PERSPEKTIVE

Was hier genau zu sehen ist? Nun, ein junges Paar steht im Regen an den Stelen des Holocaust-Mahnmals in Berlin. Was fällt einem ein, wenn man die Stimmung beschreiben möchte? Tristesse, Novembertag, Trauer, Schmerz, Wehmut, Melancholie. Und wenn man weiß, für was die Stelen stehen? Nie wieder! Grauen, Völkermord, Shoah, Anne Frank. Sechs Millionen Namen könnte man hier hinschreiben. Nie wieder (!), das war lange Zeit ein Versprechen. Nie wieder sollte so etwas in Deutschland geschehen. Nie wieder wollten wir das zulassen. Nach Halle kann man nicht einfach achselzuckend sagen: Es ist passiert. Nein, es ist nicht einfach so passiert. Wir haben es zugelassen. Wir haben es nicht verhindert. Wir haben zu lange weggeschaut. Wir haben den Rechten zu viel Raum gegeben. Wir haben uns die Welt zu lange schöngeredet. Wir haben Schlimmes verharmlost, nicht Nein gesagt, wenn Judenwitze erzählt wurden. Nicht eingegriffen, wenn Juden attackiert wurden. Die Gesellschaft hat versagt! Der Staat hat versagt! Die Politik hat versagt! Ein Unfall der Geschichte? Nein, ein leichtes Spiel für Nazis. (bb/Foto: dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare