Milchpulver für Babys verunreinigt

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Dass Mineralöle aus manchen Lebensmittelverpackungen auf Produkte wie Reis oder Haferflocken übergehen können, ist seit Längerem bekannt. Verbraucherschützer legen den Finger in die Wunde und haben nun Säuglingsmilch testen lassen. Treffer.

Tausende Eltern in Deutschland verlassen sich darauf, dass das Milchpulver, das sie mehrmals täglich ins Fläschchen füllen, alles liefert, was ihr Baby braucht. Dass es nahrhaft ist und gesund. Testergebnisse von Verbraucherschützern dürften manchen Müttern und Vätern nun Sorgen machen: "Krebsverdächtige Mineralölrückstände in Säuglingsmilch" warnte Foodwatch am Donnerstag. In drei von vier in Deutschland gekauften Produkten seien Rückstände potenziell krebserregender aromatischer Mineralöle (MOAH) gefunden worden, hieß es. Foodwatch forderte einen sofortigen Verkaufsstopp und Rückruf.

Mineralöl? In Milchpulver für Säuglinge? Wo kommt das her? Foodwatch vermutet, dass die Weißblechdosen, in denen die betroffenen Produkte verpackt waren, Quelle der Verunreinigungen sind. Bei der Produktion der Dosen würden sogenannte Walzöle verwendet, erklärte Geschäftsführer Martin Rücker. In den Milchpulverproben wurden MOAH-Werte zwischen 0,5 und drei Milligramm pro Kilo gefunden. Auf der Foodwatch-Web-Seite war am Donnerstag zwar eine Milchpulverdose zu sehen, aus der schwarzes Öl trieft - diese Darstellung dürfte bezüglich des Gehalts aber täuschen.

Die Verbraucherschützer fordern Nulltoleranz beim Gehalt dieser Stoffe in Lebensmitteln, einen gesetzlichen Grenzwert gibt es bisher allerdings nicht. Eine akute Gesundheitsgefahr bestehe nicht, betonte ein Foodwatch-Sprecher. Nach dem Verzehr von belasteter Babymilch könnten Ärzte das auch nicht sofort im Körper nachweisen: "Das ist ja ein Minimaleintrag." Vorsorglich werde Eltern aber empfohlen, auf die betroffenen Produkte zu verzichten.

Nach Foodwatch-Angaben wurden die Rückstände in "Beba Optipro Pre, 800g, von Geburt an" und "Beba Optipro 1, 800g, von Geburt an" von Nestlé nachgewiesen, außerdem in der "Novalac Säuglingsmilchnahrung Pre, 400g". Die hinter Novalac stehende Kölner Firma Vived teilte mit, dass sie die Testergebnisse sehr ernst nehme und mit dem Hersteller entsprechende Untersuchungen eingeleitet habe. "Inwieweit die Vorwürfe nachvollziehbar sind, können wir zurzeit noch nicht beantworten", so Vived. Auch Nestlé teilte am Abend mit, den Bericht sehr ernst zu nehmen. "Wir möchten allen Müttern und Vätern versichern, dass die Babys weiterhin sicher mit unserer Säuglingsnahrung gefüttert werden können." Die Produkte erfüllten alle lebensmittelrechtlichen Vorschriften in Deutschland und der EU, hieß es in der Mitteilung des Unternehmens.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin wertet solche Verunreinigungen generell als unerwünscht. Aber was genau die Aufnahme der Substanzen für Kinder oder gar Säuglinge im Unterschied zu Erwachsenen bedeutet, bleibt unklar. Dazu seien dem Institut keine Studien bekannt, hieß es. Die MOAH-Aufnahme solle wegen möglicher gesundheitsschädigender Folgen minimiert werden und "so gering wie möglich sein", so das BfR. "Dies gilt vor allem für Säuglingsnahrung, da es sich bei Säuglingen um eine besonders schützenswerte Bevölkerungsgruppe handelt." Hinzu komme, dass Säuglinge teils ausschließlich mit Säuglingsmilch gefüttert würden.

Als Ursache von eventuellen Verunreinigungen bei Lebensmitteln standen bisher vor allem recycelte Kartons im Fokus: Für deren Herstellung wird bedrucktes Altpapier verwendet, und die Druckfarben können Mineralöle enthalten. Das BfR nimmt an, dass besonders bei trockenen Lebensmitteln mit großer Oberfläche ein Übergang aus der Packung zu erwarten ist. Laut BfR liegen die nun gefundenen Gehalte im Milchpulver "im Bereich anderer mineralölbelasteter Produkte, wie Nudeln, Frühstückscerealien oder Backwaren".

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