Lebenslang für Mord an Tramperin

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Für den Mord an der Studentin Sophia muss ein marokkanischer Fernfahrer lebenslang hinter Gitter. Für ein tagelanges Martyrium und eine vorangegangene sexuelle Straftat sieht das Landgericht Bayreuth aber keine Beweise. Die Familie muss nun mit dem Verlust leben.

In seinen letzten Worten betont der Vorsitzende Richter noch einmal, wie präsent Sophia in dem Prozess gewesen sei. Familie und Freundeskreis hätten zwei Monate lang aufmerksam jeden Verhandlungstag verfolgt. In den Akten gebe es unzählige Bilder von ihr, aber kein einziges, auf dem Sophia nicht fröhlich gewesen sei und nicht gelacht habe. In krassem Gegensatz dazu stünden die harten Fotos der toten Sophia, deren Leiche der Fernfahrer aus Marokko in einem Straßengraben in Nordspanien abgelegt hatte. Das Landgericht Bayreuth verurteilt ihn am Mittwoch zu lebenslanger Haft.

"Diese Tat wird Sie möglicherweise Ihr Leben lang verfolgen, den Schmerz und den Verlust, den Sie den Angehörigen und Freunden Sophias bereitet haben, werden Sie nicht wieder gutmachen können", sagt der Vorsitzende Richter Bernhard Heim. "Sophia musste Ihre Tat mit dem Leben bezahlen, aber Sie müssen dafür nicht mit Ihrem Leben bezahlen." In dem am Mittwoch zu Ende gegangenen Prozess hatte der 42-jährige Angeklagte mehrfach angeboten, ihn zum Tode zu verurteilen - wohl auch, um seiner Beteuerung Nachdruck zu verleihen, dass es vor der Tötung der 28-jährigen Studentin keine sexuellen Straftaten gegeben habe.

Für solche hatten sich im Verfahren keine Beweise ergeben, weshalb auch die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer von einer Verurteilung wegen Sexualdelikten abgerückt war. An der teilweise verkohlten Leiche Sophias fanden sich keine Spermaspuren des Fernfahrers, auch nicht im Führerhaus. Den 40-Tonner entdeckte die spanische Polizei ausgebrannt an einer Landstraße im Süden Spaniens. Ob der Verurteilte ihn angezündet hat oder sich das Fahrzeug am erhitzten Motor selbst entzündete, konnten auch Gutachten nicht vollends klären.

Fahrt minutiös nachzuverfolgen

Jedoch befand sich der Mann nach Auffassung des Gerichts in einer "sexuellen Grundstimmung", als Sophia ihn am 14. Juni 2018 am Rastplatz Schkeuditzer Kreuz an der A9 bei Leipzig fragte, ob sie mit ihm bis in die Nähe von Amberg fahren könne. Dort wollte Sophia am nächsten Tag mit der Familie den Geburtstag des Vaters feiern.

Kurz vor dem Aufeinandertreffen mit der Tramperin hatte der Fernfahrer auf einem als Sextreff geltenden Rastplatz mit dem Smartphone Bilder von Frauen gemacht, sich wenig später im Führerhaus selbst befriedigt und davon Bilder auf eine Online-Plattform hochgeladen, so das Gericht. Dank der zahlreichen Videoaufnahmen an Tankstellen und Rastplätzen hätten die Ermittler die Fahrt Sophias mit dem Trucker minutiös nachverfolgen können. Das letzte Bild der lebenden Tramperin habe eine Kamera an der Autobahnraststätte Berg in Oberfranken aufgezeichnet, wo die beiden eine Pause einlegten.

Dem Gericht zufolge herrscht bis dahin zwischen beiden eine ausgelassene Stimmung. "Daher war bei Ihnen der Gedanke nicht abwegig ›ich probier mal, ob was geht‹", erklärt der Richter den "sexuell motivierten" Annäherungsversuch des vierfachen Vaters. Die Zudringlichkeiten des Truckers habe Sophia deutlich zurückgewiesen. Dies habe den Familienvater so "massiv gekränkt", dass sich ein Streit entwickelt habe, in dem ihm Sophia möglicherweise mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen habe.

Der Schlag habe bei dem Mann "die Sicherung rausgehauen", so der Richter. Mit dem griffbereit unterhalb des Fahrersitzes verstauten Radmutternschlüssel habe er dann Sophia viermal gegen den Kopf geschlagen. Diese Tat sei noch nicht tödlich gewesen und möglicherweise in verminderter Schuldfähigkeit geschehen, weil der leicht reizbare und zu Aggressionen neigende Angeklagte im Affekt gehandelt habe, so der Richter. Etwa 20 Minuten habe er dann überlegt, ob er Rettung holen solle, sich dann aber entschieden, Sophia mit weiteren Schlägen mit dem Eisenwerkzeug endgültig zu erschlagen.

Wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt ihn das Landgericht zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Von einer besonderen Schwere der Schuld sieht das Gericht ab. Für ein tagelanges Martyrium und ein "Sterben auf Raten" sah das Gericht keine Beweise.

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