Das Feuer in der Pariser Kathedrale von Notre-Dame hinterließ große Schäden. Der Wiederaufbau geht nicht so schnell, wie sich viele das noch vor einem halben Jahr gedacht hatten. (Foto; dpa)
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Das Feuer in der Pariser Kathedrale von Notre-Dame hinterließ große Schäden. Der Wiederaufbau geht nicht so schnell, wie sich viele das noch vor einem halben Jahr gedacht hatten. (Foto; dpa)

Noch ist Notre-Dame nicht gerettet

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Nach der Brandkatastrophe von Notre-Dame wollte Frankreich Stärke zeigen. Präsident Emmanuel Macron versprach einen schnellen Wiederaufbau. Doch so einfach ist das alles nicht.

Mitten in Paris liegt wohl eine der berühmtesten Baustellen der Welt. Hinter den Absperrungen und Zäunen wird in Notre-Dame fleißig gearbeitet. Als die Kathedrale am 15. April in Flammen aufging, war die größte Sorge: Stürzt sie ein - ist sie für immer verloren? Das wurde erst mal verhindert.

Schon bald gab es große Versprechungen: Wiederaufbau in fünf Jahren. Es wurde über ein begrüntes Dach oder einen neuen Turm aus Laserstrahlen philosophiert. Ein halbes Jahr später könnten solche Gedanken kaum ferner sein. Denn an Wiederaufbau und moderne Spielereien ist derzeit gar nicht zu denken - das Gebäude ist immer noch einsturzgefährdet. "Erst mal musste man das Wichtigste tun - löschen", sagt Barbara Schock-Werner. Die frühere Kölner Dombaumeisterin ist die Koordinatorin für die deutsche Hilfe beim Wiederaufbau von Notre-Dame. "Und dann kamen nach und nach die Probleme." Eines der größten Probleme ist momentan das Blei. In der Dachkonstruktion und der Turmabdeckung der Kathedrale war das Material tonnenweise verbaut. Es war im Feuer geschmolzen und verschmutzte die Umgebung. Im Sommer mussten die Arbeiten sogar unterbrochen werden, weil die Sicherheitsvorschriften für Bauarbeiter nicht eingehalten worden waren. Verbände kritisierten, dass rund um Notre-Dame Wohnhäuser, Schulen und öffentliche Plätze verschmutzt seien. Die Stadt veranlasste aufwendige Reinigungsaktionen, es gab riesige Absperrungen und unzählige Messungen. Das Blei wurde zum Politikum.

Doch nicht nur im Außenbereich von Notre-Dame ist die Verschmutzung ein riesiges Problem. Am Anfang habe man sich wahnsinnig gefreut, dass die große Orgel das Feuer unbeschadet überstanden habe, sagt Schock-Werner. Doch jetzt habe man festgestellt, dass die Orgelpfeifen voller Blei sind. "Wenn man auf der Orgel spielt, wird das ganze Blei in den Innenraum geblasen." Wohl oder übel müsse man nun die ganze Orgel auseinandernehmen und reinigen.

Um die Bleibelastung im Inneren der Kathedrale zu mindern, wird regelmäßig mit großen Staubsaugern gesaugt. Was sich mittlerweile ebenfalls als problematisch herausstellt: Das Feuer wurde auch mit Wasser aus der Seine gelöscht. Und das war nicht so ganz sauber. Nun sei das Mauerwerk verschmutzt, sagt Schock-Werner. Außerdem sei das ganze Gebäude immer noch klitschnass. Bis es richtig getrocknet ist, könnten Jahre ins Land gehen.

Fakt ist: Im Moment sind die Sicherungsarbeiten noch im vollen Gange. "Was ich höre, kommen da immer noch Steine runter", sagt die Expertin. Zum jetzigen Zeitpunkt könne man keine Prognose über Bauzeit und Kosten abgeben. Und die Expertin mahnt: Bisher sei das Wetter in Paris ganz gut gewesen. Doch was passiere, wenn jetzt große Herbststürme bevorstehen? "Ich würde nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass beim nächsten großen Unwetter nicht die Gewölbe einstürzen", sagt Schock-Werner. Ihr Fazit: "Vor nächstem Sommer oder Herbst ist an Wiederaufbau nicht zu denken."

Auch das Erzbistum bestätigt, dass man sich derzeit noch in der Sicherungsphase befinde. Das werde wohl bis nächsten Sommer dauern, sagt Generalvikar Benoist de Sinety. Er hält es für möglich, dass Notre-Dame in den nächsten fünf Jahren wieder für Besucher öffnen kann. Ob die Arbeiten bis dahin allerdings abgeschlossen sein werden? Das vermag auch er nicht zu beantworten - es seien zwei völlig unterschiedliche Dinge. "Es ist ohne Zweifel kompliziert." (Foto: dpa)

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