin Dr. Caroline Ummenhofer von der Woods Hole Oceanographic Institution.

In Kroatien löste ein Großbrand in der Nähe von Pula Panik in der Bevölkerung aus. Die Feuerwehr brachte die Flammen in vier Stunden wieder unter Kontrolle. (ml mit Material der afp)

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