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Zuflucht auf dem Dach: Die vom Zyklon "Idai" ausgelösten Überschwemmungen setzten im Zentrum von Mosambik ganze Landstriche unter Wasser und beschädigten zahllose Häuser.

Helfer warnen: Mosambik vor noch schlimmeren Überflutungen

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In Mosambik sprechen Helfer wegen massiver Überschwemmungen schon jetzt von einer "Insellandschaft". Zahlreiche Orte sind von der Außenwelt abgeschnitten. Und es regnet weiter. Experten warnen bereits vor dem Ausbrechen von Krankheiten im Katastrophengebiet.

Nach dem tropischen Wirbelsturm "Idai" spitzt sich die Lage in Mosambik wegen anhaltend starker Regenfälle weiter dramatisch zu. Hunderttausende sind im Zentrum des Landes von schweren Überschwemmungen betroffen, und das Wasser soll bis mindestens Freitag weiter steigen.

Die Vereinten Nationen warnten am Mittwoch, mancherorts könnten die Fluten bis zu acht Meter hoch sein. Für Tausende Menschen, die auf Hausdächern ausharrten und verzweifelt auf Hilfe warteten, war die Situation lebensgefährlich.

"Für manche dieser Menschen wird es hart, ihre Häuser werden nicht hoch genug sein", sagte eine Sprecherin des Roten Kreuzes in Mosambik, Hanne Roden. Daher sei es momentan für Helfer oberste Priorität, die Menschen in den zahlreichen von der Außenwelt abgeschnittenen Orten zu retten. "Wir haben allerdings nicht genügend Boote und Hubschrauber", sagte Roden.

Zunächst hatte der Zyklon zu großen Überschwemmungen geführt. Nun bringen die bereits über die Ufer getretenen Flüsse noch die vom Zyklon im Hinterland abgeladenen Wassermassen in die tieferliegenden Küstengebiete. "Es ist schlimm jetzt, aber es wird noch schlimmer werden, bevor es besser wird."

Fotos zeigten Gebäude, auf deren Dächern Dutzende Menschen Zuflucht gesucht hatten. Ein Sprecher des Welternährungsprogramms (WFP) in Beira sagte, Retter hätten am Dienstag zunächst 170 Menschen von Hausdächern geborgen. "Die über die Ufer getretenen Flüsse haben im Landesinneren eine Insellandschaft geschaffen", sagte Gerald Bourke.

Der Zyklon "Idai" mit der Stärke vier von fünf war in der Nacht zum Freitag vom Indischen Ozean in der Nähe von Beira auf Land getroffen. In der Hafenstadt mit rund 500.000 Einwohnern gab es immer noch keinen Strom und keine Wasserversorgung, das Leichenhaus war überfüllt. Am Mittwoch funktionierte allerdings erstmals das Handynetz wieder, erklärte die Mobilfunkgesellschaft Tmcel.

Die Regierung rief unterdessen den Notstand aus, um mehr Hilfe zu mobilisieren. Zudem galten ab Mittwoch drei Tage Staatstrauer, um der Opfer zu gedenken, wie Präsident Filipe Nyusi erklärte. Er hatte am Montag gewarnt, es könne mindestens 1000 Tote geben. Das Rote Kreuz rechnet mit bis zu 400.000 zeitweise obdachlosen Menschen. Unzählige Gebäude, rund 30 Krankenhäuser und 500 Schulen wurden beschädigt

"Hier ist ein Zyklon mitten auf eine Metropole getroffen, das macht die Auswirkungen dieser Katastrophe besonders schwer", sagte der Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes, Christian Reuter, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe nun auch eine "große" Gefahr, dass Durchfallerkrankungen wie Cholera ausbrächen. Um das zu vermeiden, müsse dringend die Versorgung mit Trinkwasser wiederhergestellt werden. "Aus deutscher oder europäischer Perspektive wird das als Selbstverständlichkeit angesehen, aber der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist das Allerwichtigste", sagte er.

In Rom sprach Papst Franziskus den Betroffenen sein Mitgefühl aus. "Ich vertraue die vielen Opfer und ihre Familien der Barmherzigkeit Gottes an und bitte um Trost und Unterstützung für diejenigen, die von diesem Unheil getroffen wurden", sagte der Pontifex bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz.

Die indischen Streitkräfte schickten unterdessen drei Militärschiffe nach Beira, um humanitäre Hilfe zu leisten. Die UN gaben am Mittwoch als Anschubfinanzierung des Hilfseinsatzes 20 Millionen Dollar frei. Das internationale Rote Kreuz (IKRK) startete einen Spendenaufruf für 10 Millionen Schweizer Franken, um Notunterkünfte zu bauen und die Wasserversorgung wieder herzustellen. Die Regierung im ostafrikanischen Tansania, das im Süden an Mosambik grenzt, schickte mehr als 200 Tonnen Hilfsgüter in die Region. In Simbabwe waren wegen des Zyklons rund 100 Menschen ums Leben gekommen, etwa 50 in Malawi.

Mosambik wird immer wieder von schweren Wirbelstürmen getroffen. Der Zyklon "Favio" beispielsweise hatte 2007 rund 130.000 Häuser beschädigt und Zehntausende Menschen zur Flucht gezwungen. Mosambik gehört einem UN-Index zufolge zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. Die Regierung dürfte mit der Bewältigung der sich abzeichnenden humanitären Katastrophe infolge von "Idai" überfordert sein.

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