Wenn die höheren Preise der Umwelt dienten, wären rund 70 Prozent der Bürger bereit, 50 Euro mehr für das Flugticket nach Mallorca zu bezahlen, glaubt Zukunftsforscher Horx. Foto: dpa
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Wenn die höheren Preise der Umwelt dienten, wären rund 70 Prozent der Bürger bereit, 50 Euro mehr für das Flugticket nach Mallorca zu bezahlen, glaubt Zukunftsforscher Horx. Foto: dpa

Macron als Vorbild

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Normalerweise wird Matthias Horx in ganz Deutschland zitiert, wenn er kurz vor Silvester ins nächste Jahr blickt und neue Trends ausruft. Da es diesmal aber gleich in ein neues Jahrzehnt geht, kommt der Zukunftsreport für 2020 schon jetzt.

Horx berät Regierungen und Wirtschaftsunternehmen, deshalb ist er nicht nur Analytiker und Beobachter, sondern auch Meinungsmacher oder Influencer, wie es neudeutsch heißt.

Im Mittelpunkt seines neuen Reports steht folgende These: Horx, der sich selbst als "grünen Philosophen" bezeichnet, glaubt, dass wir mit der reinen grünen Verbotsökologie höchstens begrenzt Wirkung erzielen. Deshalb ruft er, wenn er die Linie bis 2050 zieht, "die blaue Revolution" aus, die einen nahezu schadstofffreien Wirtschaftskreislauf bringen könne.

Aber Horx sieht, anders als etwa die FDP, auch kurzfristig manche Fortschrittsmöglichkeiten durch staatliche Lenkung. So glaubt er, dass rund 70 Prozent der Bürger bereit wären, 50 Euro mehr für das Flugticket nach Mallorca zu bezahlen, wenn die höheren Preise der Umwelt dienten. "Der Umweltgedanke wird nicht mehr aus den Köpfen verschwinden", ist sich Horx sicher.

Aber noch besser sei es eben, langfristig auf einen komplett rückstandsfreien Kreislauf zu setzen. Dazu gebe es schon unzählige Ansätze, er selbst trage beispielsweise voll recyclingfähige Jeans. Auch könne man schon Nahrung quasi aus der Atmosphäre herstellen. In Paris werde im kommenden Jahr ein riesiger urbaner Garten eröffnet. Überhaupt die Städte: Bei der ökologischen Wende kommt laut Horx den "glokal" handelnden Bürgermeistern eine immer wichtigere Rolle zu. Also jenen, die global denken, aber lokal handeln. Sie sähen die Probleme vor Ort und unterliefen etwa in Polen und den USA in produktiver Weise die populistische Anti-Klima-Politik ihrer Regierung.

Überhaupt die Populisten: Horx nimmt sie ernst, sieht sie allerdings langfristig auf der Verliererstraße. Sie könnten den Trend zur ökologisch vernetzten Weltwirtschaft nicht aufhalten. Der populistische Aufschrei sei ein Rückzugsgefecht, "ein Zeichen dafür, dass es ernst wird".

Aber es unterscheidet ihn von einem "reinen Utopisten" (Horx) wie Bestsellerautor Jeremy Rifkin ("Green Deal"), dass er Widerstände realisiert. Aber er bleibt dabei nicht stehen. "Wenn man nur Probleme sieht, findet man keine Lösung". Auf These und Antithese folgt bei Horx die Synthese. Man merkt, dass er als 1968er seinen Hegel gelesen hat.

Um all das ökologisch Wichtige voranzubringen, müsse freilich die Polarisierung aufgebrochen werden, die etwa in den USA oder Großbritannien die Politik fast komplett lähme. Horx sieht im schwarz-grünen Trend in Österreich und Deutschland durchaus eine gute Möglichkeit, die Lagerbildung zugunsten einer "dynamischen ökologischen Mitte" aufzubrechen. Ein Vorbild sei der französische Präsident Emmanuel Macron.

Wenn die SPD diesen Trend verschlafe und sich in ihr Lager eingrabe, wofür es Anzeichen gebe, habe sie sicher keine große Zukunft zu erwarten.

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