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In Gelsenkirchen kamen gleich drei Kinder ohne Hand zur Welt. Haben Ärzten nun eine ungewöhnliche Lösung?

Es erinnert an die Contergan-Fälle

Mehrere Babys ohne Hand geboren: Ärzte schlagen Mutter eine ungewöhnliche Lösung vor

Drei Babys kamen innerhalb weniger Monate in der gleichen Klinik ohne Hände zur Welt. Zufall oder alarmierend? In NRW liegen nun Zahlen aus den vergangenen Jahren vor.

  • Drei Babys wurden innerhalb weniger Wochen mit einer Handfehlbildung in einer Gelsenkirchener Klinik (NRW) geboren.
  • Hebammen hatten auf die Fälle aufmerksam gemacht.
  • Ist die Häufung zufällig? Nun liegen Zahlen aus den vergangenen Jahren vor.


Babys ohne Hand geboren: Gesundheitsministerium liegen Zahlen vor 

Update vom 30. September: Drei Babys waren zwischen Juni und Anfang September mit einer Fehlbildung an den Händen in einer Klinik in Gelsenkirchen (NRW) geboren worden. Das Gesundheitsministerium Nordrhein-Westfalen hatte nach dieser Häufung alle Geburtskliniken des Bundeslandes nach Fehlbildungen in den Jahren Jahren 2017, 2018 und 2019 gefragt. Das Gesundheitsministerium gibt nun Entwarnung.

Die Abfrage des Ministeriums ergab, dass bei deutlich weniger als 0,1 Prozent aller Neugeborenen Fehlbildungen der Hände festgestellt wurden. „Für die Jahre 2017, 2018, 2019 wurden mit Stand vom 27. September 2019 insgesamt 72, 64 beziehungsweise 61 Fehlbildungen der oberen Extremitäten in Nordrhein-Westfalen gemeldet“, hieß es. 

Bei Arm- und Handfehlbildungen Neugeborener sieht das Gesundheitsministerium Nordrhein-Westfalens in den vergangenen Jahren „keine offensichtlichen Trends und regionalen Häufungen“.

Mehrere Babys ohne Hand geboren: Ärzte schlagen Mutter eine ungewöhnliche Lösung vor

Update vom 23. September: Immer mehr Fälle von Babys mit Fehlbildungen an den Händen werden bekannt. Nun hat sich auch eine Mutter aus Dorsten gemeldet. Ihr kleiner Sohn wurde vor fünf Monaten geboren - ebenfalls mit einer fehlgebildeten Hand, berichtet bild.de.

Nachdem nun immer mehr Fälle bekannt werden, hat sich auch die 23-Jährige an das Krankenhaus in Gelsenkirchen gewandt. „Es kann ja nicht schaden, dass sie wissen, dass wir auch betroffen sind“, sagte sie gegenüber der Bild-Zeitung. Daraufhin wurde der Kleine noch einmal untersucht und erhielt eine unglaubliche Lösung präsentiert. 

Neben Prothesen gab es wohl auch die Möglichkeit, Zehen an die Hand zu operieren. Er würde sie aber nicht bewegen können und bräuchte für die operierten Füße lebenslang Einlagen. Die Operation würde im Alter von etwa einem Jahr stattfinden. Eine Lösung für die Fehlbildung?

Für die Familie des fünf Monate alten Babys nicht. Sie entschied sich dagegen. „Ihm fehlt jetzt schon eine Hand. Ich will nicht, dass die Füße auch noch zur Baustelle werden“, so die Mutter gegenüber der Bild. Der Junge soll später selbst entscheiden - wenn er etwas älter ist.

Mehrere Babys ohne Hand geboren - betroffene Mutter spricht

18.32 Uhr: In Frankreich wurden ähnliche Fehlbildungen bereits vor Jahren festgestellt. Emmanuelle Amar, die das Register für Fehlbildungen in einer Region nahe Lyon leitet, erklärte laut tagesschau.de: "Das sind immer die gleichen Fehlbildungen, sie sind deckungsgleich und äußerst selten. Außerdem sind solche Fehlbildungen am Fötus ein klares Zeichen von Umwelteinflüssen, das weiß man." 

Auch im Nachbarland melden sich deshalb immer mehr Betroffene zu Wort - so beispielsweise eine Mutter, die erklärt, dass ihre zweijährige Tochter schon jetzt merke, dass sie anders sei: „Sie wird uns bald fragen: 'Warum?' Und wir würden gern auf diese Fragen antworten können." 

