Ein Mann hält seinen Kopf fest, das Foto ist verschwommen.
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Nach einer Corona-Impfung können Schwindelgefühle auftreten. Nur in seltenen Fällen ist der Schwindel aber Symptom einer starken allergischen Reaktion. (Symbolbild)

Corona-Impfung

Schwindelgefühle nach Corona-Impfung: Was hinter der Impfreaktion steckt

  • VonSebastian Schmidt
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Nach Corona-Impfungen werden dem Paul-Ehrlich-Institut auch Schwindelgefühle gemeldet. Das Institut erfasst die gemeldeten Impfreaktionen und ordnet sie ein.

Jeder Körper reagiert anders auf die Corona-Impfung. Für manche ist der Pieks schon das Unangenehmste, andere haben mit Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Übelkeit zu kämpfen. Aber ist es auch normal, wenn nach der Corona-Impfung ein Schwindelgefühl auftritt? Eine Antwort auf diese Fragen liefert das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel seit Beginn der Impfkampagne die gemeldeten Impfreaktionen sammelt. Die Daten des Instituts belegen: Auch Schwindelanfälle kommen immer wieder vor. Die verschiedenen Impfstoffe von Biontech, Astrazeneca und Moderna haben dabei ähnliche Melderaten.

Das Paul-Ehrlich-Institut führt Schwindelgefühle in der Kategorie „Häufig gemeldete unerwünschte Reaktionen“. Sie machen bei allen drei Impfstoffen jeweils zwischen zwei und vier Prozent der erfassten Impfreaktionen aus, wie aus dem aktuellen Sicherheitsbericht hervorgeht. Am geringsten ist der Anteil bei Astrazeneca, gefolgt von Moderna und Biontech. Zum Vergleich: Bei Astrazeneca sind grippeähnliche Symptome die häufigsten gemeldeten Impfreaktionen (mehr als elf Prozent), bei Moderna sind es Schmerzen an der Einstichstelle (mehr als acht Prozent) und bei Biontech Kopfschmerzen (mehr als acht Prozent).

Corona: Schwindelgefühl ist meist keine schwerwiegende Reaktion

Einfache Schwindelgefühle nach der Corona-Impfung fallen somit nicht in die Kategorie „Schwerwiegende unerwünschte Reaktionen“, zu der alle Fälle zählen, die einen Krankenhausaufenthalt notwendig machen, oder die als „medizinisch bedeutsam“ eingeordnet werden. Am bekanntesten unter diesen extremen Nebenwirkungen ist die seltene Hirnvenenthrombose, die nach der Impfung mit dem Anti-Corona-Vakzin von Astrazeneca auftreten kann. Auch der Sprecher des Gesundheits-Netzes Gießener Hausärzte Witold Rak gibt Entwarnung vor Schwindel. „Das ist wirklich sehr selten“, sagt der Arzt, der selbst eine Impfpraxis betreibt. Rak erinnert, dass es immer auch Menschen gebe, die nach einer Spritze leichte Kreislaufprobleme bekommen.

Schwindel in den Aufklärungsbögen für die Corona-Impfungen nur bei Astrazeneca

Obwohl die dem PEI gemeldeten Impfreaktionen darauf hindeuten, dass Schwindel bei allen drei Impfstoffen ungefähr gleich häufig vorkommt, unterscheiden sich die Aufklärungsbögen für die Corona-Impfstoffe. Sie werden vom Deutschen Grünen Kreuz und dem Robert-Koch-Institut (RKI) erstellt und sollen die Impfkandidaten umfassend informieren und vorbereiten, bevor diese sich vom Arzt die Spritze setzen lassen.

In den Aufklärungsbögen wird benannt, inwiefern mögliche Impfreaktionen in den jeweiligen Zulassungsstudien aufgetreten sind. Bemerkenswert ist, dass im Aufklärungsbogen für mRNA-Impfstoffe – wie Biontech und Moderna – Schwindelgefühle überhaupt nicht auftauchen. Im Aufklärungsbogen für Vektor-Impfstoffe – wie Astrazeneca und Johnson & Johnson – wird Schwindel als eine gelegentliche Impfreaktion nur bei Astrazeneca aufgeführt. Die Häufigkeit soll zwischen 0,1 Prozent und 1 Prozent der Impfungen liegen. 

Schwindel bei starker allergischer Reaktion gegen einen Corona-Impfstoff

In seltenen Fällen kann Schwindel aber auch ein Symptom bei einer starken allergischen Reaktion gegen den Corona-Impfstoff sein. Bereits Ende Dezember berichtete die New York Times von solch einem Fall: Ein Doktor in Boston habe wenige Minuten nach der Impfspritze mit dem Wirkstoff Moderna Herzrasen und auch Schwindel bekommen. Er vermutete eine allergische Reaktion und behandelte sich selbst mit einem Epipen – einer Dosis Adrenalin. Behörden in Großbritannien meldeten ebenfalls bereits Ende 2020 schwere allergische Reaktionen.

Und auch dem RKI sind allergische Reaktionen im Zusammenhang mit Corona-Impfungen bekannt. Dazu zählen lokale Überempfindlichkeitsreaktionen nach einer Corona-Impfung, aber auch potenziell lebensbedrohliche Sofortreaktionen (Anaphylaxie). Schwindel kann bei den Sofortreaktionen kurz nach der Impfstoffgabe ein mögliches Symptom einer allergischen Reaktion sein. Zusammen mit dem PEI wurde deswegen eine Vorgehensweise bei den mRNA-Impfstoffen für Allergiker ausgearbeitet.

Anhand mehrere Kriterien, zum Beispiel ob der Patient in der Vergangenheit schon mal eine schwere allergische Reaktion hatte, wird entschieden, ob der Patient nach der Impfung eine längere Zeit (30 Minuten) beobachtet werden soll, oder ob mRNA-Impfstoffe generell nicht zum Einsatz kommen sollen. Was die allergischen Reaktionen genau auslöst, ist noch nicht geklärt. Im Verdacht steht Polyethylenglykol (PEG), das in den mRNA-Impfstoffen enthalten ist.

Der Sprecher des Gesundheits-Netzes Gießener Hausärzte Witold Rak sagt, dass Anaphylaxien grundsätzlich bei allen Impfungen auftreten können, vor allem aber bei Lebendimpfungen wie Masern oder Mumps. „Jede Praxis die impft, sollte deswegen auch immer ein Anaphylaxie-Set haben.“

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