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Das Landgericht in Kassel.

Sie wollte während Evakuierung in ihre Wohnung

Frau aus Kassel beißt Polizistin Daumennagel ab: Urteil im Prozess ist gefallen

Weil sie während einer Evakuierung wegen einer Weltkriegsbome in Kassel in ihre Wohnung wollte, biss eine Frau einer Polizistin den Daumennagel ab. Jetzt fiel das Urteil im Prozess.

Die gegen die psychisch kranken Frau verhängte Freiheitsstrafe wandelte das Gericht in eine Bewährungsstrafe um. „Ein Mensch mit einer solchen Krankheit gehört nicht in den Knast.“ Dieser Einschätzung von Verteidiger Werner Momberg schloss sich gestern auch Landesrichter Dr. Senger und seine 9. Strafkammer des Landgerichts an. Die wandelte in der Berufungsverhandlung die zehnmonatige Freiheitsstrafe des Amtsgerichts vom Mai in eine Bewährungsstrafe um. Außerdem muss die junge Frau 100 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten.

Bestraft wurde damit das Verhalten der psychisch kranken Frau von Ende Juli vergangenen Jahres. Am Bereich Königstor/Westendstraße hatte die Polizei Wohnungen evakuiert und Straßen gesperrt, weil eine in Kassel gefundene Weltkriegs-Bombe entschärft werden sollte, wie hna.de* berichtete.

Frau beißt Polizistin Daumennagel ab: Angeklagte hat Persönlichkeitsstörung

Die junge Frau sah das nicht ein und wollte partout in ihre Wohnung im Sperrbereich zur Entschärfung der Weltkriegs-Bombe. Als die Polizisten sie zurückhielten, wehrte sie sich mit Schlägen und Tritten und wurde schließlich aufs Revier gebracht.

Als dort eine Polizistin den Mund der Frau auf möglicherweise versteckte Rasierklingen untersuchen wollte, biss die Angeklagte der Beamtin den Daumennagel ab.

Eine psychiatrische Einschätzung bescheinigte der zierlichen Frau, die mit einem roten Schutzhelm auf dem Kopf neben ihrem Verteidiger saß, eine Persönlichkeitsstörung. Immer wenn sie sich hilflos und unterlegen fühle, komme sie in Erregungszustände, die sie nicht mehr kontrollieren kann. 

Wegen ähnlicher Vorfälle war sie vorbestraft, stand auch unter laufender Bewährung. Immerhin ist sie in Behandlung, hat Aussicht auf eine betreute Arbeitsstätte und wurde seit einem Jahr nicht mehr auffällig. Dies honorierte das Gericht.

Von Thomas Stier

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk

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