Ein selbstgebautes „Coronavirus“ hängt über einer Einkaufsstraße: Auch bei der Medikamenten-Forschung ist Einfallsreichtum gefragt. (Symbolbild)
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Ein selbstgebautes „Coronavirus“ hängt über einer Einkaufsstraße: Auch bei der Medikamenten-Forschung ist Einfallsreichtum gefragt. (Symbolbild)

Forschung

Corona-Medikamente: Mehrere Kandidaten machen Hoffnung im Kampf gegen Covid-19

  • Sebastian Richter
    VonSebastian Richter
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Auf der ganzen Welt wird nach Medikamenten geforscht, mit dem Patienten nach einer Corona-Infektion behandelt werden können. Ein paar Kandidaten zeigen gute Ergebnisse.

Die Impfkampagne gegen Corona in Deutschland läuft – wenn auch schleppend. Impfstoffe sind aber nicht die einzigen Mittel gegen Viren. Bei HIV gibt es Medikamente, durch die sich die Vermehrung der Viren im Körper unterdrücken lässt und die so das Auftreten von AIDS verhindern können. Gegen chronische Hepatitis C haben Patienten inzwischen eine Heilungschance von 95%. Warum also nicht auch bei Corona?

Forscher suchen seit Beginn der Pandemie nach möglichen Medikamenten gegen Corona. In Tests in Laboren haben sich dabei immer wieder Kandidaten herauskristallisiert, die als vielversprechende Medikamente gegen Corona galten. Die Anfangszeit der Forschung war geprägt von Rückschlägen: Beispielsweise stellten sich Chloroquin und Hydroxychloroquin – zugelassene Medikamente gegen Malaria – in klinischen Studien als Fehlschlag heraus. Ebenso konnte das Ebola-Medikament Remdesivir, das per Notverordnung eine Zulassung bekam, nicht überzeugen. Nur in wenigen Fällen empfiehlt das Robert-Koch-Institut (RKI) einen Einsatz des Medikaments.

Corona-Medikament: 3000 Wirkstoffe getestet

Bisher kamen also hauptsächlich etablierte Medikamente gegen Corona zum Einsatz. Die Wirkung der Medikamente gegen SARS-CoV-2 wurde zumeist an Verozellen getestet, welche zuvor infiziert wurden. Wenn die Mittel die Zerstörung der infizierten Zellen verhindern konnten, galten sie als vielversprechend. Doch fast keines der Mittel konnte in klinischen Studien überzeugen. Nur eines brachte einigermaßen zuverlässige Ergebnisse, und das hat mehrere Nachteile: Remdesivir ist teuer und kann nur eingesetzt werden, wenn die Krankheit früh entdeckt wird – und der Patient nicht beatmet werden muss.

Die US-Forscherin Sara Cherry von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia glaubt, diese Verozellen seien nur bedingt für die Suche nach einem Corona-Medikament geeignet. Deswegen verwendet sie mittlerweile Calu-3-Zellen, die bei der Forschung gegen Lungenkrebs eingesetzt werden. Über 3000 Mittel hat sie getestet.

Vielversprechende Kandidaten für Corona-Medikament sind zugelassen

Neun Medikamente konnten die Vermehrung der Corona-Viren in den Zellen verhindern. Drei davon sind in den USA bei Menschen zugelassen. „Unsere Entdeckungen hier zeigen neue Wege für therapeutische Maßnahmen gegen COVID-19 auf und unterstreichen auch die Wichtigkeit, Medikamentenkandidaten in Atemwegszellen zu testen“, so Cherry in einer Pressemitteilung der Universität von Pennsylvania.

WirkstoffBisheriger Einsatz
SalinomycinAntibiotikum aus der Veterinärmedizin
DacominitinibKinase-Hemmer zur Behandlung von Lungenkrebs
BemcentinibKinase-Hemmer, aktuell getestet für Einsatz gegen Krebs
EbastinAntihistaminikum zur Behandlung allergischer Rhinitis und Urtikaria
CiclosporinImmunsuppressivum nach Organtransplantationen

Besonders Ciclosporin gilt als vielversprechender Kandidat. Es hemmt zum einen die Vermehrung der Coronaviren, hat darüber hinaus noch eine antientzündliche Wirkung, die helfen kann, einer Überreaktion des Immunsystems entgegenzuwirken. „Der Einsatz von Ciclosporin bei hospitalisierten COVID-19-Patienten könnte von großem Nutzen sein“, betont Cherry. Ihre Hypothese wird aktuell in klinischen Studien getestet. Da das Mittel bereits zugelassen ist, werden vorher keine tierexpermientellen Tests benötigt. Eine Studie mit 20 Corona-Patienten wurde begonnen, Ergebnisse werden Ende des Jahres erwartet.

Corona-Medikament: Auch in Deutschland wird geforscht – und erste Ergebnisse festgestellt

In Hamburg wird auch an einem möglichen Medikament gegen Corona geforscht. Allerdings verwenden die Forscher des Deutsches Elektronen-Synchrotron (DESY) ein anderes Verfahren. Mittels eines sogenannten Röntgenscreenings wurden 7000 zugelassene Wirkstoffe untersucht und die dreidimensionale Struktur der Wirkstoffe ermittelt. So lässt sich vorhersagen, welche Mittel sich mit Enzymen des Virus verbinden – und diese dadurch hemmen könnten. Tests sind dabei nicht notwendig, das ganze Verfahren funktioniert automatisiert. 37 Mittel wurden als aussichtsreich klassifiziert.

Anschließend hat das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) die Wirkstoffe untersucht und harausgefunden, dass fünf davon die Vermehrung der Coronaviren in Zellkulturen unterbinden konnten. Zwei davon, Calpeptin und Pelitinib, waren so vielversprechend, dass sie zurzeit in präklinischen Studien weiter analysiert werden. Bis die Mittel im Kampf gegen Corona eingesetzt werden können, kann es also noch einige Zeit dauern.

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