Pelle und der Adventskalender

  • Burkhard Bräuning
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"Advent, das ist Vorfreude, Erwartung, Hoffnung und Sehnsucht - wenn man sich dem Gefühl hingeben kann oder mag. Ich will, und ich lasse dazu einen Experten zu Wort kommen, einen, der diese Zeit und sein damit verbundenes Glück still genießt. Die Rede ist von Pelle, dem kleinen, blonden Jungen aus den Astrid-Lindgren-Geschichten über die Ferieninsel Saltkrokan. Wie ich jetzt darauf komme? In einem etwas anderen, ganz wunderbaren Adventskalender wird auch von Pelle erzählt, davon, wie er die Tage im Dezember erlebt, wie er die Spuren der Vögel im tiefen Schnee verfolgt. Man kann lesen, wie er sich über das knisternde Feuer im Ofen freut - ganz besonders nach einem langen Tag draußen in der eisigen Kälte.

Pelle ist nicht ganz unkompliziert, aber seine Seele ist so weiß wie Schnee, und er ist dankbar für die kleinen Dinge des Lebens. Pelle fordert nichts, und er erwartet - verglichen mit heutigen Maßstäben - nicht viel von Weihnachten. Er möchte keine großen Geschenke. Sein Wunschzettel, wenn er denn einen hätte, wäre winzig klein. Pelle braucht kein Festessen, ihm schmecken Semmeln mit Milch. Pelle will keine Playstation, kein Handy, keinen Fernsehapparat und auch keine Digitalkamera. Pelle möchte nur Dinge, die kein Geld kosten: Geborgenheit in der Familie, dass alle zusammen sind, wenn die Adventskerzen brennen, dass alle gesund sind, einfach alles so ist wie immer im Advent und später dann auch am Heiligen Abend. Pelle, das weiß man, ist ein Junge aus dem vorigen Jahrhundert. Er passt deshalb vielleicht nicht mehr ganz in die heutige Zeit. Und Pelle ist keine reale Figur. Aber er ist trotzdem sehr authentisch. Man kann ihn förmlich sitzen sehen am Küchentisch der Familie, versunken in seine ruhige, friedliche Welt. Man kann ihn hören, wie er mit sanfter Stimme seiner Schwester liebevoll das Leben erklärt. Pelle, das haben wir entschieden, soll unser Begleiter durch die Adventszeit sein. Er soll uns helfen, das Tempo zu drosseln, einen Gang herunterzuschalten. Und wenn Sie, lieber Leser, sich auf das gleiche Abenteuer einlassen wollen, dann nehmen Sie ihn doch auch an die Hand."

Im Jahr 2006 stand dieser Text in dieser Zeitung. Er war Teil eines Wochenrückblicks, der eigentlich ein Ausblick auf den Advent war. Der Kalender, in dem der Autor einen kleinen Text über Pelle gelesen hatte, heißt "Der andere Advent". Damals gab es ihn schon ein paar Jahre. Und es gibt ihn immer noch. In diesem Jahr hat der Verlag Andere Zeiten die 25. Ausgabe vorgelegt. Und wer den Kalender (fast) 25 Jahre kennt, wer ihn gelesen, wer sich die vielen Fotos und Illustrationen in Ruhe angeschaut hat, der wird ihn immer wieder kaufen. Er kostet weniger als zehn Euro, aber er ist kostbar. Gäbe es den Kalender nicht, hätte ich vielleicht nie Mascha Kaléko kennengelernt - und dann wäre mein Leben ein Stückchen ärmer. In dem neuen Kalender ist sie wieder dabei.

Seit 2006 ist viel Zeit vergangen. Freunde, die den Kalender auch gelesen haben, sind gestorben. Das Gute hat noch nicht gewonnen, die Welt dreht sich immer schneller und sie ist in Gefahr. Mein Rücken schmerzt, die Haare sind grau und licht geworden, aber Pelle wohnt immer noch in meinem Herzen.

Der neue Kalender liegt vor mir auf dem Schreibtisch. Ich blättere vor und zurück, sehe einen Sternenhimmel, einen Teller mit Suppe, eine Schneelandschaft und ein junges Paar, das tanzt. Ich lese kleine Texte über kleine Geheimnisse, einen Beitrag von Herbert Grönemeyer über Freunde und ganz viel mehr.

Aber spoilern möchte ich hier nicht, möchte keine Geheimnisse verraten. Denn was noch verborgen ist, muss auch verborgen bleiben. Sonst ist es kein richtiger Adventskalender. Tag für Tag bringt er Licht in eine dunkle Zeit. Er kann trösten, Mut machen, kann uns auch zum Lachen bringen.

Wenn Pelle kein kleiner Junge mehr wäre, sondern ein Mann im besten Alter, würde er diesen Kalender mögen. Denn seine Seele ist weiß wie Schnee - und er ist dankbar für die kleinen Dinge des Lebens.

Der Kalender kostet 8,50 Euro plus Versand, ist im Buchhandel erhältlich - und direkt beim Verlag Andere Zeiten. Im vergangenen Jahr wurden 650 000 Kalender in die ganze Welt verschickt. Burkhard Bräuning

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