Die nationale Gesundheitsbehörde ignorierte die Warnrufe jahrelang - nun musste sie handeln

Auch die französische Gesundheitsbehörde hat mittlerweile reagiert und einen Bericht mit 265 Seiten veröffentlicht. Man habe demnach jedoch keine gemeinsamen Ursachen für die untersuchten Fälle feststellen können. Es soll deshalb schon bald eine neuerliche Untersuchung eingeleitet werden.

Update vom 21. September:Die Mutter eines betroffenen Kindes hat sich jetzt zu Wort gemeldet. Ihr Sohn sei fünf Monate alt, seine rechte Hand fehle, sagte die Frau der „WAZ“.  Auf den Ultraschallbildern aus der Schwangerschaft sei ihr Kind so im Bauch gelegen, dass die fehlende Hand verborgen geblieben sei.  

Noch während der Geburt habe eine Ärztin plötzlich gesagt, dass die Hand fehle. „Ich wusste zunächst gar nicht, was sie meinte“, so die Mutter. Später habe ihr die Ärztin gesagt, dass sie so etwas noch nie gesehen habe.

Hebamme macht Fehlbildungen öffentlich: Drei Kinder ohne Hand geboren - Nun äußert sich die Klinik 

News vom 17. September, 16.46 Uhr: Bayern plant eine landesweite Umfrage zu Handfehlbildungen bei Neugeborenen. „Das bayerische Gesundheitsministerium nimmt die Berichte über das gehäufte Auftreten von Fehlbildungen der Hand bei Neugeborenen an einer Klinik in Nordrhein-Westfalen sehr ernst“, sagte ein Ministeriumssprecher am Dienstag. „Deshalb werden wir in Kürze eine Abfrage bei allen Geburtskliniken in Bayern starten, ob dort ähnliche Fehlbildungen aufgefallen sind.“

Der Schritt sei mit anderen Bundesländern abgestimmt, sagte der Sprecher. Auch dort werde es eine Abfrage geben. Die Gesundheitsressorts der Bundesländer und das Bundesgesundheitsministerium hatten sich dem Sprecher zufolge am Dienstagmorgen bei einer Telefonschaltkonferenz auf dieses Vorgehen verständigt. 

Hebamme macht Fehlbildungen öffentlich: Drei Kinder ohne Hand geboren - Nun äußert sich die Klinik

Update vom 14. September, 16.23 Uhr: Nach einer ungewöhnlichen Häufung von Fehlbildungen bei Neugeborenen an einer Gelsenkirchener Klinik will sich Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerium einen genaueren Überblick verschaffen. Das Ministerium werde alle Klinken in NRW abfragen, ob dort ähnliche Fehlbildungen aufgefallen seien, sagte eine Sprecherin der Düsseldorfer Behörde am Samstag auf Anfrage. Man nehme die Berichte über solche Fälle „sehr ernst“. 

„Darüber hinaus nehmen wir Kontakt mit den Ärztekammern, dem Bund und den anderen Bundesländern auf, um möglichen Ursachen mit aller Sorgfalt nachzugehen.“ Ob ein Melderegister der richtige Weg sei, gelte es gemeinsam zu prüfen, sagte die Sprecherin.

Update vom 14. September, 9.50 Uhr: Das Bundesgesundheitsministerium von Jens Spahn (CDU) hat sich zurückhaltend zu den Fällen von Babys mit fehlgebildeten Händen in Gelsenkirchen geäußert. Zu den konkreten Fällen lägen keine Erkenntnisse vor, teilte ein Ministeriumssprecher am Samstag in Berlin mit. „Wenn es eine auffällige Häufung von Fehlbildungen bei Neugeborenen geben sollte, muss das so schnell wie möglich geklärt werden“, erklärte er. Das Ministerium begrüße, dass das betreffende Krankenhaus Kontakt zur Berliner Charité aufgenommen habe.

Hebamme macht Fehlbildungen öffentlich: Drei Kinder ohne Hand geboren - Nun äußert sich die Klinik 

News vom 13. September: 19.07 Uhr: Einen Tag nachdem eine Hebamme aus Gelsenkirchen eine Reihe von Fehlbildungen bei Neugeborenen öffentlich macht, bezieht nun auch die Klinik Stellung. In dem Sankt Marien-Hospital in Gelsenkirchen kommen innerhalb der letzten Wochen drei Babys mit fehlgebildeten Händen zur Welt. 

