Hammerharte Tiefseetaucher

  • vonDPA
    schließen

Er sieht schräg aus, kann bei Bedarf auf vegane Kost umsteigen, und seine Weibchen pflanzen sich bei Männchenmangel auch mal per Jungfernzeugung fort. Der Hammerhai ist anders als andere Haie. Jetzt haben US-Wissenschaftler eine neue Besonderheit bei ihm ausgemacht: Wenn ihm zu kalt wird, hält er kurzerhand den Atem an.

Reptilien, Lurche und Fische sind wechselwarm, weswegen sie spezielle Maßnahmen ergreifen müssen, wenn es kalt wird. Eidechsen etwa legen sich in die Sonne, und Haie bleiben fortwährend in Bewegung. Doch für den Hammerhai gilt das nicht.

Dem Meeresbiologen Mark Royer von der University of Hawaii fiel auf, dass sie immer wieder das 25 Grad warme Wasser nahe der Oberfläche verlassen, um sturzflugartig auf 800 Metern Tiefe abzutauchen, wo nur noch vier Grad Celsius herrschen. "Das ist normalerweise zu kalt für sie", betont Royer. Theoretisch müsste ihr Stoffwechsel so langsam werden, dass sie von allen Sinnen und Muskelfunktionen verlassen werden. Doch in der Praxis schaffen Hammerhaie es trotzdem immer wieder, unbeschadet von ihren Tiefseeausflügen zurückzukehren. Sie müssen also einen Ausweg aus dem Wärmedilemma gefunden haben.

Das Forscherteam um Royer stattete neun Hammerhaie rund um die Hawaii-Insel Oahu mit einem Sensorsystem aus, das neben der Tauchtiefe und Wassertemperatur auch die Bewegungen und Körpertemperaturen des Fisches sowie den Gasaustausch in seinen Kiemen erfasste. Die Beobachtungen streckten sich über insgesamt 23 Tage.

Und dieses Material zeigte, wie es dem Hammerhai auch in kalter Tiefsee gelingt, seine Wärme zu halten. Nämlich dadurch, dass er den Gasaustausch in seinen Kiemen einstellt. Wofür es wiederum zwei Erklärungen geben kann. Die erste: Der Fisch schließt sein Maul, sodass kein Wasser mehr an den Kiemen vorbeifließt. Die zweite: Er leitet seinen Blutkreislauf an den Kiemen vorbei. "Wir wissen nicht, welches dieser Modelle greift", betont Royer. Doch beide laufen ohnehin auf den gleichen Effekt hinaus: dass es nämlich über die Kiemen keinen intensiven Kontakt mehr zum kalten Wasser gibt, sodass der Hai seine Körperwärme und seine Muskeln auf Betriebstemperatur halten kann. "Im Prinzip halten also Hammerhaie den Atem an, wenn sie in die Tiefe tauchen", erläutert Royer. jzi

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare