Laut einer US-Studie ist auch bei Patienten, die einen leichten Corona-Verlauf durchgemacht haben, in den Monaten nach der Genesung ein erhöhter medizinischer Bedarf durch Atemwegserkrankungen und andere Beschwerden festzustellen. (Symbolfoto)
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Laut einer US-Studie ist auch bei Patienten, die einen leichten Corona-Verlauf durchgemacht haben, in den Monaten nach der Genesung ein erhöhter medizinischer Bedarf durch Atemwegserkrankungen und andere Beschwerden festzustellen. (Symbolfoto)

Covid-19-Forschung

Trotz leichtem Corona-Verlauf: Mehr Erkrankungen und Todesfälle laut US-Studie

  • Lena Karber
    VonLena Karber
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Bei vielen viralen Infektionen kann es nach überstandener Krankheit weiter zu Symptomen kommen. Doch die Schwere und Bandbreite der Folgen von „Long Covid“ sticht laut einer US-Studie heraus.

Die Spät- und Langzeitfolgen von Corona sind aktuell in aller Munde. Auch Monate nach der überstandenen Ansteckung leiden ehemals Infizierte zum Teil noch unter Residualsymptomen – also Symptomen, die weiterbestehen, obwohl die eigentliche Krankheit bereits vorbei ist. Darauf, dass dies nicht nur für Personen gilt, die einen schweren Krankheitsverlauf durchgemacht haben, weist nun auch eine Studie aus den USA hin, bei der die Gesundheitsdaten von US-Veteranen ausgewertet wurden. Dabei wurde sogar bei leichten Verläufen ein erhöhtes Sterberisiko festgestellt.

Studie aus den USA: Vermehrter medizinischer Betreuungsbedarf nach Corona-Infektion

Im Rahmen der Untersuchung wurden die Daten von über 73.000 US-Veteranen analysiert, die zuvor leicht an Covid-19 erkrankt waren und nicht im Krankenhaus behandelt worden waren. Die Wissenschaftler verglichen ihre diese mit Daten von Veteranen, die nicht mit Sars-CoV-2 infiziert gewesen waren. „Die Ergebnisse zeigen, dass COVID-19-Überlebende über die akute Krankheit hinaus eine erhebliche Belastung durch Gesundheitsverluste erfahren, die sich über Lungen- und mehrere extrapulmonale Organsysteme erstreckt“, heißt es in dem Abstrakt zu der Studie. Zu den Krankheiten und Symptomen, unter den die ehemals Infizierten in den sechs Monaten nach ihrer Covid-19-Erkrankung litten, gehörten demnach etwa:

  • Erkrankungen der Atemwege
  • Störungen des Nervensystems und der neurokognitiven Erkrankungen
  • Psychische Störungen
  • Stoffwechselstörungen
  • Herz-Kreislauf-Störungen
  • Magen-Darm-Störungen
  • Unwohlsein
  • Müdigkeit
  • Schmerzen des Bewegungsapparates
  • Anämie

Neben dem vermehrten medizinischen Betreuungsbedarfs wurde zudem auch ein erhöhtes Sterberisiko festgestellt. Auf 1000 Veteranen kamen in der Gruppe der Covid-19-Patienten demnach laut „Ärzteblatt“ innerhalb eines halben Jahres zwischen 7,09 und 9,58 zusätzliche Todesfälle. Dies betraf wohlgemerkt Veteranen mit einem leichten Covid-Verlauf. „Bei den Patienten, die wegen Covid-19 hospitalisiert wurden, sind die Auswirkungen noch stärker“, heißt es in der Studie.

Residualsymptome: Long Covid schwerwiegender als Folgen einer Influenza-Infektion

Inwiefern sich die Spät- und Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung, die als Long Covid bezeichnet werden, von den Folgen anderer viraler Effekte unterscheiden, wird viel diskutiert. Denn Residualsymptome sind auch nach einer Grippe nicht unüblich. Deshalb wurde in der Studie laut den Autoren ein vergleichender Ansatz gewählt, der auch die Folgen der saisonalen Influenza in den Blick nimmt. Das Ergebnis: die Folgen einer schweren Corona-Infektion sind offenbar deutlich schwerwiegender und vielfältiger als die einer schweren Grippe-Erkrankung.

So wurde bei den Covid-19-Patienten im Vergleich zu hospitalisierten Grippe Patienten laut Studie „eine höhere Belastung durch ein breites Spektrum von Lungenerkrankungen“ sowie durch zahlreiche andere Symptome festgestellt. Dies gelte sowohl in Bezug auf das Ausmaß des Risikos als auch in Bezug auf die Bandbreite der betroffenen Organe und unterstreiche „die Notwendigkeit einer ganzheitlichen und integrierten multidisziplinären Langzeitpflege von Covid-19-Überlebenden“, so das Fazit.

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