Eine Tatsache, die auch die Klinik stutzig werden lässt. Auf ihrer Website heißt es: „In der geburtshilflichen Abteilung des Sankt Marien-Hospitals Buer sind zwischen Juni 2019 und Anfang September 2019 insgesamt drei Kinder mit einer isolierten einseitigen Handfehlbildung geboren worden. Bei diesen Kindern, die alle pränatal nicht von unserer Klinik gesehen wurden, wurden keine weiteren Fehlbildungen diagnostiziert.“

Bei den Fehlbildungen handele es sich demnach um zwei Kinder mit einer deformierten linken Hand. Bei einem anderen Baby sei die rechte Hand betroffen, auch hier Handteller und Finger nur rudimentär angelegt. 

„Wir konnten keine ethnischen, kulturellen oder sozialen Gemeinsamkeiten der Herkunftsfamilien sehen. Alle Familien wohnen im lokalen Umfeld. Fehlbildungen dieser Art haben wir viele Jahre lang nicht gesehen. Das mehrfache Auftreten jetzt mag auch eine zufällige Häufung sein. Wir finden jedoch den kurzen Zeitraum, in dem wir jetzt diese drei Fälle sehen, auffällig“, erklären Verantwortliche der Klinik. 

Gelsenkirchen: Hebamme geht an Öffentlichkeit - Mehrere Kinder mit Fehlbildung geboren 

Ursprungsartikel vom 13. September 2019, 9.04 Uhr: Babys, die ohne Hände und Arme auf die Welt kommen, deren Gliedmaßen nicht voll ausgebildet sind. Nein, hier geht es nicht um einen Rückblick auf den Contergan-Skandal in den 60er Jahren. 

In Deutschland kam es jetzt zur einer auffälligen Häufung von Babys, die ohne Hände zur Welt kamen. In der Gelsenkirchender Klinik Sankt Marien-Hospital Buer kamen innerhalb von vier Monaten drei Kinder mit „isolierten einseitigen Handfehlbildungen“ zur Welt. An die Öffentlichkeit kam das Thema, weil die Kölner Hebamme Sonja Liggett-Igelmund es in der Presse thematisierte. Sie startete einen Aufruf im Express, um eventuelle weitere Familien zu finden.

Babys ohne Hände: Missbildungen werden nicht zentral gesammelt und untersucht 

Da Missbildungen bei Babys nicht zentral gemeldet werden, kann es sein, dass benachbarte Kliniken gar nicht wissen, dass es weitere Missbildungsfälle in der näheren Umgebung gab.

Babys ohne Hände: Experten aus Berlin untersuchen die Fälle jetzt

Die Gelsenkirchener Klinik hat sich nach dieser auffälligen Häufung nun an die Berliner Charité gewandt. In der Abteilung „Embryonlatoxologie“ gibt es Experten, die diese drei Fälle nun untersuchen werden. Dabei müssen sie auch in Betracht ziehen, ob vielleicht ein Risiko von einem Arzneimittel ausgegangen sein könnte.

Für die Kölner Hebamme Sonja Liggett-Igelmund ist klar, man diese Entwicklung aufmerksam beobachten muss. Deshalb appelliert sie an Eltern, deren Kind ebenfalls mit einer Missbildung zur Welt kam, sich zu melden. Denn ob Umweltfaktoren, Medikamente oder die Ernährung zu diesen Fehlbildungen geführt haben, könne man nur bestimmen, wenn man alle Fälle und somit alle Faktoren untersuchen kann.

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Nach Klinik in Gelsenkirchen: Weitere Eltern melden sich mit Babys ohne Hände

Nach ihrem Aufruf haben sich bereits 20 Familien bei der Kölner Hebamme gemeldet, deren Kinder auch betroffen sind, berichtet Bild.de. Auf Facebook bat die Hebamme um Meldungen von den Familien. So können die Familien zum Beispiel mit ihr in Kontakt treten.

In Mönchengladbach kam ein rekordverdächtiges Baby zur Welt: Der Junge war bei der Geburt bereits 65 Zentimeter groß. Einen tragischen Unfall gab es bei einer Geburt in Südafrika: Denn im Kreißsaal wird das Baby geköpft. Auch in einem Krankenhaus in Hamburg kam es zur Katastrophe, nachdem die werdende Mutter stundenlang alleine im Kreißsaal lag, wie nordbuzz.de* berichtet. Eine weitere Tragödie ereignete sich bei dem bekannten Wacken-Festival: Auf einem Feld wird ein totes Baby gefunden. 

In den USA hatt ein Vierjähriger ein Problem, das wohl viele Eltern irgendwann ereilt: Die Angst vor der Abnabelung. Als der Junge, der vor seinem ersten Tag im Vorschul-Kindergarten stand, sich aber an Mama festklammerte, reagierte die Schulbusfahrerin genial - und nahm dem Buben jede Angst.

pn

*nordbuzz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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