Ein Kind liegt auf dem Boden und hält sich den Kopf.
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Mit den steigenden Temperaturen, steigt auch das Risiko eines Sonnenstichs oder Hitzeschlags. (Symbolbild)

Gesundheit

Hitze-Sommer: Erste-Hilfe bei Sonnenstich und Hitzschlag – Das sind die Symptome

  • VonSebastian Schmidt
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Mit den Temperaturen steigt die Gefahr sich zu überhitzen, und Sonnenstich und Hitzschlag sind nicht nur für Kleinkinder und ältere Menschen eine Gefahr. So erkennt man die Symptome rechtzeitig und leistet Erste-Hilfe.

Gießen – Bei Temperaturen über 30 Grad denken viele an das Freibad und ausgiebiges Sonnenbaden. Wenn man während dem Aufenthalt in der sommerlichen Hitze aber plötzlich Kreislaufprobleme bekommt, Kopfschmerzen einsetzen oder einem übel wird, ist Vorsicht geboten. Sonnenstich und Hitzschlag sind ernst zu nehmende Störungen, die nicht nur für Kleinkinder oder ältere Menschen gefährlich sind.

Dr. Patrick Schramm ist leitender Oberarzt der Neurologie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) in Gießen und kennt sich mit den negativen Folgen von zu viel Sonne und Hitze aus. Er erklärt, wie die einzelnen Störungen entstehen, durch welche Symptome man sie erkennt, und wie man Erste-Hilfe leisten kann.

Sonnenstich im Hitze-Sommer rechtzeitig erkennen

Ein Sonnenstich passiert, wenn Hitze – zum Beispiel in Form von Sonnenstrahlen – lokal auf den Kopf einwirkt. Dadurch steigt die Temperatur innerhalb des Kopfes an. „Und das reizt die Hirnhaut“, erklärt Schramm. Mögliche Symptome seien deswegen auch vergleichbar mit einer Hirnhautentzündung. Schramm zählt auf:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Abgeschlagenheit
  • Schwindel und innere Unruhe
  • In schweren Fällen: Bewusstseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit

Die Abgeschlagenheit könne sich im Verlauf steigern. „Das reicht von Erschöpfung bis hin zu Lethargie“, sagt Schramm. In Folge des Sonnenstiches könne es dann auch zu einer Bewusstseinstrübung, in schweren Fällen bis zur Bewusstlosigkeit kommen. „Gefährlich wird es dann, wenn jemand nicht mehr realisiert, dass es ihm schlecht geht.“

Hitze-Sommer: Kinder brauchen Kopfbedeckung, sonst droht Sonnenstich

Da der Sonnenstich durch Hitze-Einwirkung auf den Kopf entsteht, leiden oft Menschen unter den Symptomen, die längere Zeit ohne eine angemessene Kopfbedeckung in der Sonne sind. Schramm sagt: „Es sind oft ältere Menschen bei der Gartenarbeit.“

Aber auch Kleinkinder im Sandkasten seien besonders gefährdet. Denn zum einen sind die Hirnhäute der jungen Menschen anfälliger für eine Überhitzung, zum anderen wissen die Kinder noch nicht so genau über ihren Körper Bescheid. „Ein Zweijähriger merkt das nicht so schnell, der fällt einfach um“, sagt Schramm.

Übrigens: Auch wer eine Glatze oder Kurzhaarfrisur trägt, läuft laut Schramm besonders Gefahr einen Sonnenstich zu erleiden. Um dem vorzubeugen, rät der Experte deswegen, im Sommer eine Kopfbedeckung zu tragen.

Hitzeerschöpfung im Sommer: Das passiert im Körper

Während beim Sonnenstich der Kopf überhitzt, spricht man von Hitzeerschöpfung, wenn der ganze Körper zu warm wird. Schramm erklärt: „Der typische Sonnenstichpatient trägt kurze Hose und Achselshirt, der typische Patient einer Hitzeerschöpfung eine lange Arbeitshose.“ Denn oft erleiden zum Beispiel Straßenarbeiter in voller Arbeitskleidung eine Hitzeerschöpfung, aber auch Menschen, die bei brütender Hitze in stickigen Büros arbeiten.

Durch die Überhitzung erleidet der Körper einen enormen Flüssigkeits- und Salzverlust. Die Konsequenz: Der Kreislauf versagt. Typische Symptome sind dabei laut Schramm:

  • Abgeschlagenheit und Schwäche
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Herzrasen
  • Durst
  • In schweren Fällen: Koma

Hitzschlag als schlimme Form der Hitzeerschöpfung

Von einem Hitzschlag sprechen die Experten laut Schramm dann bei einer besonders schweren Form der Hitzeerschöpfung. Einer der Indikatoren für einen Hitzschlag sei, dass die Körpertemperatur auf über 40 Grad steige. Die Chance, dass die schweren Symptome der Hitzeerschöpfung - wie ein Koma - eintreten, ist erhöht. Schramm warnt: Einen Hitzschlag kann man nicht alleine verarbeiten. Hilfe wird benötigt.

Erste-Hilfe bei Sonnenstich und Hitzschlag - Das rät der Experte

Schramms wichtigster Rat zuerst: Wenn eine Person verwirrt ist, sie nicht mehr richtig angesprochen werden kann oder sogar bewusstlos ist, sollte man unbedingt den Notruf (112) alarmieren.

Ansonsten sind die Symptome eines Sonnenstichs, einer Hitzeerschöpfung oder eines Hitzschlags für Laien oft nicht voneinander zu unterscheiden, die Erste-Hilfe-Maßnahmen sind jedoch die gleichen. „Die Person muss sofort aus der Sonne raus“, sagt Schramm. Am besten in den Schatten oder einen gut belüfteten Raum. Optimal sei eine Umgebungstemperatur von 20 bis 25 Grad. Auch kalte Luft zu fächern, kann helfen.

Die Erste-Hilfe-Tipps bei Sonnenstich und Hitschlag:

Die überhitze Person an einen kühleren Ort (Schatten, klimatisierter Raum) bringen.

Ihr ausreichend Wasser (zwei bis drei Liter) zum Trinken geben, das aber nicht eiskalt sein sollte.

Wenn die Person verwirrt ist oder nicht mehr richtig bei Bewusstsein: den Notruf (112) wählen.

Vorsicht vor Bewusstlosigkeit durch kalte Getränke bei Erster-Hilfe

Desweitern sollte die betroffene Person ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. „Zwei bis drei Liter sind in so einer Situation angebracht“, sagt Schramm. Dabei sollten Erst-Helfer aber darauf achten, dass die Getränke nicht zu kalt sind. „Körpertemperatur wäre ideal.“ Denn ansonsten könne es zu einem Schock der Inneren Organe kommen – Bewusstlosigkeit drohe.

Wenn man im Freibad ist, sollte man bei einem Sonnenstich oder Hitzschlag übrigens auch nicht ins kalte Wasser springen, sagt Schramm. Durch den abrupten Temperaturwechsel könne sich das Blut umverteilen, wieder kann der Patient bewusstlos werden. Im Schwimmbecken könnte das fatal enden.

Und auch wenn es bei diesen Temperaturen nahe liegt, ein kaltes Bier zur Abkühlung zu trinken, einen Rat hat Schramm zum Schluss noch: Die Gefahr eines Sonnenstichs, einer Hitzeerschöpfung oder eines Hitzschlages steigt, wenn man in der Sommer-Hitze alkoholische Getränke zu sich nimmt. „Dadurch wird die Temperaturregulierung gestört und der Blutdruck sinkt.“

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