Nach der schweren Überschwemmung in Venedig lässt sich auch Italiens Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi (M.) in den zurückgehenden Fluten blicken.
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Nach der schweren Überschwemmung in Venedig lässt sich auch Italiens Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi (M.) in den zurückgehenden Fluten blicken.

"Leere Versprechungen"

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Venedig (dpa). Nach dem verheerenden Hochwasser in Venedig ist ein Streit über den mangelnden Flutschutz der UNESCO-Welterbestadt entbrannt. Ein Milliarden-Projekt zum Hochwasserschutz sollte eigentlich schon längst fertig sein - doch Skandale und schleppende Bürokratie verzögerten den Bau immer weiter. Viele Urlauber hätten nun ihre Reisen storniert, sagte Laura Ferretto vom Hotelverband Federalberghi Veneto am Donnerstag. "Es gab so viele Versprechen und nichts wurde getan", sagte sie mit Bezug auf den Flutschutz.

Das Projekt "MOSE" - kurz für Modulo Sperimentale Elettromeccanico - sollte eigentlich 2014 in Betrieb gehen. Dabei sollen riesige, ausfahrbare Barrieren an drei Eingängen in die Lagune das Hochwasser abhalten. Vor mehr als 15 Jahren begannen die Arbeiten, die knapp sechs Milliarden Euro kosten. Ein Korruptionsskandal verzögerte den umstrittene Bau allerdings und es gibt Kritik, dass ein Eingriff in das sensible Ökosystem der Lagune mehr schade als nutze.

Nach den katastrophalen Bildern der Zerstörung beeilten sich Politiker zu versichern, dass das Projekt im kommenden Jahr fertig werde. Ministerpräsident Giuseppe Conte versprach seine Unterstützung. Doch die Skepsis ist groß. "MOSE" trägt bereits den Namen "die große Unvollendete" - eine Art venezianischer BER (der Berliner Pannen-Flughafen) also.

Der Wasserstand war getrieben durch heftigen Wind in der Nacht zu Mittwoch auf 187 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel gestiegen - das war der höchste Wert seit einer verheerenden Flut im Jahr 1966. Am Donnerstag entspannte sich die Lage etwas, doch neue Unwetter sollten heranziehen. Wissenschaftler führen die zunehmenden Fluten in Venedig auf den Klimawandel zurück, der den Meeresspiegel steigen lässt. Viele halten auch die großen Kreuzfahrtschiffe für eine Gefahr, da der Boden der Stadt dadurch absinkt. Viele Venezianer werfen Politikern vor, die Stadt an Tourismusunternehmen verkauft zu haben und sich nicht wirklich um den Schutz zu kümmern.

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